Zielen auf Kopf – obwohl Hersteller davor warnt
ICE-Beamte setzen Tränengaswerfer von Schweizer Firma ein

Die US-Einwanderungsbehörde ICE setzt in Minneapolis Tränengaswerfer eines Thuner Herstellers ein. Ein Beamter zielte damit wiederholt auf Kopfhöhe von Demonstranten. 2018 lieferte die Schweizer Firma B&T bereits 329 Granatwerfer an die US-Regierung.
Kommentieren
1/6
Musste seinen Posten in Minneapolis nach einem fragwürdigen Interview räumen: Grenzschutz-Kommandeur Gregory Bovino.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • In Minneapolis kommt es wiederholt zu Konflikten zwischen ICE und Demonstrierenden
  • Um dagegen vorzugehen, nutzen ICE-Beamte unter anderem Tränengas
  • Dafür verwendet werden Granatwerfer aus Schweizer Produktion der Firma B&T
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Nathalie_Benn_Praktikantin Wirtschaft _Blick_2-Bearbeitet.jpg
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Der Widerstand der Bevölkerung in der US-Stadt Minneapolis gegen den dortigen Grosseinsatz der Einwanderungsbehörde ICE ist gross. Tagtäglich kommt es in verschiedenen Stadtteilen und Vororten zu Auseinandersetzungen, die in zwei Fällen tödlich endeten. Die ICE-Beamten setzen dabei regelmässig sogenannte «nicht tödliche» Waffen gegen Demonstrierende ein. Dazu gehören Pfefferspray, Gummischrot oder Tränengas. 

Um Letztere abfeuern zu können, braucht es einen entsprechenden Granatwerfer. Laut den «Tamedia»-Zeitungen sollen die ICE-Beamten unter anderem solche Granatwerfer des Schweizer Produzenten B&T mit Sitz in Thun BE verwenden. Das 1991 gegründete Unternehmen wirbt auf seiner US-Seite mit der Bereitstellung von «unkonventionellen Lösungen» – «umgesetzt mit Schweizer Präzision». 

ICE zielt auf Gesicht und Kopf

Auf verifiziertem Bild- und Videomaterial ist laut der Zeitung zu erkennen, wie ein maskierter ICE-Beamter mit einem Tränengaswerfer vom Typ GL-06 von B&T ausgerüstet ist und innerhalb von Minuten fünf Schüsse auf Protestierende abfeuert. Dabei soll er aus kurzer Distanz auf Kopfhöhe gezielt haben. Davor warnt der Schweizer Hersteller jedoch ausdrücklich: Es sollten keine Schüsse auf Hals oder Kopf abgegeben werden. Nur dann bleibe das Risiko von schweren Verletzungen beschränkt.

Neben der Produktion in Thun betreibt B&T eine Niederlassung im US-Bundesstaat Florida. Von dort aus wird der US-Markt beliefert, darunter auch das Department of Homeland Security (DHS), dem die ICE-Beamten unterstellt sind. So erhielt die Thuner Firma 2018 vom DHS einen Auftrag für die Lieferung von 329 Granatwerfern. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen