Hantavirus-Ausbruch – Wurde ihm eine Vogeltour zum Verhängnis?
Erstes Opfer war niederländischer Ornithologe

Ein niederländischer Ornithologe wurde als erstes Opfer des Hantavirus-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff identifiziert. Leo S. (†70) besuchte bei einer Vogeltour eine Müllhalde bei Ushuaia. Noch ist unklar, wo der Infektionsursprung liegt.
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Der niederländische Ornithologe Leo S. war das erste Todesopfer des Hantavirus-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff. Seine Frau verstarb später.
Foto: Facebook

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Drei Todesfälle nach Reise in Feuerland
  • Erstes Todesopfer identifiziert: Niederländisches Paar besuchte Müllhalde bei Ushuaia
  • Ehepaar war ornithologisch begeistert, unternahm viele Vogel-Reisen auf aller Welt
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Am 1. April stach die MV Hondius von Ushuaia in Argentinien aus in See – mit 114 Gästen und 61 Besatzungsmitgliedern an Bord. Wenige Tage später fühlte sich ein Mann (†70) aus den Niederlanden unwohl. Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen. Bald darauf verstarb der Mann, später auch seine Ehefrau. Auch eine Frau aus Deutschland erkrankte später an dem Virus und verstarb. Zwei weitere Verdachtsfälle wurden von der WHO bestätigt.

Nun wurde das erste bekannte Todesopfer des Hantavirus-Ausbruchs identifiziert. Das niederländische Paar aus dem Dorf Haulerwijk, Leo S.* und Mirjam S.*, wurde in Nachrufen erwähnt, die in einer lokalen Monatszeitschrift veröffentlicht wurden, wie sowohl die «New York Post» als auch niederländische Medien berichten. 

Ehepaar besuchte bei Vogeltour eine Müllhalde

Ende März nahm das ornithologisch begeisterte Ehepaar S. an einer Vogeltour auf Feuerland teil. Während der Tour sollen die Niederländer auch eine Mülldeponie beim argentinischen Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, besichtigt haben. «Es ist üblich, dass Vogelbeobachter Müllhalden besuchen, da dort viele Vögel leben», erklärte Gastón Bretti, ein lokaler Führer, gegenüber Ansa Latina. Möglicherweise kam das Ehepaar bei der Mülldeponie in Kontakt mit Nagetieren. 

Doch ob hier tatsächlich eine Infektion stattgefunden haben könnte, ist weiterhin unklar. Nach Einschätzung der örtlichen Behörden liege der Ursprung des Hantavirus-Ausbruchs nicht in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego (Feuerland). «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung hier erfolgte, liegt praktisch bei null», sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz, Juan Petrina, am Samstag.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Tierra del Fuego sei das Ehepaar S. nach einer monatelangen Reise durch ganz Argentinien, Chile und Uruguay am 29. März in Ushuaia eingetroffen und hatte sich am 1. April auf der MV Hondius eingeschifft. Bereits am 6. April hätte Leo S. erste Symptome gezeigt. Die Inkubationszeit des Hantavirus betrage allerdings mindestens zwei bis drei Wochen. «Diese Zeiten passen nicht zu einer Ansteckung in Tierra del Fuego», sagte Petrina weiter.

Bekannter Pilgerort für Ornithologen

Seit Jahren ist bekannt, dass Hantaviren von Nagetieren auf den Menschen übertragen werden können. Bei dem auf dem Kreuzfahrtschiff grassierenden Hantavirus handelt es sich aber wohl um die sogenannte Andes-Variante. Sie kommt in Südamerika vor und kann in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Das Ehepaar S. unternahm immer wieder Vogel-Reisen in der ganzen Welt, heisst es im Nachruf weiter. Die Müllhalde nahe Ushuaia ist als bekannter Pilgerort für Vogelkundler bekannt, da hier der Weisskehlkarakara, eine Art der Geierfalken, beobachtet werden kann. Die Heimatgemeinde des niederländischen Ehepaars gedachte ihnen mit den Worten: «Wie Vögel im Flug. Wir werden euch und eure Geschichten vermissen.»

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*Name bekannt

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