Darum gehts
- USA-Streitkräfte lancieren zweite Nacht in Folge Angriffswellen auf Iran
- Unklar, ob Israel bei Bombardements involviert ist
- Pentagon: «Zwangsdiplomatie» soll Iran zu Verhandlungen bewegen
Zu dieser Nacht machten US-Präsident Donald Trump (79) und sein Kriegsminister Pete Hegseth (46) gleich beide die Iran-Ansage. Washington werde «heute starke Schläge ausführen, genau wie gestern», sagte Trump am Mittwoch vor Reportern im Weissen Haus. Vor Beginn der Bombardements erklärte Hegseth, die US-Streitkräfte in Nahost «haben heute Nacht alle Hände voll zu tun, wir werden Iran hart treffen, wir werden wichtige Einrichtungen im Iran bombardieren».
Trump überwachte die die US-Militärschläge Oberbefehlshaber aus dem Situation Room. 49 Tomahawk-Raketen seien auf den Irak abgefeuert worden. Er drohte mit einer dritten Nacht von Bombardements, wenn die Iraner weiterhin keinem Deal zustimmen – sonst werde er morgen «den Scheiss aus dem Iran bomben», sagte er dem Sender Fox News.
Iranische Staatsmedien begannen vor Mitternacht MESZ Explosionen in mehreren Gebieten zu melden. Im Unterschied zu vergangener Nacht blieben die US-Militärschläge nicht auf Zielorte am Persischen Golf – oder wie die Amerikaner ihn nennen: am Arabischen Golf beschränkt. Auch im Westen von Teheran wurde die Luftabwehr aktiviert. Zudem wurden aus der Küstenprovinz Buschehr nordwestlich der Strasse von Hormus Bombardements gemeldet.
Gefechte bei Hormus?
Nach iranischen Angaben kam es zu Gefechten zwischen US- und iranischen Streitkräften bei der Strasse von Hormus. Iranische Streitkräfte würden US-Schiffe nahe der Strasse von Hormus mit Raketen und Drohnen angreifen, die Durchfahrt sei für Schiffe geschlossen – was Centcom dementierte. Hormus bleibe offen für die Passage von Schiffen. Die Revolutionsgarden erklärten zudem, ein amerikanischer F-16-Kampfjet sei von der iranischen Luftabwehr ins Visier genommen worden und habe sich daraufhin aus dem Luftraum zurückgezogen. Unabhängig bestätigen liessen sich die Angaben zunächst nicht.
Der arabische Newssender Al Jazeera meldete überdies, dass auch Israel Angriffe auf den Iran gestartet habe, was eine «bedeutende Eskalation der regionalen Spannungen bedeuten» würde. Später dementierte Trump gegenüber Fox News, dass Israel an den Angriffen beteiligt war.
Offen bleibt, ob die USA eine petrochemische Anlage im Gasfeld South Pars angriffen, wie iranische Medien meldeten. Ein Angriff auf kritische Energieinfrastruktur würde eine erhebliche Eskalation darstellen.
Bombendiplomatie
Dass die US-Führung die erneuten Militärschläge im Voraus ankündigt, ist eine neue Strategie, die von wachsender Zuversicht zeugt, Iran im Würgegriff zu haben. Bombenangriffe werden gewöhnlich nicht im Voraus angekündigt – es sei denn, man erachtet den Gegner militärisch kaum noch als Bedrohung und die Botschaft ist wichtiger als der Überraschungseffekt.
Trump hatte im Vorfeld seinen Zorn über die angeblich wetterwendischen Iraner zum Ausdruck gebracht. Er warf Teheran vor, sich bei den Gesprächen zur Beendigung des Krieges «dumm zu stellen» – «sie halten uns zum Narren, jetzt werden sie den Preis dafür zahlen müssen». Sein Land wolle ein «echtes und wirksames Abkommen». Er betonte, dass der «Iran zugestimmt hat, keine Atomwaffen zu besitzen, und nun muss er es unterzeichnen».
Wie aus Pentagon-Kreisen nach Beginn der zweiten Angriffswelle verlautete, handele es sich bei den Attacken um einen Akt von «Zwangsdiplomatie», um Teheran am Verhandlungstisch zu Zugeständnissen zu zwingen.
«Wenn wir mit Bomben verhandeln müssen, dann verhandeln wir mit Bomben», hatte Hegseth schon am Nachmittag bei einem Besuch des Centcom-Hauptquartiers in Florida erklärt. «Und darin sind wir sehr gut. Niemand auf der Welt ist besser.»