«So wurde der Fall in der Schweiz identifiziert»
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WHO zum Hantavirus:«So wurde der Fall in der Schweiz identifiziert»

Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff
«Es gibt kein Gegenmittel»

Am Donnerstagnachmittag spricht WHO-Chef Ghebreyesus im Rahmen einer Pressekonferenz über das Hantavirus. Der Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff und seine Folgen beschäftigen auch die Weltgesundheitsorganisation. Blick tickert die Medienkonferenz ab 15 Uhr live.
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Die Weltgesundheitsorganisation beobachtet den Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff genau.
Foto: IMAGO/dieBildmanufaktur

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff «MV Hondius»: Sieben Fälle wurden der WHO gemeldet
  • Drei Todesfälle und ein schwer erkrankter Patient bestätigt, auch ein Schweizer infiziert
  • 40 Passagiere verliessen Schiff in St. Helena
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Marian NadlerRedaktor News
vor 11 Minuten

«Es gibt kein Gegenmittel»

Wie ist die Lage an Bord? «Ja, wir haben Videos der Passagiere gesehen. Wir hören sie», sagt Maria van Kerkhove. Man sei mit dem Kapitän in Kontakt. «Wir arbeiten mit allen an Bord.» Zwei spezialisierte Ärzte aus den Niederlanden seien an Bord. Dass sich das Schiff jetzt in Richtung Kanaren bewegt, soll für Entspannung gesorgt haben.

Es folgt die letzte Frage: Braucht es eine Impfung für das Hantavirus? «Es gibt kein medizinisches Gegenmittel», räumt Anaïs Legand ein. «Die WHO ermutigt Wissenschaftler und Länder, ein lebensrettendes Gegenmittel zu entwickeln. In den vergangenen zehn Jahren sei viel geschehen mit Blick auf ein mögliches Gegenmittel, merkt Maria van Kerkhove an. «Das ist, was wir weiter sehen wollen. Wir sind sehr dankbar dafür.» Die Medienkonferenz geht mit einem Spendenaufruf für die WHO zu Ende und einem Dankeswort von WHO-Chef Ghebreyesus an die Medienvertreter. 

vor 19 Minuten

«Schritt-für-Schritt-Plan» für Rückkehr der Passagiere

Van Kerkhove unterstreicht erneut: «Das Risiko für die generelle Öffentlichkeit ist niedrig.» Sie betont erneut, dass die Übertragung vor allem über Nagetiere erfolge. Abdirahman Mahamud fügt an, dass Isolation nur bei Infizierten nötig sei, die symptomatisch seien. In solchen Fällen würden die Infizierten mit Symptomen von Arbeitern aus dem Gesundheitsbereich täglich besucht. «Wie genau das umgesetzt wird, wird von Land zu Land anders aussehen.»

Wie werden die Kreuzfahrtschiff-Passagiere das Boot verlassen? Anaïs Legrand erwähnt einen «Schritt-für-Schritt-Plan», der aktuell entwickelt werde. Maria van Kerkhove sagt, dass mit den Ländern, deren Staatsbürger auf dem Schiff seien, zusammengearbeitet werde, um eine sichere Rückkehr zu gewährleisten. Das gelte auch für die Schiffscrew. 

vor 25 Minuten

«Jedes Land sollte sein Überwachungssystem hochfahren»

Die Tests würden in drei Laboren ausgewertet, sagt Maria van Kerkhove jetzt. Die WHO bringt Menschen zusammen für eine Risikobewertung, unter anderem aus Argentinien, wo man sich besonders gut mit dem Andesvirus auskennt.

Anaïs Legand wird anschliessend gefragt, wie lange sich die Infizierten isolieren müssen. Sie nennt einen Monitoring-Zeitraum von sechs Wochen, was der Inkubationszeit entspricht. «Die hohe Mortalität ist bestätigt», sagt sie auch noch. «Jedes Land, in dem das Hantavirus zirkuliert, sollte sein Überwachungssystem hochfahren.» Van Kerkhove ergänzt, dass nicht alle Infizierten auch sechs Wochen in Isolation müssen. Man wird von Fall zu Fall entscheiden müssen. 

vor 33 Minuten

Wie geht es der KLM-Flugbegleiterin?

Nun geht es um die KLM-Stewardess, die Symptome gezeigt haben soll, nachdem sie mit der verstorbenen Niederländerin in Kontakt kam. Fieberexpertin Anaïs Legand erwähnt, dass auch beim Hantavirus PCR-Tests zum Einsatz kommen. «Es geht schnell, eine Sache von Stunden», sagt sie über den Weg bis zum positiven oder negativen Testergebnis. 

«Wir sind in Kontakt mit den niederländischen Behörden», antwortet Epidemieexpertin Maria van Kerkhove. «Es ist kein gewöhnliches Virus und wird vor allem in Südamerika gefunden.» Auf die Flugbegleiterin geht sie nicht ein. 

vor 36 Minuten

«Es gibt keinen Grund zur Panik»

Erstmals spricht jetzt Chikwe Ihekweazu, Exekutivdirektor des WHO Health Emergencies Programme. «Die Institutionen auf der Welt haben wirklich zusammengearbeitet, Informationen und Wissen geteilt, um schnell auf die Situation zu reagieren», lobt er. 

Sein Kollege Abdirahman Mahamud fügt hinzu: «Es ist eine limitierte Epidemie, beschränkt auf ein Kreuzfahrtschiff. Es gibt keinen Grund zur Panik.» Die Kontaktverfolgung laufe auch in den USA. «Hoffentlich teilen sie ihre Informationen mit uns.» 

vor 40 Minuten

USA sollten WHO-Austritt überdenken

Nun ergreift wieder Tedros Ghebreyesus das Wort. Bislang laufe die Zusammenarbeit mit den USA gut, betont er. «Wir helfen, die Welt sicherer zu machen. Unsere Mission beinhaltet auch die amerikanische Bevölkerung.» Ausbrüche wie die auf dem Kreuzfahrtschiff würden zeigen, wie wichtig die Plattform WHO sei. «Vielleicht wollen sie ihre Entscheidung überdenken. Viren sind Grenzen und Politik egal. Ihnen sind unsere Ausreden egal.

vor 44 Minuten

Kontakte von verstorbener Frau in Südafrika negativ getestet

«Es gibt zwei in Südafrika bestätigte Fälle», sagt Pandemieexpertin Maria van Kerkhove jetzt. «Sie verfolgen alle Kontakte, mit denen die verstorbene Frau in Kontakt kam. Sie kümmern sich auch um den Mann auf der Intensivstation. Wir bekommen Informationen aus Südafrika, dass alle Kontakte bislang negativ getestet wurden.»

Welche Rolle spielt der Rückzug der USA aus der WHO? «Auf der technischen Seite läuft es sehr gut», sagt Notfallchef Abdirahman Mahamud. Südafrika und USA würden sich austauschen. «Wir leben in einer vernetzten Welt. Die Expertise der US-Gesundheitsbehörden ist ein Vorteil für die Welt.»

vor 49 Minuten

WHO-Experte glaubt an richtige Reaktion der Schweiz

Gab es beim Schweizer Fall einen Fehler bei der Kontaktverfolgung? Abdirahman Mahamud lobt das proaktive Vorgehen der Passagiere, die Symptome gehabt haben. Die Daten würden rückwirkend gesammelt, erläutert er. In Südafrika sei das Level der Vorbereitung auf einen Hantavirus-Ausbruch vielleicht etwas niedrig gewesen, räumt Mahamud ein. «Wir glauben an eine Kontaktverfolgung in Retroperspektive und dass die richtigen Massnahmen hier in der Schweiz ergriffen werden.»

vor 53 Minuten

WHO verzeichnet Anstieg bei Hantavirus-Fällen in Südamerika

Wo sind die Leichen des verstorbenen Niederländers und der verstorbenen älteren Frau? «Sie sind noch an Bord», sagt van Kerkhove. Es werde eine angemessene Übergabe vorbereitet.

WHO-Fieberexpertin Anaïs Legand betont, dass es sich bei einem Boot um einen «sehr spezifischen Bereich» handle. Es gebe keine Hinweise, dass es sich um einen ungewöhnlichen Ausbruch handle. Es habe aber in den südamerikanischen Ländern einen Anstieg bei allen Hantaviren zusammengenommen gegeben. «Dieser Anstieg lässt sich an verschiedenen Faktoren erklären», schiebt sie nach. Diese hätten aber vor allem mit einem Anstieg bei den Nagetier-Populationen in den betreffenden Ländern zu tun. 

vor 57 Minuten

«Es ist nicht dieselbe Situation wie vor sechs Jahren»

«Wir gehen nicht von einer grossen Epidemie aus, aber wir brauchen eine angemessene Solidarität für diesen Ausbruch», betont Abdirahman Mahamud. «Wir glauben, dass es sich um einen limitierten Ausbruch handeln wird, wenn alle Länder solidarisch miteinander sind und die Kontaktkette unterbrochen wird. 

Wie unterscheidet sich die aktuelle Lage von den ersten Tagen der Corona-Pandemie, fragt eine Medienvertreterin. Maria van Kerkhove antwortet: «Das ist nicht das Coronavirus. Es ist ein anderes Virus. Es ist ein Ausbruch, den wir auf einem Schiff sehen. Wir haben fünf bestätigte Fälle. Es ist nicht dieselbe Situation wie vor sechs Jahren.»

Die meisten Hantavirus würden nicht von Menschen übertragen, sondern von Nagetieren. «Die Massnahmen, die an Bord ergriffen werden, sollen das Risiko minimieren.»

Am 2. Mai wurde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Cluster schwerer Atemwegserkrankungen an Bord des Kreuzfahrtschiffes «MV Hondius» gemeldet. Bis zum 4. Mai wurden nach Angaben der WHO sieben Fälle von Hantavirusinfektionen identifiziert – zwei laborbestätigte und fünf Verdachtsfälle. Es gibt bisher drei Todesfälle, einen schwer erkrankten Patienten und drei Personen mit leichten Symptomen.

Hantavirusinfektionen sind weltweit relativ selten, dennoch wird der Erreger von der WHO genau beobachtet. Auf dem Schiff soll die Andes-Variante grassieren, sie kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Das Kreuzfahrtschiff hatte seine Reise im argentinischen Ushuaia begonnen. Die argentinischen Behörden gehen davon aus, dass die Erstansteckung an Land erfolgte.

40 Passagiere stiegen in St. Helena aus

Am Donnerstag äussert sich WHO-Chef Tedros Ghebreyesus im Rahmen einer Medienkonferenz zu dem Ausbruch. Es ist damit zu rechnen, dass Ghebreyesus über die Übertragung des Virus, Labortests, die laufenden Evakuierungsmassnahmen und die globale Koordination dieser referieren wird. Bislang geht die Weltgesundheitsorganisation von einem geringen Pandemierisiko aus.

In der Schweiz wird aktuell ein Mann im Universitätsspital Zürich (USZ) behandelt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht kein Risiko für die Bevölkerung. 40 Passagiere haben die «MV Hondius» laut niederländischen Behörden bereits im Hafen der Insel St. Helena verlassen, darunter wohl auch der Schweizer Patient. Die verbliebenen Kreuzfahrtgäste sollen am Samstag auf den Kanaren untersucht werden.

Viele mögliche Kontaktpersonen

Die meisten der 40 Passagiere dürften mit dem Flugzeug weitergereist sein. Eine Flugbegleiterin der niederländischen Airline KLM wurde mit Hantavirus-Symptomen ins Spital eingeliefert. Sie wird aktuell in der Universitätsklinik in Amsterdam behandelt. Die Stewardess hatte Kontakt zu einer am Hantavirus erkrankten Niederländerin (†69), die sich auf dem Kreuzfahrtschiff aufgehalten hatte. Der Mann der Verstorbenen starb an Bord.

Unterdessen stellt die Nachverfolgung der Kontaktpersonen der Infizierten für die Behörden eine enorme Herausforderung dar.

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