So lief die ICE-Tötung von Alex Pretti ab
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Videoanalyse zeigt:Alex Pretti wurde zuerst entwaffnet, dann erschossen

Jetzt übernimmt der Grenz-Zar
Noems Kettenhund Bovino erlebt in Minneapolis sein persönliches Waterloo

Nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis räumt ICE-Chef Gregory Bovino das Feld. US-Präsident Donald Trump hat sich für eine andere Strategie entschieden und schickt seinen Grenzzar Thomas Homan.
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Die tödlichen Schüsse auf Alex Pretti haben US-Präsident Donald Trump zum Umdenken bewegt.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Darum gehts

  • Gregory Bovino, ICE-Kommandant, wurde nach tödlichen Schüssen in Minneapolis abgezogen
  • Schüsse auf Krankenpfleger Alex Pretti (37) lösten landesweite Proteste aus
  • Mindestens zwei Tote in einem Monat durch ICE-Agenten in Minnesota
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marian NadlerRedaktor News

Die ICE-Operation in Minneapolis verliert ihre Speerspitze. Sechs Monate lang führte Gregory Bovino (55) als Kommandant im Namen von US-Präsident Donald Trump (79) mit harter Hand einen Feldzug gegen Einwanderer. Die Razzien von Bovino und seinen Leuten in Chicago, Los Angeles und anderen von Demokraten regierten Grossstädten hatten Tausende Verhaftungen zur Folge. Nun wurde die Kritik an der Einwanderungsbehörde aber wohl selbst Trump zu laut.

Am Montag, fast einen Monat nach Beginn von Bovinos Kampagne im US-Bundesstaat Minnesota, bei der mindestens zwei Menschen von ICE-Agenten erschossen wurden, wurde der Hardliner zurückgepfiffen.

Tödliche Schüsse in Minneapolis

Die «Operation Metro Surge» sollte beweisen, dass die Einwanderungspolizei in der Lage ist, eine Stadt zu übernehmen und für «Recht und Ordnung» zu sorgen, wie es Trump immer wieder propagiert. Doch statt Recht und Ordnung erlebte Minneapolis vor allem Chaos – Tränengas, Pfefferspray und tödliche Schüsse.

Das Fass zum Überlaufen brachte der gewaltsame Tod des Krankenpflegers Alex Pretti (†37) durch ICE-Beamte, der weit über Minnesota hinaus für Proteste sorgte. Damit nicht genug, entbrannte im Weissen Haus offenbar ein Streit – und der Stuhl von Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem (54) wackelt.

Demonstrationen vor Bovinos Hotel

Zum ICE-Boss sagte Trump am Dienstag: «Bovino ist sehr gut, aber er ist ein ziemlich exzentrischer Typ, und in manchen Fällen ist das gut, vielleicht war es hier nicht gut.»

Für die Demonstranten in Minneapolis ist der Abzug Bovinos eine gute Nachricht. Sie hielten mitunter fröhliche Abschiedsschilder mit Aufschriften wie «Bovino Ciao» hoch. In den Tagen zuvor war das Hotel, in dem er wohnte, zu einem Schauplatz regelmässiger Proteste geworden.

Noem war von Bovinos Plänen begeistert

Der Unmut ist gross über Bovino. Kein Wunder: In seiner Zeit als ICE-Chef kamen fragwürdige Praktiken in den Reihen der Beamten auf. So verhüllten immer mehr von ihnen ihre Gesichter oder liessen ihre Dienstausweise daheim, beschreibt das «Wall Street Journal» in einem Artikel. Sie nahmen Verhaftungen ohne Haftbefehl vor und gingen mit ungewöhnlicher Gewalt gegen jeden vor, der sich ihnen widersetzte.

Noem und ihr wichtigster Berater Corey Lewandowski (52) sollen von diesem Vorgehen angetan gewesen sein. Bovino legte ihnen einen Plan vor, der Operationen in mehreren US-Grossstädten vorsah. Sie liessen ihn gewähren.

Mahnende Stimmen wurden lange ignoriert

Das ungewöhnlich martialische Vorgehen Bovinos in Los Angeles und Chicago verhalf ihm zum Durchbruch – und einem Treffen mit Trump. «Gut gemacht», lobte der US-Präsident – und Bovino machte weiter.

Doch nicht allen gefiel, wie der ICE-Chef vorging, schreibt das «Wall Street Journal». Vor allem erfahrenere Beamte warnten, dass das aggressivere Vorgehen die Einsatzkräfte einem höheren Risiko aussetzte.

Neues Video zeigt tödliche Schüsse auf Mutter in USA
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Tödlicher Einsatz gefilmt:Neues Video zeigt tödliche Schüsse auf Mutter in USA

Zu den grössten Kritikern Bovinos soll Trumps Grenzzar Thomas Homan (64) zählen. Er soll sich laut Insidern für das Festhalten an bewährten polizeilichen Taktiken ausgesprochen und die Entwicklung konkreter Ziele gefordert haben.

Die mahnenden Stimmen wurden nicht gehört. Im Herbst wurden mindestens ein halbes Dutzend hochrangiger ICE-Beamter durch Bovino-treue Männer ersetzt.

Was passiert mit Kristi Noem?

Der Feldzug in Minneapolis entwickelte sich schliesslich zu Bovinos Waterloo. Je länger der Einsatz dauerte, desto klarer wurde, dass er unterschätzt hatte, wie gut sich die Protestler organisiert hatten. Hinzu kam: Minnesotas Gouverneur Tim Walz (61) und Bürgermeister Jacob Frey (44) zeigten sich solidarisch mit den Demonstranten.

Die zwei tödlichen Schiessereien in weniger als drei Wochen markierten schliesslich das Ende der Bovino-Ära. Trump beschloss, seinen Kurs zu ändern. Homan machte sich am Montag auf den Weg in die Metropole, Bovino reiste ab. 

Am Mittwoch präsentierte Homan seinen Plan für die ICE-Mission in Minneapolis – und setzte dabei auf Kooperation mit den Menschen vor Ort. Er kündigte auch einen Abzug der Einwandererpolizei an – nannte dafür jedoch keinen konkreten Zeitrahmen.

Mit Bovino geht ein schillernder MAGA-Star unter. Die Frage ist: Reisst er seine Chefin Kristi Noem mit in den Abgrund?

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