Darum gehts
- USA greifen militärische Ziele im Iran nach Apache-Abschuss an
- Erstmals rettete ein Drohnenboot im Kriegsgebiet abgeschossene US-Piloten
- Explosionen in Südiran, zwei Wassertanks zerstört, Trinkwasserversorgung unterbrochen
Die Lage im Nahen Osten eskaliert erneut: Nach dem mutmasslichen Abschuss eines US-Kampfhubschraubers hat das amerikanische Militär in der Nacht neue Angriffe auf Ziele im Iran geflogen. Präsident Donald Trump (79) sprach von einer «starken und kraftvollen» Vergeltung – Teheran reagierte umgehend.
Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom griffen amerikanische Streitkräfte mehrere militärische Ziele in der Nähe der strategisch wichtigen Strasse von Hormus an. Dabei seien insbesondere Flugabwehrsysteme und Radaranlagen mit Präzisionswaffen zerstört worden. Die Operation startete am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) und war nach drei Angriffswellen bereits wenige Stunden später beendet. Um 2.56 Uhr Schweizer Zeit wurde ihr Ende offiziell verkündet.
Trump: «Mussten reagieren»
Auslöser der Eskalation war ein Zwischenfall mit einem US-Helikopter vom Typ Apache. Washington macht Iran für den Abschuss verantwortlich. Präsident Trump erklärte gegenüber ABC News: «Das ist eine Reaktion auf das, was sie mit unserem Helikopter gemacht haben.» Die Antwort der USA sei «sehr stark» ausgefallen.
Die Iraner hatten bestritten, den Helikopter absichtlich abgeschossen zu haben, und bestanden auf Dialog, wie Al Arabiya unter Berufung auf iranische Quellen meldete.
Verkalkuliert sich Teheran?
Teheran verfolgt derzeit eine riskante Doppelstrategie: Das Regime setzt gezielt begrenzte militärische Angriffe gegen die USA und ihre Verbündeten ein, versucht dabei aber gleichzeitig einen grossen Krieg zu vermeiden.
Iran geht offenbar davon aus, dass Trump keinen neuen Nahost-Krieg will – und nutzt genau diese Zurückhaltung aus, um mehr Einfluss in der Strasse von Hormus und bei Verhandlungen zu gewinnen.
Die Strategie könnte sich als gefährliche Fehlkalkulation erweisen: Jeder weitere Angriff erhöht das Risiko, dass Washington doch hart zurückschlägt und die kontrollierte Eskalation ausser Kontrolle gerät.
Explosionen im Süden Irans
Iranische Medien berichteten in der Nacht von mehreren Explosionen entlang der Südküste des Landes, unter anderem in Sirik, Bandar Abbas und auf der Insel Qeschm. Demnach wurden auch zivile Einrichtungen getroffen: In Sirik sollen zwei Wassertanks zerstört worden sein, was zu einer Unterbrechung der Trinkwasserversorgung führte.
Iran droht – und schlägt zurück
Die iranische Führung reagierte scharf. Aussenminister Abbas Araghtschi (63) kündigte Vergeltung an: «Unsere Streitkräfte werden keinen Angriff unbeantwortet lassen.» Kurz darauf meldeten die Revolutionsgarden einen Drohnenangriff auf einen US-Stützpunkt in Bahrain.
Arabische Medien meldeten Explosionen in Bahrain, die Luftabwehr und Sirenen wurden aktiviert. Über Schäden und mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Auch in Kuwait waren die Luftabwehr und Sirenen zu hören.
Später meldeten die iranische Revolutionsgarde, sie habe mit Langstreckenraketen vier wichtige Ziele auf dem US-Stützpunkt Al-Azraq in Jordanien angegriffen, darunter F‑35-Hangars und ein Kommandozentrum – dies als Teil einer grösseren Serie von Angriffen auf US-Einrichtungen in der Region. Nach Angaben Reuters seien jedoch nahezu alle Angriffe abgefangen worden. Zugleich wurde mit einer weiteren Eskalation gedroht.
Waffenruhe vor dem Kollaps?
Die jüngste Eskalation kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Offiziell gilt seit zwei Monaten eine Waffenruhe im Konflikt zwischen den USA und Iran. Doch diese wirkt zunehmend brüchig.
Besonders brisant: Noch wenige Stunden vor dem Zwischenfall hatte Trump erklärt, ein Friedensabkommen mit Teheran stehe kurz vor dem Abschluss.
In den letzten Tagen warnte Trump seinen wichtigsten Nahost-Verbündeten Benjamin Netanyahu (76) kategorisch vor Vergeltungsschlägen gegen Iran. Nun blieb ihm offenbar keine andere Wahl, als selbst zurückzuschlagen.