Darum gehts
Glänzender Stacheldraht rund ums Gebäude und schwer bewaffnete Polizei im Quartier: Die iranische Botschaft in Bern gleicht einer Festung. Mit gutem Grund: Auch in der Schweiz kommt es regelmässig zu Protesten gegen das repressive Regime in Teheran.
Seit dem 28. Februar ist das Land in einen Krieg gegen die USA und Israel verwickelt. Doch am Freitag gab es einen Lichtblick: Beide Seiten stellten ein Abkommen in Aussicht, das den Krieg beenden soll und in Genf unterzeichnet werden könnte. Gilt es dieses Mal ernst, oder ist es wieder ein Luftballon? Blick traf den iranischen Botschafter Mahmoud Barimani (64) in seinem Sitzungszimmer zum Interview.
Nachrichtenagenturen berichteten am Freitag, dass der Iran und die USA eine Einigung über ein Rahmenabkommen erzielt haben. Wie ernst nehmen Sie das diesmal?
Ich kann sagen, dass wir kurz davorstehen, das Rahmenabkommen abzuschliessen.
Ist Frieden in greifbarer Nähe?
Wir hoffen es sehr.
Das Problem ist, dass Trump schon 40 Mal ein Abkommen angekündigt hat und es doch nicht so weit gekommen ist. Was halten Sie von Donald Trump?
Das Problem mit Präsident Trump ist, dass sein Auftreten und sein Verhalten nicht vertrauenswürdig sind. Wir befanden uns sowohl im Juni letzten Jahres als auch im Februar dieses Jahres mitten in Verhandlungen, als die USA gemeinsam mit dem israelischen Regime den Iran angriffen. Auch am vergangenen Samstag, als der pakistanische Innenminister in Teheran war, um den iranischen Beamten den Vorschlag der USA zu überbringen, hat das israelische Regime zum dritten Mal den Waffenstillstand verletzt. Das Ziel war, die Verhandlungen zu untergraben.
Mahmoud Barimani (64) hat an der St. John University in New York Internationale Beziehungen studiert und arbeitet seit 1986 für das iranische Aussenministerium. Um die Jahrtausendwende war er Vize-Botschafter in Bern. Vor seiner Rückkehr nach Bern 2023 als Missionschef war er Botschafter in Belgien. Barimani ist verheiratet und hat drei Kinder.
Mahmoud Barimani (64) hat an der St. John University in New York Internationale Beziehungen studiert und arbeitet seit 1986 für das iranische Aussenministerium. Um die Jahrtausendwende war er Vize-Botschafter in Bern. Vor seiner Rückkehr nach Bern 2023 als Missionschef war er Botschafter in Belgien. Barimani ist verheiratet und hat drei Kinder.
Auf Trump und Netanyahu ist ein Kopfgeld von 50 Millionen Euro ausgesetzt. Was würde den beiden drohen, wenn sie gefasst und in den Iran gebracht würden?
Dieser Vorschlag mit dem Kopfgeld kommt vom iranischen Volk, nicht von der Regierung. Aus völkerrechtlicher Sicht gibt es ausreichende Gründe, beide wegen der von ihnen begangenen Verbrechen vor ein internationales Gericht zu stellen. Gegen Netanyahu liegt ja bereits ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag vor.
Der Iran leistet den USA und Israel überraschend heftigen Widerstand. Wie viele Raketen haben Sie noch?
Der Iran hat in den letzten 250 Jahren gegen kein Land einen Krieg angezettelt. Aber wenn ein Krieg gegen uns geführt wird, werden wir uns mit aller Kraft verteidigen, so wie es derzeit der Fall ist. Was die Anzahl der Raketen angeht, kann ich keine Zahl nennen. Aber wir sind in der Lage, uns zu verteidigen, solange der Krieg andauert.
Keinen Krieg angezettelt? Es gibt Gruppen wie die Hamas und die Hisbollah, die Israel mithilfe des Iran angreifen.
Die Hisbollah sowie die Hamas verteidigen ihr Territorium. Und im Gegensatz zum Westen, der dem Unterdrücker und Besatzer hilft, unterstützen wir die Unterdrückten, die ihr eigenes Territorium verteidigen.
Es ist das Ziel des iranischen Regimes, das «krebsartige» Israel auszulöschen. Warum?
Es ist ein illegitimes Regime, das das Land Palästina besetzt hat. Leider haben westliche Länder die Augen vor dem verschlossen, was das israelische Regime tut. Es sollte ein Referendum stattfinden, an dem die ursprünglichen Palästinenser, einschliesslich Muslime, Juden und Christen, entscheiden können, was mit dem Gebiet geschieht.
Eines der Kriegsziele der USA und Israels besteht darin, das iranische Atomprogramm zu zerstören. Wie weit ist Teheran derzeit von der Atombombe entfernt?
Netanyahu behauptete vor der Uno schon 1996, dass der Iran kurz davor stehe, eine Atombombe herzustellen. Die Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation haben in umfassenden Inspektionen festgestellt, dass das iranische Atomprogramm friedlichen Zwecken dient. Wir nutzen das Atomprogramm ausschliesslich zur Energieerzeugung, in der Landwirtschaft, zur Herstellung von Isotopen für Medikamente und für ähnliche Zwecke.
Für ein Kernkraftwerk wird bis zu 5 Prozent angereichertes Uran benötigt, für Medikamente bis zu 20 Prozent. Warum verfügt der Iran dann über bis zu 60 Prozent angereichertes Uran, was fast für eine Atombombe ausreicht?
Als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags haben wir das Recht, Kernenergie für friedliche Zwecke zu nutzen. Nach dem Vertrag gibt es keine Begrenzung für die Anreicherung von Uran. Zudem: Die Fatwa, unser religiöses Dekret, das von unserem gefallenen Führer erlassen wurde, verbietet uns den Einsatz von Atombomben.
Wie viel des Atomprogramms wurde durch die Angriffe zerstört?
Herr Trump sagte klar, dass es vernichtet worden sei…
Anfänglich wollten die USA auch die iranische Regierung zu Fall bringen. Diese hat im vergangenen Jahr mindestens 2159 Menschen hinrichten lassen. Warum greift der Iran immer noch auf diese abscheuliche Strafe zurück?
Laut den Vereinten Nationen haben über 50 Länder die Todesstrafe in ihrem Rechtssystem, darunter die USA und China. Wir sind Nachbarn eines Landes, in dem mehr als 80 Prozent der weltweiten Opiate produziert werden. Die meisten Verurteilten sind Drogenkriminelle, die die Drogen durch unser Land in den Westen schmuggeln wollen. Wir opfern unsere Polizeikräfte, um zu verhindern, dass die Drogen Europa erreichen, und um der Menschheit zu dienen. Wir tun aber unser Bestes, um alternative Strafen anzuwenden.
Warum geben Sie den Frauen in Ihrem Land nicht mehr Freiheit?
Frauen geniessen ihre Rechte. Sie sind auch im öffentlichen Leben stark vertreten. So besetzen Frauen beispielsweise vier Posten im Ministerkabinett, und 56 Prozent der Studierenden an staatlichen Universitäten sind Frauen.
Warum haben Sie der Blick-Fotografin bei der Begrüssung nicht die Hand gegeben?
Das ist eine religiöse Vorschrift. Aber wir respektieren Frauen von ganzem Herzen.
Die Schweiz fungierte jahrzehntelang als Vermittlerin zwischen dem Iran und den USA. Welche Rolle spielt sie heute noch?
Neben dem seit mehr als vier Jahrzehnten bestehenden Mandat zum Schutz der US-Interessen im Iran hat die Schweiz eine wichtige Rolle gespielt. Das letzte Mal im Februar, als sie zwischen der Islamischen Republik Iran und den USA Verhandlungen organisierte. Dafür sind wir sehr dankbar.
Hat sie ihre Aufgabe erledigt, oder sollte sie Vermittlerin bleiben?
Warum nicht? Sie hat stets Vertrauen bewiesen und guten Willen gezeigt. Bei der Wahl einer Vermittlerin müssen sich jedoch beide Seiten einig sein.
Die Weltmeisterschaft hat am Donnerstag in den USA begonnen. Schauen Sie zu?
Natürlich, ich bin ein Fussballfanatiker.
Es besteht die Möglichkeit, dass der Iran gegen die USA spielen muss. Was würde passieren?
Zunächst müssten wir so weit kommen… Aber: Fussball darf nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Die Weltmeisterschaft zielt darauf ab, Menschen einander näherzubringen. Was die USA tun, ist das Gegenteil.
Wie sieht Ihr Traumfinale aus?
Natürlich, dass der Iran als Sieger hervorgeht. Aber ich hoffe, dass die Schweiz ebenfalls weit kommt.