Darum gehts
- Stella Carlson filmte, wie ICE-Beamte Alex Pretti (†37) erschossen
- Carlsons Video führte zu Empörung und Abzug des Einsatzleiters Gregory Bovino
- Pretti starb am 24. Januar 2026 durch Schüsse in Minneapolis
Stella Carlson wollte eigentlich ihren Samstagmorgen damit verbringen, Kindern in einer Kirche das Gesicht zu bemalen – eine erfrischende Abwechslung nach Wochen von Protesten und massiven Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE in ihrer Heimatstadt Minneapolis.
Doch stattdessen wurde sie Zeugin, wie Alex Pretti (†37) von mehreren ICE-Beamten erschossen wurde. Es war ihr Video, auf dem zu sehen war, wie die Beamten Pretti angingen und dann erschossen. Die Aufnahmen der «Lady in Pink», wie Carlson in den Medien genannt wird, widersprachen klar der Darstellung der Regierung, wonach Pretti die Beamten bedroht hätte.
«Ich wusste sofort, dass er tot ist»
Carlson, die sich in ihrer Gemeinde engagiert, hatte zuvor schon Nachbarn vor den Einsätzen der ICE-Beamten gewarnt. Mit einer Trillerpfeife ausgerüstet, ging sie auf die Strasse.
«Ich weiss jedes Mal, wenn ich mein Haus oder Auto verlasse und mir die Trillerpfeife um den Hals hänge, dass ich wegen Renee Good das Risiko kenne», sagte sie nun im Gespräch mit CNN. Good wurde Anfang Januar, wie Pretti, von ICE-Beamten erschossen. «Nach diesem Vorfall war uns klar, dass es jeden von uns treffen könnte.»
«Ich sah, wie sein Körper sich durchbog»
Am Samstag fuhr sie die Nicollet Avenue entlang und bemerkte eine Auseinandersetzung auf der Strasse. Sie dachte an Good, die ebenfalls in ihrem Auto sass, als sie erschossen wurde.
Dort sah Carlson Alex Pretti mit den Beamten. Carlson stieg aus ihrem Auto und begann zu filmen. Dann fielen die Schüsse. «Ich wusste sofort, dass er tot war», erzählte sie. Die folgende Behandlung des Körpers wirkte auf sie wie das Zählen von Schusswunden, «so als wäre er ein Hirsch».
Trump will Lage «deeskalieren»
Carlsons Video wurde zum Schlüsseldokument in der öffentlichen Reaktion auf die Tötung Prettis. Es löste eine Welle der Empörung aus, die dazu führte, dass das Weisse Haus Gregory Bovino, den für den Einsatz in Minneapolis verantwortlichen Grenzschutzbeamten, aus Minnesota abzog.
Präsident Donald Trump kündigte am Dienstag an, die Lage in Minneapolis «deeskalieren» zu wollen.
«Ich wusste nicht, ob ich geblieben wäre»
Carlson selbst hat wenig Vertrauen in eine Untersuchung der Bundesbehörden. Stattdessen setzt sie ihre Hoffnung in «verschiedene Vertreter unseres Landes, die versuchen, das Richtige zu tun und Gerechtigkeit zu schaffen».
Laut CNN wurde Carlson trotz ihrer Videoaufnahmen bisher nicht von den Behörden kontaktiert. Rückblickend sagt sie: «Wenn es nicht die kollektiven Aktionen der letzten Wochen gegeben hätte, weiss ich nicht, ob ich so lange geblieben wäre», sagt sie über die Szene. «Aber ich wusste, dass dies ein Moment ist, in dem wir alle mutig sein und Risiken eingehen müssen.»