Darum gehts
- Das Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» erreicht Teneriffa nach Hantavirus-Ausbruch an Bord
- WHO betont geringes Risiko, Passagiere haben Angst vor Stigmatisierung und Anfeindungen
- 140 Passagiere sollen am Sonntag das Schiff verlassen und untersucht werden
Die «MV Hondius» nähert sich Stück für Stück den Kanaren. Auf Teneriffa sollen die an Bord verbliebenen Passagiere das Seuchenschiff, auf dem es mehrere tödliche Hantavirus-Fälle gab, verlassen und untersucht werden. Genau das macht nun einigen Kreuzfahrtgästen Angst. Nicht wegen einer möglichen Ansteckung, sondern vielmehr aus Sorge um die Reaktion auf die Rückkehr an Land.
Sie hätten reisserische Nachrichtenberichte und Social-Media-Memes gesehen, die diejenigen an Bord der MV Hondius ausgrenzten, sagten zwei Passagiere der Nachrichtenagentur AP am Freitag bei einem Telefonat vom Schiff aus.
WHO bemüht sich um Beruhigung
«Wenn man in den sozialen Medien nachsieht, wollen sie das Boot sprengen. Sie wollen das Boot versenken», so ein schockierter Spanier. Er sagt, er mache sich Sorgen, als potenzieller Virusüberträger stigmatisiert zu werden, den es zu meiden gelte – oder Schlimmeres.
«Wenn man sieht, was da draussen los ist, merkt man, dass man mitten ins Auge eines Hurrikans steuert», ergänzt eine Spanierin. «Viele vergessen, dass sich hier mehr als 140 Passagiere befinden. Tatsächlich sind es 140 Menschen.»
Der Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff weckt bei vielen Menschen Erinnerungen an die Corona-Pandemie. Seit Tagen erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gebetsmühlenartig, dass solche Sorgen unbegründet seien. Das Hantavirus stelle ein sehr geringes Risiko für die Allgemeinheit dar. «Dies ist nicht der Beginn einer Covid-Pandemie», sagte Maria Van Kerkhove, Leiterin der Abteilung für Epidemie- und Pandemievorsorge der WHO, am Donnerstag.
Passagiere könnten Schiff schon Sonntag verlassen
Das Hantavirus wird üblicherweise durch das Einatmen kontaminierten Nagetierkots übertragen und ist nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Das im Rahmen des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff nachgewiesene Andenvirus kann sich jedoch in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch verbreiten.
Laut AP-Informationen könnte bereits am Sonntag mit der Ausschiffung der Passagiere begonnen werden.