Darum gehts
- Erstmals treffen USA und Iran am Wochenende in Islamabad direkt zusammen
- Iran fordert Transitgebühren für Hormus; USA verlangen nukleare Abrüstung
- Seit Kriegsbeginn am 28. Februar Tausende Tote, Energiekrise eskaliert
Islamabad wird an diesem Wochenende zum diplomatischen Brennpunkt der Weltpolitik. Erstmals seit Beginn des Krieges im Nahen Osten setzen sich Vertreter der USA und des Iran direkt an einen Tisch. Die zentrale Frage: Kann aus der brüchigen Waffenruhe ein tragfähiger Friedensprozess entstehen?
Der Konflikt, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran eskalierte, hat bereits Tausende Menschenleben gefordert und eine globale Energiekrise ausgelöst. Besonders die iranische Blockade der Strasse von Hormus – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öl und Gas – brachte den Weltmarkt ins Wanken.
Nun sollen Gespräche in Islamabad einen Ausweg aus der Krise eröffnen. Doch schon vor Beginn ist klar: Die Positionen beider Seiten liegen weit auseinander.
Warum Islamabad?
Die Verhandlungen finden am Wochenende in Islamabad statt, nachdem Pakistan entscheidend an der Vermittlung einer zweiwöchigen Waffenruhe beteiligt war. Diplomaten sprechen von einem grossen aussenpolitischen Erfolg für das Land. Die pakistanische Regierung versteht sich als neutraler Vermittler. Ziel sei es, beiden Seiten einen sicheren Rahmen für Gespräche zu bieten.
Aus Sicherheitsgründen gleicht die Hauptstadt derzeit einer Festung. Strassen wurden gesperrt, Soldaten und paramilitärische Einheiten patrouillieren im Zentrum. Mehrere mögliche Orte für die Gespräche stehen zur Auswahl – darunter das Fünf-Sterne-Hotel Serena, das Kongresszentrum der Stadt oder ein gesicherter Militärstützpunkt.
Wer sitzt am Verhandlungstisch?
Die Delegationen sind hochrangig besetzt. Die USA schicken Vizepräsident J. D. Vance (41) als Leiter der Delegation nach Pakistan. Begleitet wird er vom Sondergesandten Steve Witkoff (69) sowie Jared Kushner (45), Schwiegersohn von Präsident Donald Trump (79).
Für den Iran reisen Aussenminister Abbas Araghtschi (63) und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf (64) an. Erwartet werden ausserdem Vertreter der iranischen Revolutionsgarde.
Am Rande der Gespräche könnten auch Delegationen aus Golfstaaten wie Katar oder Saudi-Arabien anwesend sein. Beide Länder sind indirekt vom Konflikt betroffen.
Worüber wird verhandelt?
Im Zentrum der Gespräche steht die Frage, wie der Krieg beendet und eine neue Sicherheitsordnung im Nahen Osten geschaffen werden kann. Beide Seiten haben umfangreiche Forderungskataloge vorgelegt:
Irans 10-Punkte-Plan
Teheran verlangt zunächst ein sofortiges Ende aller militärischen Angriffe durch die USA und Israel. Das soll auch Angriffe auf iranische Verbündete wie die Hisbollah im Libanon, die Huthi im Jemen und schiitische Milizen im Irak einschliessen.
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Strasse von Hormus. Der Iran schlägt vor, die Durchfahrt künftig gemeinsam mit Oman zu kontrollieren und eine Transitgebühr von bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff zu erheben. Die Einnahmen sollen in den Wiederaufbau der zerstörten Regionen fliessen.
Ausserdem fordert Teheran milliardenschwere Kompensationszahlungen für Kriegsschäden, die vollständige Aufhebung der internationalen Sanktionen sowie die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen im Ausland.
Jede Einigung soll zudem durch eine bindende Resolution des UN-Sicherheitsrats abgesichert werden, damit sie nicht einseitig aufgekündigt werden kann. Der heikelste Punkt bleibt jedoch das Atomprogramm: Iran besteht darauf, Uran weiterhin für zivile Zwecke anreichern zu dürfen.
Trumps 15-Punkte-Plan
Washington stellt deutlich härtere Bedingungen. Im Zentrum steht die vollständige nukleare Abrüstung des Iran. Teheran soll sich verpflichten, niemals Atomwaffen zu entwickeln. Rund 440 Kilogramm hochangereichertes Uran müssten an die Internationale Atomenergiebehörde übergeben werden.
Darüber hinaus verlangen die USA die komplette Einstellung der Urananreicherung im Iran. Nuklearanlagen in Natans, Isfahan und Fordow sollen demontiert werden, während die Atombehörde weitreichende Kontrollrechte erhält.
Auch das iranische Raketenprogramm steht auf der Liste: Entwicklung und Produktion von Langstreckenraketen sollen verboten werden. Zudem fordert Washington ein Ende der militärischen Unterstützung für Verbündete wie Hisbollah, Huthi-Milizen oder irakische Gruppen.