Nati-Legende Bregy über die WM
«Wäre ich Trump, würde ich mich nicht ins Stadion trauen»

Georges Bregy vermisst die Strassenfussballer und hält wenig von der heutigen Social-Media-Welt. Im Interview spricht der Nati-Held über Donald Trump, Granit Xhakas Wandel und seinen legendären Freistoss von 1994.
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Darum gehts

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Yara Vettiger
Schweizer Illustrierte

Die Berge hat Georges Bregy noch immer in Blickweite – nur der Zürichsee ist weiter weggerückt. Seit zwei Monaten lebt der frühere Nati-Star in einer schmucken Dachwohnung in Langnau am Albis ZH. Schweren Herzens hat er sich von seinem Haus in Thalwil mit Seesicht verabschiedet. Jetzt wohnen dort sein Sohn und die Enkelkinder. Dass er, der aus Raron VS stammt, vom schönen See und der Aussicht in Zürich schwärmt? «Das hört man von einem Walliser nicht oft», sagt er und lacht.

Die Fussballschuhe hat der 68-Jährige zwar längst an den Nagel gehängt, doch Tschutten war und ist sein Leben. 1994 schrieb Bregy Schweizer Sportgeschichte, als er in den USA mit seinem Freistoss gegen den Gastgeber das erste Schweizer WM-Tor seit 28 Jahren erzielte. «Wir haben eine neue Epoche für den Schweizer Fussball eingeläutet. Wir waren die Vorreiter!»

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1994 fuhren die Schweizer als Nobodys an die WM in die USA, erklärt Bregy.
Foto: STR

Wenn Sie heute Fussball schauen: Erkennen Sie Ihren Sport überhaupt noch wieder?
Schon, aber vieles hat sich extrem verändert. Früher ging es wirklich nur um Fussball. Heute ist rundherum alles riesig geworden – Social Media, Prestige, Aussendarstellung. Die Spieler stehen permanent unter Beobachtung.

Klingt nicht so, als wären Sie gern nochmals 25-jährig in dieser Fussballwelt.
Nein, überhaupt nicht. Ich bin sehr froh, dass ich damals Profi war und nicht heute. Wir konnten uns normal verhalten. Heute sagst du ein dummes Wort in einem Interview und gehst direkt viral. Das nimmt den Spielern die Freiheit, sich selbst zu sein. Das ist für die heutige Generation schwierig.

Jetzt startet wieder eine WM in den USA – wie 1994. Was passiert bei Ihnen, wenn Sie daran zurückdenken?
Dann kommen sofort Erinnerungen hoch. Vor 32 Jahren gingen wir als Nobodys in die USA. Ich war ein Nobody, die Schweiz war ein Nobody, die Nati war ein Nobody. Und niemand von uns wusste, was uns dort erwartet.

Wenn die Schweiz heute an ein Turnier reist, sind die Erwartungen gross.
Diese Entwicklung ist einfach grandios! Für uns war damals schon die Qualifikation riesig. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, was damals im Land los war. Wir hatten in Zürich im Trainingslager täglich 3500 Zuschauer beim Training. Diese WM-Qualifikation hat etwas ausgelöst in der Schweiz.

Wie haben Sie die WM damals vor Ort erlebt?
Sehr speziell. Wir waren in Detroit im Hotel, praktisch abgeschottet. Überall Sicherheitsvorkehrungen, hohe Mauern, ohne Bodyguard konntest du kaum raus. Amerika hatte grosse Angst vor Attentaten. Wir lebten eigentlich nur zwischen Hotel, Trainingsplatz und Stadion.

Und wie vertrieben Sie sich die Zeit?
(Lacht.) Viel hatten wir nicht! Ein Tischtennistisch, ein Schwimmbad – und wir haben unglaublich viel gejasst.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Heute ist alles komplett durchgeplant, jede Minute durchorganisiert. War Ihre Generation vielleicht einfach lockerer?
Ja, sicher natürlicher. Wir hatten weniger Ablenkung. Wir waren wirklich eine verschworene Einheit. Heute kommt von überall etwas rein – Social Media, Berater, Sponsoren, Medien. Das ist eine andere Welt.

Trotzdem wirkt die heutige Nati sportlich stabiler als früher. Was gefällt Ihnen an dieser Mannschaft?
Sie sind wieder eine Einheit geworden. Das hat man zuletzt gespürt. Die Spieler sind sich wieder nähergekommen. Das sieht man auf dem Platz.

Wer steht für diese Entwicklung?
Zum Beispiel Granit Xhaka. Er ist ein hervorragender Fussballer. Früher wollte er manchmal fast alles allein lösen, heute verteilt er die Verantwortung besser. Er ist immer noch der Chef auf dem Platz, aber er lässt auch andere glänzen. Das ist eine wunderbare Entwicklung.

Hat er sich auch menschlich verändert?
Ich glaube schon. Zu Beginn seines Aufstiegs hatte er vielleicht mehr das Gefühl, er müsse alles selber tragen. Heute wirkt er ruhiger und reifer. Und genau davon profitiert die ganze Mannschaft.

Wenn Sie die heutige Generation sehen: Was fehlt Ihnen am modernen Fussball am meisten?
Die Strassenfussballer.

Warum gerade die?
Weil sie etwas wagen, kreativ und unberechenbar sind. Heute wird alles nach Schema trainiert. Junge Spieler werden sehr früh in Systeme gedrängt. Aber Fussball lebt doch auch davon, dass einer plötzlich etwas Verrücktes macht.

Das klingt fast so, als würden zu brave Fussballer ausgebildet.
Ja, vielleicht schon ein bisschen. Zu unserer Zeit hatte es mehr Charaktere. Heute sieht vieles gleich aus. Natürlich ist das Niveau extrem hoch, aber manchmal fehlt mir das Überraschende.

Apropos Überraschung: Ihr Freistoss gegen die USA gehört zu den grossen Schweizer WM-Momenten. Denken Sie oft daran zurück?
Immer wieder. Vor allem vor grossen Turnieren kommt das automatisch hoch, weil mich die Leute darauf ansprechen. Es bleibt einfach eine wunderschöne Erinnerung.

Hat dieser Moment Ihr Leben verändert?
Schwierig zu sagen. Aber sicher hatte er Einfluss auf vieles, was danach kam. Für viele Leute war das ein ganz besonderer Moment. Und für mich sowieso. Ich trage das immer im Herzen.

Worauf sind Sie rückblickend am meisten stolz? Auf das Tor?
Nicht nur. Vor allem darauf, dass ich überhaupt dabei sein konnte. Ich war davor viereinhalb Jahre nicht mehr in der Nati und wurde dann nochmals reaktiviert. Damals war ich ja schon 36 Jahre alt. Als ich bei der Hymne gegen die USA da stand, dachte ich: Georges, das ist jetzt wirklich kein Traum mehr!

Sie sind pensioniert. Wie sieht Ihr Leben inzwischen aus?
Sehr schön eigentlich. Ich kann machen, worauf ich Lust habe. Ich fahre viel E-Bike und Rennvelo mit meinem Sohn, wir sind oft mit dem Camper unterwegs, und die Enkelkinder sind natürlich auch wichtig geworden.

Und Fussball bleibt trotzdem ein grosser Teil Ihres Alltags?
Ja. Ich schaue wegen meines Jobs als Blue-Sport-Experte natürlich viel Fussball. Zum Glück interessiert sich meine Frau auch dafür (lacht). Wir sind seit 50 Jahren zusammen!

Vermissen Sie manchmal die Zeit als Profi?
Nein. Ich hatte schöne Zeiten, schöne Erfolge – Cupsiege, Meistertitel, WM-Teilnahme. Irgendwann muss man auch abschliessen können.

Jetzt ist wieder eine WM in den USA. Werden wir Georges Bregy dort irgendwo auf der Tribüne sehen?
Nein, sicher nicht.

Warum so deutlich?
Ich hatte nie wirklich das Bedürfnis, nochmals in die USA zu reisen. Und jetzt sowieso nicht mit der politischen Lage.

Sie sprechen Donald Trump an?
Ja. Wenn ich Donald Trump wäre, würde ich mich also nicht ins Stadion trauen. Da hätte ich Angst. Dazu kommen die Ticketpreise. Das ist doch verrückt geworden.

Was stört Sie daran konkret?
Eine WM sollte ein Volksfest sein. Fussball gehört allen. Aber die USA machen mit diesen Preisen ein Fest für die Reichen. Das finde ich schade. Das entspricht nicht dem, wofür Fussball steht.

Und trotzdem trauen Sie der Schweiz sportlich einiges zu.
Ja, absolut.

Wie weit kommt diese Nati?
Ich bin sehr optimistisch.

Das heisst konkret?
Wir sehen uns im Final.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
2
3
6
2
Südkorea
Südkorea
2
0
3
3
Tschechien
Tschechien
2
-1
1
4
Südafrika
Südafrika
2
-2
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kanada
Kanada
2
6
4
2
Schweiz
Schweiz
2
3
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
2
-3
1
4
Katar
Katar
2
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schottland
Schottland
1
1
3
2
Marokko
Marokko
1
0
1
3
Brasilien
Brasilien
1
0
1
4
Haiti
Haiti
1
-1
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
1
3
3
2
Australien
Australien
1
2
3
3
Türkei
Türkei
1
-2
0
4
Paraguay
Paraguay
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
1
6
3
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
1
1
3
3
Ecuador
Ecuador
1
-1
0
4
Curacao
Curacao
1
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweden
Schweden
1
4
3
2
Japan
Japan
1
0
1
3
Niederlande
Niederlande
1
0
1
4
Tunesien
Tunesien
1
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Neuseeland
Neuseeland
1
0
1
2
Iran
Iran
1
0
1
3
Belgien
Belgien
1
0
1
4
Ägypten
Ägypten
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Uruguay
Uruguay
1
0
1
2
Saudi Arabien
Saudi Arabien
1
0
1
3
Spanien
Spanien
1
0
1
4
Kap Verde
Kap Verde
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Norwegen
Norwegen
1
3
3
2
Frankreich
Frankreich
1
2
3
3
Senegal
Senegal
1
-2
0
4
Irak
Irak
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
1
3
3
2
Österreich
Österreich
1
2
3
3
Jordanien
Jordanien
1
-2
0
4
Algerien
Algerien
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
1
2
3
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
1
0
1
3
Portugal
Portugal
1
0
1
4
Usbekistan
Usbekistan
1
-2
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
1
2
3
2
Ghana
Ghana
1
1
3
3
Panama
Panama
1
-1
0
4
Kroatien
Kroatien
1
-2
0
K.o.-Phase
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