Darum gehts
- US-Politologe Robert Pape warnt vor gewalttätigen Midterms am 3. November
- 100 Mio. Amerikaner befürworten laut CPOST-Umfrage politische Gewalt
- Die «Eskalationsfalle» setzt sich aus drei Stufen zusammen
Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Robert Pape (66) schlägt in einem Podcast Alarm. «Das wird die gewalttätigste Wahl unseres Lebens», warnt er die Zuhörer vor den Midterms im November. Pape leitet das Chicago Project on Security and Threats (CPOST) an der University of Chicago. Das Forschungsinstitut befasst sich mit nationaler Sicherheit und politischer Gewalt.
Papes These, die er dem Podcast-Host Chris Williamson (38) am Wochenende in mehr als eineinhalb Stunden darlegt: Die USA befänden sich in einer neuen Ära des «gewaltsamen Populismus». Anders als bei früheren historischen Ereignissen werde die aktuelle Bedrohung nicht von ausländischen Mächten oder kleinen Milizen getrieben, sondern von der Massenakzeptanz politischer Gewalt im Alltag.
100 Millionen Amerikaner befürworten politische Gewalt
Der Experte legt dazu Zahlen vor. Laut den neuesten CPOST-Umfragen befürworten insgesamt 100 Millionen US-Amerikaner politische Gewalt. 65 Millionen Amerikaner würden demnach die Anwendung von Gewalt befürworten, um zu verhindern, dass der amtierende Präsident Donald Trump (80) nach seiner zweiten Amtszeit Präsident bleibt. Von den Befragten, die diese Meinung vertreten, sollen zudem 55 Prozent erklärt haben, dass sie damit konkret gezielte Attentate mit Schusswaffen meinen. Umgekehrt würden 40 Millionen Amerikaner die Idee unterstützen, dass Trump das US-Militär einsetzt, um demokratische Proteste gewaltsam zu unterdrücken.
Pape bemängelt, dass den rund 100 Millionen Amerikanern, die Gewalt zur Erreichung politischer Ziele befürworten, zwar eine stille Mehrheit gegenüberstehe, der es jedoch an politischen Sprachrohren fehle. Zudem widerlegt er das gängige Klischee, dass vor allem ungebildete Menschen zu politischer Gewalt neigen würden. Von den rund 1575 gerichtlich verfolgten Teilnehmenden des Kapitol-Sturms vom 6. Januar 2021 seien immerhin 45 Prozent Unternehmensinhaber, Ärzte oder akademische Fachkräfte gewesen, argumentiert er. Im linken Spektrum nennt er Trump-Attentäter Cole Allen (31) und CEO-Killer Luigi Mangione (28) als Belege für radikalisierte Akademiker, die zu Einzeltätern wurden.
Die drei Stufen der «Eskalationsfalle»
Mit Blick auf die Zwischenwahlen am 3. November kommt Pape ausserdem auf sein Konzept der «Eskalationsfalle» zu sprechen. Diese gliedert sich in drei Stufen auf:
- Der Legitimitätsschock: Ein extrem knappes Wahlergebnis führt dazu, dass die unterlegene Seite den Sieg der Gegenseite als unrechtmässig und gestohlen ansieht.
- Der Fokuspunkt: Am Tag der offiziellen Bestätigung, wie beispielsweise dem 6. Januar im Kongress, entlädt sich die angestaute Wut in gewaltsamen Massenprotesten.
- Andauernde gewaltsame Opposition: Das Ereignis mündet nicht in Beruhigung, sondern in einen anhaltenden, radikalisierten Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Als Lösung fordert Pape die politischen Führungspersonen beider Lager auf, Gewalt in den eigenen Reihen konsequent zu verurteilen. Sonst drohe sich die Eskalationsspirale weiterzudrehen.