Fifa-Präsident Infantino macht den Iranern Mut
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Hoher Besuch in der Kabine:Fifa-Präsident Infantino macht den Iranern Mut

Irans brisanter WM-Auftakt
«Wir sind für das Team, aber gegen das Regime»

Das Duell zwischen dem Iran gegen Neuseeland in Los Angeles ist aus politischen Gründen besonders brisant. Tausende Exil-Iraner nutzen die Gelegenheit, um gegen das Mullah-Regime zu protestieren. Die Herzen sind gespalten.
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Der Torjubel von Mohammad Mohebi sorgt für Kontroversen.
Foto: keystone-sda.ch
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Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

Iran gegen Neuseeland ist aufgrund des militärischen Konflikts im Nahen Osten das brisanteste Spiel dieser WM – trotz des am Vortag ausgehandelten Abkommens zwischen der US-Regierung und dem iranischen Regime. Es ist ein spektakuläres Duell, das sich die beiden Teams in Los Angeles liefern und das keinen Verlierer verdient hat. Trotz vieler kleiner Misstöne obsiegt am Ende der Sport.

Schon Stunden vor Anpfiff nutzen Tausende Exil-Iraner vor dem SoFi-Stadion das Scheinwerferlicht, um gegen das Mullah-Regime zu protestieren. Die Herzen sind gespalten.

«Wir sind für das Team, aber gegen das Regime», sagt eine Familie, die aus New York angereist ist. Wie so viele leben sie schon lange in den USA und haben den amerikanischen Pass. In Kalifornien gibt es die grösste Diaspora ausserhalb des Iran. Mit gut 500’000 Menschen mit persischen Wurzeln wird die Metropole am Pazifik nicht umsonst «Teherangeles» genannt.

Kampf um die Flagge

Doch nicht alle sichern dem Team ihren Support zu. «Wir werden Neuseeland anfeuern, denn wir wollen nicht das Team unseres Regimes unterstützen», sagt Ebrahim vor dem Match. Der 51-Jährige, der 1991 in die USA gekommen ist und in Afghanistan und im Irak gedient hat, was er mit seinem Kriegsveteranenausweis auch belegt, spricht sich innerhalb weniger Minuten in Rage, wenn er über sein Geburtsland spricht. «Dieser radikale Islam ist wie ein Krebs. Er hat unser Land zerstört, und jetzt zerstört er auch Europa.» Auf seinem T-Shirt ist auf dem grün-weiss-roten Hintergrund ein Löwe abgebildet, der ein Schwert vor einer aufgehenden Sonne hält.

Es ist eine historische Flagge, jene aus der Zeit vor der islamischen Revolution von 1979. Danach wurde der Löwe durch das rote islamische Symbol ersetzt mit dem Satz «Allahu akbar», Gott ist gross. Die Flaggen geben besonders zu reden. Am Morgen des Spiels wird das Verbot der Fifa, bei der WM Flaggen des vorrevolutionären Iran zu zeigen, nach einer in letzter Minute anberaumten Anhörung bestätigt. Laut Richter Curtis A. Kin soll das Verbot bestehen bleiben. «Die Meinungsfreiheit ist unglaublich wichtig, sie ist heilig, ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft, aber sie ist nicht unbegrenzt, etwa bei privaten Akteuren auf privatem Grund.»

Stunden später sind im Stadion trotzdem Tausende dieser historischen Flaggen zu sehen. Auch Ali, der ebenfalls in Kalifornien lebt, zeigt seine kurz vor dem Anpfiff jedem, der sie sehen will, und lässt sich damit auch stolz fotografieren. «Dieses Regime hat mehr als 50’000 Menschen getötet», sagt er zu Blick. Wenige Minuten später buhen auch er und die Mehrheit der 70’000 Fans im weiten Rund, als die Nationalhymne der Islamischen Republik Iran gespielt wird.

Auf dem Feld singen die Spieler mit. Nicht wie vor vier Jahren, als sie im Startspiel gegen die USA geschwiegen hatten. Aus Protest gegen das brutale Regime und die gewaltsame Unterdrückung der politischen Proteste in der Heimat. Daraufhin übte das Regime massiven Druck aus und drohte den Spielern sowie deren Familien mit Gefängnis und Folter.

Doch diesmal gehorchen sie. Später sorgt die Jubelgeste von Torschütze Mohammad Mohebi für kontroverse Diskussionen. Der Mittelfeldspieler formt nach dem herrlichen Kopfball zum 2:2 seine Hände zu einem Revolver und zielt ins Publikum. Auf wen, bleibt sein Geheimnis.

Sofortige Ausreise nach dem Spiel

Nicht fehlen darf auch Gianni Infantino (56), der dem iranischen Team in der Kabine einen Besuch abstattet. Bei seiner Rede am Tag vor dem Eröffnungsspiel hatte der Fifa-Präsident in einem seiner für einmal wenigen Anflügen von Selbstherrlichkeit gesagt, dass er versprochen habe, den Iran an die WM zu bringen, «obwohl die Leute gesagt haben, dass dies unmöglich sei». Nun spielt der Iran auf amerikanischem Boden, auch wenn das Team das Land unmittelbar nach dem Spiel wieder verlassen und ins Basecamp nach Tijuana in Mexiko zurückkehren muss – zum Ärger von Trainer Amir Ghalenoei. «Wir sind das am meisten benachteiligte Team dieser WM.» Mehr als einem Dutzend Funktionäre und Betreuer wurde die Einreise verweigert, auch Journalisten hat es keine vor Ort.

Trotzdem hebt Ghalenoei nach dem Spiel etwas Positives hervor. «Die Menschen, so unterschiedliche politische Ansichten sie auch haben, standen alle hinter uns. Das war ein grosser Sieg für uns.» Tatsächlich ist die Stimmung phasenweise elektrisierend. Je länger das Spiel dauert, desto mehr «Iran, Iran»-Rufe hallen durch das weite Rund. Und bei den beiden Toren bricht Ekstase aus – auch bei den Regime-Kritikern. 

So obsiegt am Ende trotz ein paar weniger Misstöne der Sport. Neuseelands Trainer Darren Bazeley kommt jedenfalls nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. «Der ganze Tag war grossartig.» Er spricht vom «besten Fussballstadion der Welt», von einer «fantastischen Atmosphäre», die ihn an Karneval erinnert habe, und von zwei Mannschaften, die «sehr guten Fussball» zeigten. «Nur dass wir trotz zweimaliger Führung nicht gewonnen haben, enttäuscht mich.» Es wäre der erste WM-Sieg Neuseelands überhaupt gewesen. In die Geschichtsbücher ging dieser 15. Juni 2026 aber dennoch ein.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
1
2
3
2
Südkorea
Südkorea
1
1
3
3
Tschechien
Tschechien
1
-1
0
4
Südafrika
Südafrika
1
-2
0
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
1
0
1
2
Kanada
Kanada
1
0
1
3
Katar
Katar
1
0
1
4
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schottland
Schottland
1
1
3
2
Marokko
Marokko
1
0
1
3
Brasilien
Brasilien
1
0
1
4
Haiti
Haiti
1
-1
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
1
3
3
2
Australien
Australien
1
2
3
3
Türkei
Türkei
1
-2
0
4
Paraguay
Paraguay
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
1
6
3
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
1
1
3
3
Ecuador
Ecuador
1
-1
0
4
Curacao
Curacao
1
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweden
Schweden
1
4
3
2
Japan
Japan
1
0
1
3
Niederlande
Niederlande
1
0
1
4
Tunesien
Tunesien
1
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Neuseeland
Neuseeland
1
0
1
2
Iran
Iran
1
0
1
3
Belgien
Belgien
1
0
1
4
Ägypten
Ägypten
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Uruguay
Uruguay
1
0
1
2
Saudi Arabien
Saudi Arabien
1
0
1
3
Spanien
Spanien
1
0
1
4
Kap Verde
Kap Verde
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
0
0
0
2
Senegal
Senegal
0
0
0
3
Irak
Irak
0
0
0
4
Norwegen
Norwegen
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
0
0
0
2
Algerien
Algerien
0
0
0
3
Österreich
Österreich
0
0
0
4
Jordanien
Jordanien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Portugal
Portugal
0
0
0
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
0
0
0
3
Usbekistan
Usbekistan
0
0
0
4
Kolumbien
Kolumbien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
0
0
0
2
Kroatien
Kroatien
0
0
0
3
Ghana
Ghana
0
0
0
4
Panama
Panama
0
0
0
K.o.-Phase
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