Darum gehts
- Donald Trump kritisiert Nato wegen mangelnder Unterstützung im Iran-Konflikt
- Mark Rutte versucht, die Spannungen mit Trump zu entschärfen
- US-Präsident forderte europäische Hilfe für die Strasse von Hormus, erhielt aus seiner Sicht nicht die angemessene Antwort
«Knappes Rennen» mit China und Russland bei Waffenproduktion
«Die USA wollen sich mehr dem Indo-Pazifik und ihrer eigenen Hemisphäre zuwenden», hält Rutte fest. «Die Europäer müssen sich steigern. Da gibt es keine Debatte drüber.»
Rutte wird gefragt: Werden die erhöhten Militärausgaben wirklich die Allianz stärken? Er spricht sich für einen langsamen Anstieg der Ausgaben aus. Gleichzeitig betont er: «Jeder weiss jetzt, wenn der Nato-Verteidigungsfall ausgerufen werden sollte, was zu tun ist. Jedes Land weiss, was es tun muss.» Man sei in einem «knappen Rennen» mit China und Russland.
«Absolut das, was wir brauchen»
Es sei eine langfristige Position der Nato gewesen, dass der Iran nicht an eine Atombombe oder eine Atomrakete gelangt. «Da war die Nato immer klar», sagt Rutte. Dass die USA europäische Flughäfen und Luftwaffenstützpunkte nutze, sei «absolut das, was wir brauchen».
Wenn es um die Strasse von Hormus geht, habe der britische Premier Keir Starmer eine Führungsrolle übernommen. Auch die Niederlande habe Radartechnologien und Minensucher angeboten. «Wir sind erst zwei Tage in der Waffenruhe, wir müssen schauen, was mit den Seestrassen passiert. Wir müssen sichergehen, dass das Prinzip der freien Seestrassen durchgesetzt wird.»
«Wir müssen zusammenhalten»
Welches Wertversprechen macht die Nato den Amerikanern? «Lassen Sie uns ehrlich sein, wir können nicht trennen, was im Atlantik und im Pazifik passiert. Es passiert weltweit», betont Rutte zunächst. Er spricht über einen Teil seiner Familie, die in den USA lebt. «Damit Amerika sicher bleibt, müssen wir zusammenhalten», erklärt er anschliessend.
Es folgt ein Blick auf eine Umfrage: 70 Prozent der Amerikaner sehen die Nato positiv, eine Mehrheit lehnt auch einen Rückzug aus dem Bündnis ab.
Rutte über Trump: «Habe seine Enttäuschung gespürt»
Nun werden Rutte einige Fragen gestellt. Es geht zunächst um die Gespräche mit Trump vom Mittwoch. «Die Gespräche waren offen und ehrlich», sagt Rutte. Er und Trump seien gute Freunde. «Manchmal braucht es in Europa ein paar Tage, bis wir uns zusammenreissen. Ich habe seine Enttäuschung gespürt.»
«Nato wird stärker»
Rutte räumt ein, dass einige US-Verbündete «ein wenig langsam» reagiert hätten. Gleichzeitig seien einige Nato-Mitgliedsstaaten überrascht von Trumps Militärschlagen im Iran gewesen, weil der US-Präsident sie nicht im Vorfeld informierte. Insbesondere in Europa würden die Europäer aktuell eine Führungsrolle übernehmen. «Es war keine einseitige Allianz, als europäische, US-amerikanische und kanadische Soldaten Seite an Seite in Afghanistan kämpften», erinnert der Nato-Chef den US-Präsidenten.
«Die Nato verändert sich», sagt Rutte erneut. «Sie wird stärker. Ich sehe eine echte Partnerschaft am transatlantischen Horizont. Die USA und die europäischen Partner werden ihr Engagement bekräftigen.» Damit ist Ruttes kurze Rede schon vorbei.
«Wir sind in einer Ära des Wandels»
«Unsere Freunde im Persischen Golf verteidigen sich mit ukrainischer Technologie gegen russisch-iranische Aggression», sagt Rutte. US-amerikanische Waffen seien essenziell für das «Arsenal der Freiheit» der Nato.
«Warum hat jeder einen Knoten im Magen, wenn es um die Zukunft der Nato geht?», stellt Rutte eine rhetorische Frage. «Wir sind in einer Ära des Wandels für die Allianz.» Man bewege sich von der ungesunden Co-Abhängigkeit zu einer echten Partnerschaft.
«Sind bereit, unsere Freiheit zu verteidigen»
Rutte stellt aktuell eine «ungesunde Co-Abhängigkeit» zwischen den europäischen Nato-Mitgliedsstaaten und den USA fest. Europa denke nicht in Einflusssphären, Russland schon. Trump habe die Europäer daran erinnert, dass Werte mit harter Macht unterstützt werden müssten. «Wir sind bereit und in der Lage dazu, unsere Freiheit zu verteidigen», sagt Rutte für die Europäer.
Rutte beginnt historisch
Mark Rutte ist ans Rednerpult getreten. «Es ist mir eine Freude, wieder hier zu sein», beginnt er. Er bewundere Präsident Ronald Reagan. «Die USA müssen eine aktive Rolle in der Welt einnehmen», sagt Rutte. Das habe auch Reagan gesagt. «Amerikanische Führerschaft ist essenziell, wenn Freiheit die Regel und nicht die Ausnahme sein soll.»
Der Kalte Krieg sei mit einem Sieg beendet worden. «Jeder in Europa und der Welt wird für immer dankbar sein für die Führung damals», erklärt Rutte weiter.
Anmoderation auf der Bühne
Immerhin tut sich jetzt etwas auf der Bühne. Es läuft eine Anmoderation. Es geht um den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan, die Nato und Mark Rutte.
Rutte verspätet sich
Noch ist von Nato-Chef Mark Rutte nichts zu sehen. Offenbar verspätet sich der Niederländer. Braucht es hinter den Kulissen noch mehr Vorbereitungszeit?
Wo war er am Mittwochabend, der Trump-Flüsterer Mark Rutte (59)? Das werden sich viele Nato-Mitgliedsstaaten fragen. Bislang war es dem Chef des Militärbündnisses immer wieder gelungen, US-Präsident Donald Trump (79) zu besänftigen. Doch seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Republikaner so wütend auf die Verbündeten, wie wahrscheinlich noch nie.
Auf Truth Social wetterte Trump nach dem Treffen am Mittwochabend: «Die Nato war nicht da, als wir sie gebraucht haben – und sie wird auch nicht da sein, wenn wir sie wieder brauchen. Denkt an Grönland, dieses grosse, schlecht geführte Stück Eis!»
Trump denkt schon lange über einen Austritt nach. Ob er es ernst damit meint, könnte sich zeigen, wenn es Rutte nicht wie sonst gelingt, den mächtigsten Mann der Welt doch noch zu beruhigen.
Rutte: Iran-Krieg hat Welt sicherer gemacht
Ob die Nato-Staaten tatsächlich versagt hätten, wurde Rutte in einer Sendung des TV-Senders CNN im Anschluss an das Treffen gefragt. «Einige wenige, ja, aber die grosse Mehrheit der europäischen Länder – und darüber haben wir heute gesprochen – hat ihre Versprechen gehalten», betonte er.
Auf die Frage, ob die Welt heute sicherer sei als vor Kriegsbeginn, antwortete der Niederländer: «Absolut, denn – und das ist Präsident Trumps Führung zu verdanken – es ist sehr, sehr wichtig, die militärischen Fähigkeiten Irans zu schwächen.» Ob das die Golfstaaten, die seit Beginn des Krieges unter ständigem Beschuss stehen, auch so sehen? Fraglich.
«Daddy muss manchmal seine Stimme erheben»
Im Juni 2025, bei den ersten amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran hatte Rutte Trump «Daddy» genannt und ihm so geschmeichelt.
Trump verglich den Konflikt zwischen Israel und dem Iran daraufhin mit «Kindern, die wie Stoffpuppen auf dem Spielplatz kämpfen», und Rutte griff die Metapher auf einem Nato-Gipfel auf und erklärte: «Daddy muss manchmal seine Stimme erheben.»
Schwieriger Balanceakt
Seit Monaten balanciert Mark Rutte zwischen den Beschimpfungen des US-Präsidenten gegen die europäischen Verbündeten, die er unter anderem als «Feiglinge» bezeichnet, und der Notwendigkeit, sie zu verteidigen, ohne Donald Trump zu verärgern.
Dieser Balanceakt wurde mit dem Beginn der US-israelischen Angriffe gegen den Iran Ende Februar besonders schwierig, da der US-Präsident frustriert über den seiner Ansicht nach europäischen Rückzug im Iran-Konflikt war.
«Daddy» ist sauer
Er hatte insbesondere um europäische Unterstützung bei der Sicherung der strategisch wichtigen Strasse von Hormus gebeten und nicht die erwünschte Antwort erhalten. «Daddy» ist sauer. Und Rutte droht, beim Tanz auf dem transatlantischen Drahtseil abzustürzen.
Am Donnerstag gibt Rutte vor den Medien ein Statement ab und wird wohl weiter versuchen, die Wogen zu glätten. Ob das als Auffangnetz reicht?