Darum gehts
- Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff, WHO gibt Entwarnung für Epidemie
- Tweet aus 2022 sagt Hantavirus vorher, Netz reagiert mit Spekulationen
- WHO: Hantavirus selten und meist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar
Kanntest du das Hantavirus? Ich nicht. Also jetzt natürlich schon. Die ganze Welt spricht darüber, nachdem es zu einem Ausbruch an Bord der MV Hondius kam. Die Behörden suchen nach möglichen Infizierten. Und Erinnerungen an Corona werden wach. Die Weltgesundheitsorganisation hat am Donnerstag Entwarnung gegeben. Notfallchef Abdirahman Mahamud sagte: «Es ist eine limitierte Epidemie, beschränkt auf ein Kreuzfahrtschiff. Es gibt keinen Grund zur Panik.» Die Kontaktverfolgung laufe auch in den USA.
Gleichzeitig macht gerade ein Post auf X die Runde. Er sorgt für Rätselraten und wilde Theorien. Kein Wunder: Ein kleiner, unbedeutender Account namens Soothsayer (zu Deutsch «Wahrsager») soll exakt das Ende von Corona und den Anfang des Hantavirus vorhergesagt haben – und zwar vor vier Jahren schon. Konkret: am 11. Juni 2022.
«Nur ein gruseliger Zufall»
Aber wie ist das möglich? Ein Zufallstreffer? In seinem Profil schreibt Soothsayer, dass er in die Zukunft schauen kann. Jetzt nicht überraschend, wenn er sich schon Wahrsager nennt.
Aber die exakte Prognose für Corona und Hanta überrascht. Und das Netz dreht durch. Besonders, weil der User sonst belanglose Posts auf X geschrieben hat. Einige wittern eine Verschwörung. Sie glauben, dass schon Corona eine inszenierte Pandemie war. Jetzt sollte die nächste folgen. Andere können nicht verstehen, wie es zu der exakten Vorhersage kommen konnte. «Wie konntest du das wissen?», lautet ein Kommentar.
Auch Grok, die künstliche Intelligenz von X, wird dazu befragt. Die Antwort: «Nur ein gruseliger Zufall, keine Prophezeiung. Hantavirus ist real, aber selten und nicht von Person zu Person in den meisten Stämmen übertragbar.»
Steckt ein Trick dahinter?
Es gibt aber auch die Theorie, dass dieser Post manipuliert worden sein könnte. Es soll nur der Anschein erweckt werden, dass er aus dem Jahr 2022 stammt. Dabei sind die Zeitstempel bei X eigentlich nicht veränderbar. «Dieser Tweet hat vor vier Jahren nicht existiert. Die ‹Vorhersage›, die Sie sehen, ist ein klassischer Trick», schreibt etwa ein Account.
Und er erklärt, dass dafür sogenannte Geister-Accounts erstellt werden. Ein paar Posts, und dann werden sie nicht mehr benutzt. «Ein Programmierer nimmt einfach einen frischen Tweet und überschreibt sein Datum in der Datenbank auf 2022 oder ein beliebiges anderes Jahr.» Aber können Programmierer einfach so auf X zugreifen?
Kein Wunder, nur Statistik?
Im Webarchiv findet sich der Post bereits im Jahr 2022. Er ist also echt und stammt wirklich aus diesem Jahr. Ausserdem posten andere X-User Screenshots, die beweisen sollen, dass sie den Post damals schon gesehen und sogar ein Like gegeben haben.
Eine weitere Theorie, die dazu kursiert: Zufall! Das Prinzip dürfte schon beim Anschlag auf US-Präsident Donald Trump (79) zum Einsatz gekommen sein.
Dafür werden unzählige Accounts erstellt. Solche Accounts posten Tausende Kombinationen von Daten und Krankheiten – und löschen später alles, was nicht eingetroffen ist. Was übrig bleibt, sieht aus wie ein Wunder. Ist aber nur Statistik.