Darum gehts
- Alex Pretti wurde in Minneapolis von Grenzschützern erschossen
- Videoaufnahmen zeigen, dass Pretti vor tödlichen Schüssen entwaffnet wurde
- Tausende Bundesbeamte fahnden in Minnesota nach Ausländern
Alex Pretti (†37) starb in Minneapolis im Kugelhagel von US-Bundesbeamten. Donald Trump (79) spricht von einem «sehr bedauerlichen Vorfall». Doch der Krankenpfleger hätte laut dem US-Präsidenten keine Waffe zum Protest bringen sollen.
«Ich mag nicht, dass er eine Waffe hatte», so Trump. Ausserdem habe er zwei geladene Magazine dabei gehabt. «Das sind eine Menge schlimme Dinge.»
Kristi Noem bezeichnete Opfer als Terroristen
Gerade die Republikaner – die Partei des Präsidenten – beharren aber in der Regel auf dem Recht, eine Waffe zu tragen. Pretti war laut Polizei zum Tragen einer Schusswaffe berechtigt. Zudem zeigen Aufnahmen des Vorfalls, dass er vor der Erschiessung entwaffnet wurde.
Ein erster Ermittlungsbericht des US-Heimatschutzministeriums erwähnt Prettis Entwaffnung vor den tödlichen Schüssen laut dem Sender CNN aber nicht. «CBP-Beamte versuchten, Pretti festzunehmen. Pretti widersetzte sich», heisst es im Bericht. «Während des Handgemenges rief ein (Grenzschutzbeamter) mehrmals: ‹Er hat eine Waffe!›» Etwa fünf Sekunden nach dem Start des Handgemenges hätten zwei Beamte das Feuer eröffnet. Erst nachträglich habe ein weiterer Beamter wissen lassen, dass er die Pistole an sich genommen hatte.
Dazu muss man wissen: Die Customs and Border Protection (CBP) untersteht dem Heimatschutzministerium. Und Heimatschutzministerin Kristi Noem (54) hatte Pretti bereits unmittelbar nach dem Vorfall als «inländischen Terroristen» bezeichnet. Doch die eigene Untersuchung erwähnt nun mit keinem Wort, dass Pretti nach seiner Waffe gegriffen habe, wie es Noem am Sonntag noch behauptet hatte.
Trump will «ein bisschen deeskalieren»
In Minnesota demonstrieren die Menschen seit Tagen gegen die brutale Abschiebungspolitik der US-Regieurng. Tausende Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde ICE und des Grenzschutzes fahnden nach angeblich illegalen Ausländern, wobei oft Aussehen und Akzent für eine Verhaftung ausreichen.
Bereits Anfang Januar erschoss ein ICE-Beamter die US-Bürgerin Renée Good (†37) am Rande eines Protests in ihrem Auto. Die Vorfälle gleichen sich: Damals sprach die US-Regierung ebenfalls von Selbstverteidigung. Doch Videobilder wecken Zweifel an dieser Darstellung.
Trump scheint inzwischen ein wenig zurückzukrebsen: Er zog den besonders brutalen Grenzschutz-Chef Gregory Bovino (56) ab und kündigte an, die «Situation ein bisschen zu deeskalieren».