Darum gehts
- Trump gibt Millionen für Prestigeprojekte aus, trotz Sparversprechen im Wahlkampf
- Renovierung des Reflecting Pools kostete 14,2 Millionen US-Dollar, Algenproblem bleibt
- Geplanter Ballsaal am Weissen Haus könnte bis zu 600 Millionen Dollar kosten
Sparen war eines der zentralen Versprechen von Donald Trump (80) im Wahlkampf: Überflüssige Ausgaben des Staatsapparats sollten gestrichen werden. Behörden wie die Entwicklungshilfeorganisation USAID wurden massiv zusammengeschrumpft, Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihre Stellen. Doch während Trump bei staatlichen Institutionen den Rotstift ansetzt, scheint das Geld für Prestigeprojekte rund um das Weisse Haus deutlich lockerer zu sitzen.
Ein aktuelles Beispiel ist der sogenannte «Reflecting Pool» am Lincoln Memorial. Trump liess den Boden des Beckens in einem «Amerikaflaggen-Blau» streichen und versprach ein strahlendes Wahrzeichen für die Feiern zum 250. Jahrestag der USA. Medienberichten zufolge kostete die Renovierung jedoch 14,2 Millionen Dollar (knapp 11 Millionen Franken) – fast zehnmal mehr als ursprünglich angegeben.
Das verflixte Algenproblem
Seit der Einweihung des Beckens im Jahr 1922 stellt die Algenbildung aufgrund der oft heissen und feuchten Sommerbedingungen in Washington ein Problem dar. Bislang machte Trump seine demokratischen Vorgänger dafür verantwortlich, sie hätten den «widerlichen» und «dreckigen» Zustand des Beckens jahrelang geduldet.
Doch kaum war das Wasser Anfang Juni wieder eingelassen, färbte sich das Becken auch im neuen Anstrich grün. Algen breiteten sich trotz wiederholter Reinigungen aus. Nun will das Innenministerium auf einen teuren Nanoblasengenerator setzen, der Sauerstoff ins Wasser pumpen soll. Doch der Reflecting Pool ist nicht die einzige Geldverbrennungsmaschine des Präsidenten.
Ballsaal im Weissen Haus
Noch kostspieliger dürfte Trumps geplanter Ballsaal am Weissen Haus werden. Der Präsident behauptet zwar, das Projekt werde privat finanziert. Berichten zufolge liegen die erwarteten Kosten inzwischen jedoch bei 400 bis 600 Millionen Dollar (etwa 300 bis 500 Millionen Franken). Ursprünglich waren 200 Millionen Dollar veranschlagt worden. Mehr als die Hälfte könnte aus öffentlichen Mitteln stammen.
Für den Neubau wurde der historische Ostflügel des Weissen Hauses ohne Beteiligung des Kongresses abgerissen. An seiner Stelle soll ein mehr als 8000 Quadratmeter grosser Festsaal mit monumentaler Säulenarchitektur entstehen. Kritiker sprechen von einem «prätentiösen Monstrum».
Unterirdisches Besucherzentrum
Parallel plant Trump bereits das nächste Grossprojekt: ein unterirdisches Besucherzentrum. Die bisherigen Zelte und Container für Sicherheitskontrollen sollen verschwinden. Stattdessen ist eine mehr als 3000 Quadratmeter grosse Anlage vorgesehen, durch die künftig Touristen und Besucher geschleust werden. Die Regierung beziffert die Kosten inzwischen auf rund 400 Millionen Dollar – doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Die Bauarbeiten sollen zwei Jahre dauern.
Monumentaler Triumphbogen
Besonders ambitioniert ist Trumps Plan für einen monumentalen Triumphbogen zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Der sogenannte «Independence Arch» soll 76 Meter hoch werden – deutlich höher als das Brandenburger Tor oder der Pariser Arc de Triomphe. Aus weissem Granit und mit goldenen Figuren ausgestattet, soll er eines der neuen Wahrzeichen Washingtons werden.
Offiziell ist der Bogen als Hommage an die amerikanische Geschichte gedacht. Auf die Frage eines Journalisten, wem das Monument gewidmet sei, antwortete Trump allerdings knapp: «Mir.» Wie viel das Projekt kosten würde, ist bislang nicht bekannt. Doch auch hier könnten neben privaten Spenden öffentliche Gelder zum Einsatz kommen.