Sinkende Zustimmungswerte, wirtschaftliche Sorgen und Kritik aus dem eigenen Lager
Trump zittert vor dem Herbst – und das sollte er auch

Donald Trump regiert erst seit anderthalb Jahren. Doch schon jetzt droht ihm das Schicksal vieler Präsidenten vor ihm: Ein Machtverlust bei den Midterms. Die Warnsignale mehren sich – und kommen nicht nur von den Demokraten.
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Donald Trump steht vor den wichtigsten Wahlen seiner zweiten Amtszeit. Die Midterms könnten über seine politische Zukunft entscheiden.
Foto: AFP

Darum gehts

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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

US-Präsident Donald Trump (80) muss zittern. Während seine Zustimmungswerte sinken und selbst langjährige Verbündete auf Distanz gehen, wächst im Weissen Haus die Angst vor einem politischen Erdbeben im Herbst. Denn im November stehen die Zwischenwahlen an – und der Präsident könnte die Kontrolle über Washington verlieren.

Die Wirtschaft wird für Trump zum Problem

Eigentlich sollten die Voraussetzungen gut sein. Die Republikaner verfügen über knappe Mehrheiten im Kongress. Doch die politische Grosswetterlage hat sich gedreht. Trumps Zustimmungswerte befinden sich im freien Fall. Mehrere nationale Umfragen sehen den Präsidenten nur noch bei 37 bis 39 Prozent Zustimmung. Eine aktuelle Erhebung der American Research Group kommt sogar auf lediglich 30 Prozent. Gleichzeitig lehnen rund zwei Drittel der Amerikaner seine Amtsführung ab. Besonders alarmierend für das Weisse Haus: Selbst bei der Wirtschaftspolitik – lange Trumps stärkste Karte – überwiegt die Kritik deutlich.

Genau hier könnte die Gefahr für Trump liegen. Amerikanische Präsidenten verlieren Midterms selten wegen grosser Veränderungen in der Ideologie ihrer Wähler. Sie verlieren sie, wenn die Wähler das Gefühl haben, dass ihr Alltag schwieriger wird. Politologen sprechen von einem «Lived Experience Gap» – der Kluft zwischen offiziellen Wirtschaftsdaten und dem, was die Menschen tatsächlich im Portemonnaie spüren.

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Donald Trump kämpft vor den Midterms mit sinkenden Zustimmungswerten und wachsender Skepsis bei unabhängigen Wählern.
Foto: Getty Images

Hinzu kommt ein Problem, das Trump noch vor wenigen Monaten kaum hatte: Unruhe in den eigenen Reihen. Sichtbar wird das am Fall Tucker Carlson (57). Der konservative Starkommentator gehörte jahrelang zu Trumps lautstärksten Unterstützern. Nun erklärt er öffentlich, er könne die Republikanische Partei nicht mehr unterstützen. Auslöser ist Trumps Iran-Krieg, den Carlson als Verrat an den Interessen amerikanischer Wähler bezeichnet. Carlson ist kein gewöhnlicher Kritiker. Mit seinem Podcast erreicht er Millionen konservative Wähler. Wenn er sagt: «Wenn ich raus bin, sind viele andere auch raus», dann horcht die MAGA-Bewegung auf.

Die Debatte reicht dabei längst über Inflation und Umfragen hinaus. Selbst die missglückte Renovation des Reflecting Pool in Washington wird von Kritikern als Metapher für eine Präsidentschaft gelesen, die mit grossen Versprechen gestartet ist, aber zunehmend an der Realität gemessen wird.

Was bei einer Niederlage droht

Noch bedeutet das keine Revolte. Trump dominiert die Republikanische Partei weiterhin. In den Vorwahlen setzen sich seine Kandidaten meist durch.

Historisch betrachtet stehen die Zeichen für die Republikaner allerdings ungünstig. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen fast immer Sitze im Kongress verloren. Die wenigen Ausnahmen – etwa Bill Clinton (79) 1998 oder George W. Bush (79) 2002 – profitierten von aussergewöhnlichen politischen Umständen und hohen Zustimmungswerten. Genau daran mangelt es Trump derzeit.

Für Trump beziehungsweise die Republikaner wäre eine Niederlage und der damit verbundene Verlust von wichtigen Sitzen weit mehr als nur eine symbolische Ohrfeige. Gewinnen die Demokraten das Repräsentantenhaus zurück, könnten sie Untersuchungsausschüsse einsetzen, Regierungsmitglieder vorladen und Trumps Agenda blockieren. Selbst einfache Gesetzesvorhaben würden zum politischen Hindernislauf. Erobern die Demokraten zusätzlich den Senat, könnten sie auch Personalentscheide und Richterernennungen erschweren.

Trump kennt dieses Szenario bereits aus seiner ersten Amtszeit. Bei den Midterms 2018 verloren die Republikaner 40 Sitze im Repräsentantenhaus und damit die Kontrolle über eine Kongresskammer. Für den Präsidenten begann damals eine Phase permanenter politischer Auseinandersetzungen mit den Demokraten.

Risse in der MAGA-Bewegung

Noch sind die Midterms Monate entfernt. Und Trump hat schon oft bewiesen, dass politische Nachrufe auf ihn verfrüht sein können. Doch diesmal geht es um mehr als die übliche Zwischenwahl-Frustration gegenüber einer Regierung.

Die eigentliche Gefahr für Trump kommt nicht von den Demokraten. Sie kommt von den Wählern, die ihn 2024 wegen der Wirtschaft zurück ins Weisse Haus gebracht haben. Genau dort bröckelt die Unterstützung. Wenn die Amerikaner im November das Gefühl haben, dass ihr Leben teurer, unsicherer oder schwieriger geworden ist, werden sie nicht über Ideologien abstimmen – sondern über ihre persönliche Bilanz.

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