Darum gehts
- Iranischer Machthaber Ali Chamenei (†86) starb am Samstag bei Luftangriffen
- 48 iranische Führungspersonen durch US-israelische Attacken getötet
- Iran derzeit von dreiköpfigem Rat regiert, Nachfolger noch unklar
Ali Chamenei (†86) ist tot. Über 40 Jahre lang hatte er den Iran mit eiserner Faust regiert und Proteste gegen sein Regime blutig niedergeschlagen. Er starb bei den Luftangriffen von Israel und den USA am Samstagmorgen.
Jetzt ist die Frage: Wer wird die Macht im Iran übernehmen? Chamenei selbst hatte wohl mehrere Favoriten, die er gern als seine Nachfolger gesehen hätte. Der iranische Machthaber habe vor seinem Tod angeordnet, für alle führenden Positionen im Staat mindestens vier Stellvertreter zu ernennen, damit Befehlsketten nicht unterbrochen würden. Zu diesen führenden Positionen gehört auch sein eigenes Amt, wie Islamwissenschaftler Simon Wolfgang Fuchs der Deutschen Presse-Agentur erklärt. Das Modell erinnert an die Hydra, ein Ungeheuer mit mehreren Köpfen aus der griechischen Mythologie: Wird ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei neue nach.
«Die meisten Kandidaten ausgeschaltet»
Wer die vier Stellvertreter Chameneis sind, ist nicht öffentlich bekannt. Es ist allerdings gut möglich, dass einige der potenziellen Nachfolger bereits infolge der US-israelischen Angriffe getötet wurden. «Die Attacke war so erfolgreich, dass sie die meisten Kandidaten ausschaltete», sagte US-Präsident Donald Trump (79) nach den Angriffen zu NBC News. Der Chamenei-Nachfolger werde «niemand sein, an den wir gedacht haben, denn sie sind alle tot». Insgesamt sprach Trump von 48 getöteten iranischen Führungspersonen.
Tatsächlich haben die Luftangriffe in der politischen Elite des Iran für hohe Verluste gesorgt.
Abdolrahim Mousavi (†65)
Abdolrahim Mousavi war der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte und damit der militärische Oberbefehlshaber des Landes. Das iranische Staatsfernsehen vermeldete seinen Tod am Sonntag, wie die «Times of Israel» berichtet.
Mousavi hatte die USA in der Vergangenheit mehrmals als «grossen Teufel» bezeichnet und gesagt, sein grösster Wunsch sei die Vernichtung des Staates Israel. Das berichtete Iran International, ein regimekritischer Sender der iranischen Diaspora im Westen.
Mohammad Pakpour (†64)
Mohammad Pakpours Tod wurde am Sonntagmorgen von der iranischen Justiz bestätigt. Pakpour war Kommandant der Revolutionsgarde, einer Militäreinheit, die sich als die Beschützer der islamischen Revolution verstehen.
Die «Encyclopedia Britannica» beschreibt die Revolutionsgarde als den mächtigsten Zweig des iranischen Militärs. Im Gegensatz zu den regulären Streitkräften untersteht die Garde direkt dem Kommando des Machthabers im Land.
Ali Shamkhani (†70)
Ali Shamkhani war Sekretär des Verteidigungsrats im Iran. Auch sein Tod wurde am Sonntag von iranischen Staatsmedien bestätigt.
Shamkhani war Chamenei laut der «Welt» treu ergeben. Er soll von mehreren Experten ausserdem bereits als Nachfolger des Machthabers gehandelt worden sein – gerade in einem Szenario, in dem nicht die Geistlichen, sondern das Militär die Macht im Land an sich reisst.
Provisorische Führung gesichert
Bis zur Wahl eines neuen Anführers wird der Iran provisorisch von einem dreiköpfigen Rat regiert. Dieser besteht aus dem Präsidenten des Landes, dem Justizminister und einem Mitglied des Wächterrates. Der Wächterrat gehört zu den einflussreichsten Institutionen im Iran. Er stellt sicher, dass alle staatlichen Handlungen mit dem streng islamischen Gesetz der Scharia vereinbar sind.
Im Iran wird der oberste Machthaber von der höchsten Klerikerversammlung der Islamischen Republik bestimmt. In diesem Expertenrat sitzen derzeit 88 Mitglieder, schreibt die «Welt». Es ist also gut möglich, dass die Kleriker – wie schon bei der Wahl Chameneis – einen ihrer Eigenen zum obersten Anführer ernennen.
Bekannte Familiennamen
In diesem Zusammenhang gilt Mojtaba Chamenei (56), der zweite Sohn des toten Machthabers, als realistischer Kandidat. Er soll die Unterstützung der Revolutionsgarden geniessen und gilt als islamistischer Hardliner.
CNN nennt ausserdem Hassan Khomeini (53), den Enkel des ursprünglichen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini (1902–1989), als Option für das Amt. Seine Abstammung verleihe dem Kleriker im Iran religiöse und revolutionäre Legitimität. Allerdings bekleidet Khomeini kein öffentliches Amt und hat wenig Einfluss in der Politik des Landes.