«Komm in die Stadt, falls ihr Kupjansk kontrolliert»
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Putin zieht über Selenski her:«Komm in die Stadt, falls ihr Kupjansk kontrolliert»

Putin bei seiner jährlichen Propaganda-Show
«Der Ball liegt vollständig bei unseren westlichen Gegnern»

Bei seiner Jahres-Konferenz stellte der russische Präsident Russland als glorreiche Nation dar. Für Europa und Selenski hatte er hingegen nur Spott und Drohungen übrig.
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Putin gibt sich bei der grossen Jahrespressekonferenz zuversichtlich.
Foto: imago/ZUMA Press

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Putin prahlt mit Erfolgen und spottet über Selenski an Jahrespressekonferenz
  • Putin behauptet, Russland sei auf der Gewinnerseite im Ukraine-Konflikt
  • Pressekonferenz dauerte mehrere Stunden
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An seiner jährlichen Pressekonferenz prahlt Wladimir Putin (73) mit grossen Erfolgen, versichert den Zuhörenden, alles im Griff zu haben, und spottet über seinen Gegner Wolodimir Selenski (47). Die Jahrespressekonferenz bietet einen Einblick in die offiziellen russischen Positionen zu verschiedenen Themen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Während mehrerer Stunden beantwortet der Kreml-Chef Fragen von Journalisten und Journalistinnen vor Ort und Fragen, die bereits zuvor eingesandt wurden. Putin beschreibt die Lage an der Front als dynamisch, aber zugunsten Russlands: Die Situation ändere sich «auf täglicher Basis» und man «befreie eine Ortschaft nach der anderen», antwortet Putin auf die Frage, wie die Lage im Kriegsgebiet aktuell aussieht. Russland sieht sich «klar auf der Gewinnerseite». Rückschläge und Materialverluste kommen in dieser Erzählung nicht vor.

Neue Erfolge und Behauptungen über getötete Zivilisten

«Bis Jahresende sehen wir neue Erfolge!» Ein Offizier legt nach – mit Horror-Storys: Ukrainische Soldaten würden angeblich «unzählige Zivilisten» niederschiessen, die Einheimischen würden die russischen Streitkräfte als Befreier begrüssen.

Putin grinst bei diesen Geschichten zufrieden. Beweise für die brutalen Unterstellungen gibt es keine. Fakt ist: Russische Gräuel wie in Butscha sind weltweit dokumentiert.

«Selenski ist ein Schauspieler»

In der Pressekonferenz geht es auch um ein Video, das Selenski kürzlich in Kupjansk aufgenommen hatte, um Putins Behauptung, die Stadt sei erobert worden, zu widerlegen. Putin bezeichnet das Video des ukrainischen Präsidenten als fake und nennt ihn sogar einen Schauspieler. Der Ort, wo Selenski stehe, befinde sich rund einen Kilometer von der Stadt entfernt, sagt Putin und meint in diesem Zusammenhang: «Warum an der Türschwelle stehen? Komm doch ins Haus! Wenn Kupjansk doch unter ihrer Kontrolle sein soll.»

Die zentrale Botschaft Putins lautet: «Russland will den Konflikt friedlich beenden.» Die Ukraine sei es, die nicht zu Gesprächen bereit sei, so der russische Präsident weiter. Frühere Berichte zeigen, dass Russland sich bisher jegliche Gespräche verweigert hatte.

Vom Korrespondenten des US-amerikanischen Sender NBC, Keir Simmons, wurde Putin gefragt, ob er sich für das Sterben in der Ukraine verantwortlich fühle. Putin entgegnete eiskalt: «Wir fühlen uns für den Tod der Menschen nicht verantwortlich.» Dies, da Russland den Krieg nicht begonnen habe, sagt er und wiederholt erneut das bereits bekannte Narrativ des Kremls über die Ereignisse am Maidan im Jahr 2014.

Putin schiebt die Verantwortung Ukrainern, Europäern und Amerikanern zu. Dabei lässt er die Ukraine von seinen Truppen täglich mit Drohnen und Raketen beschiessen.

«Der Ball liegt vollständig bei unseren westlichen Gegnern», so der russische Machthaber. Bloss: Bislang hat Putin jeden Friedensvorschlag abgelehnt, der nicht den Maximalforderungen Moskaus entsprach. Dass an der Front auch Tausende russische Männer sterben, scheint ihm ebenfalls egal zu sein.

Seitenhieb gegen Europa

Auch die europäischen Staats- und Regierungschefs kriegen bei dem Medienevent ihr Fett weg. Europa will die eingefrorenen russischen Vermögen für den Wiederaufbau der Ukraine verwenden. Das stösst Putin immer noch sauer auf. Er bezeichnet die EU-Chefs als «Räuber – nicht als Diebe. Diebe agieren im Dunkeln. Die rauben offen».

Putin tröstet Witwe

Via Video meldet sich die Witwe eines verstorbenen Soldaten zu Wort. Sie klagt, dass sie noch immer auf die staatlichen Gelder warte, um sich und ihre beiden Kinder zu versorgen. Putin spricht ihr sein Beileid aus und sagt, dass er es bedauere, dass sich die Auszahlung so lange hinziehe.

Auf die Frage eines Kindes, warum die Lebensmittelpreise steigen würden, nicht aber der Lohn seiner Eltern, antwortet Putin gewohnt optimistisch: «Die Inflation wird zurückgehen, die Preise werden sinken.» Putin bringt Beispiele von Alltagsdingen, die über die Zeit sogar günstiger geworden seien.«Es kommt darauf an, was sich im Einkaufskorb befindet», sagt er und schiebt die Verantwortung so gekonnt ab.

Video zeigt drei Russen auf estnischem Boden
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Illegaler Grenzübertritt:Video zeigt drei Russen auf estnischem Boden

«Keine Spezialoperationen, wenn ihr uns mit Respekt behandelt»

Einige Fragen brachten den Kremlherrscher regelrecht in Rage. So schimpfte der Präsident über Nato-Generalsekretär nach einer Frage zur Nato über deren Chef Mark Rutte (58) und dessen Warnungen vor einem Krieg mit Russland. «Kannst du überhaupt lesen?», fauchte Putin und warf dem Bündnis vor, sich auf einen Krieg gegen Russland vorzubereiten. «Die USA ist der Schlüsselspieler der Nato, der Hauptsponsor der Nato», betonte Putin. In der neuen Sicherheitsstrategie Washingtons würde Moskau nicht als Feind genannt. Putin wollte signalisieren: Ohne die USA kann die Nato eh nichts ausrichten.

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Der BBC-Journalist Steve Rosenberg will wissen, wie Putin Russlands Zukunft sieht, ob es weiter Verfolgung von kritischen Stimmen im In- und Ausland und künftig weitere «Militärische Spezialoperation» geben werde. «Wir haben keine Repressionen und keine strafrechtliche Verfolgung», behauptete Putin. Zum zweiten Teil der Frage sagte Putin genervt: «Es wird keine Operationen geben, wenn ihr uns mit Respekt behandelt und unsere Interessen berücksichtigt.» Er wolle Europa keinesfalls angreifen, betonte Putin. «Was für ein Schwachsinn.»

«Ihr führt Krieg gegen uns», warf er den europäischen Verbündeten der Ukraine vor. Gleichzeitig unterstrich er, dass die ganze Macht in Russland in seinen Händen liegen würde.

Russland hat nicht nur die Ukraine überfallen, sondern liess auch unliebsame Personen in Europa ermorden, spionierte europäische Regierungen aus und setzt seit Jahren auf Propaganda-Operationen in den sozialen Medien, um die EU zu destabilisieren.

Putin spricht kurz über sein Liebesleben

Kurz vor Ende der vierstündigen Veranstaltung wurde Putin von einer Propagandistin schliesslich zu seinem Privatleben befragt. Ob er an Liebe auf den ersten Blick glaube, wurde er gefragt, was er bejahte. Auf Nachfrage, ob er aktuell verliebt sei, antwortete Putin knapp mit: «Ja.»

Seit Jahren gibt es Gerüchte um eine Liaison Putins mit der früheren Gymnastin Alina Kabajewa (42). Sie soll ihm Gerüchten zufolge 2015 im Tessin sogar einen Sohn geboren haben.

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