Teherans Teufelskreis-Trick
Jetzt will Trump mit den Mullahs gemeinsam Öltanker abzocken

Die iranischen Revolutionsgardisten ziehen an der Strasse von Hormus Schutzgelder von passierenden Ölfrachtern ein. Die internationale Gemeinschaft ist empört. Donald Trump aber findet die Idee toll – und sieht die Kriegsgegner plötzlich als Business-Partner.
Kommentieren
US-Präsident Donald Trump will jetzt mit den Mullahs gemeinsame Sache machen.
Foto: IMAGO/Daniel Torok/White House

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mullahs kopieren Donald Trump-Taktik
  • Iran verlangt Millionen pro Öltanker mit Teufelskreis-Trick
  • Der US-Präsident will mit Iran an Hormus-Zöllen verdienen
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
RMS_Portrait_AUTOR_823.JPG
Samuel SchumacherAusland-Reporter

Donald Trump (79) macht seinem Ruf als «Herr der Zölle» alle Ehre. Statt selbst die Welt mit neuen Strafabgaben zu belästigen, verhilft er für einmal einer anderen Macht dazu, sich die Taschen zu füllen. Ausgerechnet das iranische Regime, das bis am Dienstag noch mit Trump im Krieg war, hat Trump kopiert und verdient seit Mittwoch Millionen mit jedem Schiff, das durch die Strasse von Hormus fährt.

Die Iraner setzen dafür auf einen Teufelskreis-Trick, der die Lage am Golf Tag für Tag gefährlicher macht. Das Absurdeste an der fiesen Mullah-Masche: Trump findet sie «wunderschön» – und will die internationale Schifffahrt jetzt gemeinsam mit Revolutionsgarden erpressen.

Vorweg: Die Strasse von Hormus ist aktuell gerade wieder gesperrt. Teheran sagt, solange Israel weiterhin den Libanon bombardiere, gelte das Waffenstillstandsabkommen nicht. Aber immerhin: In den rund 24 Stunden, während derer Öltanker wieder durch das Nadelöhr tuckern durften, hat der Iran richtig abkassiert. Und zwar so:

1/8
Bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff verlangen die Mullahs umgerechnet für die Passage durch die Strasse von Hormus.
Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Seit Mittwoch lotsen die iranischen Revolutionsgarden alle passierenden Schiffe durch die iranischen Gewässer rund um die Insel Larak ganz im Norden der Strasse von Hormus. Die alten Schiffskorridore in den internationalen Gewässern südlich davon bleiben – so behaupten es die Mullahs – vermint und deshalb unbefahrbar.

Während die Schiffe bis zum Ausbruch des Krieges im Nahen Osten also gratis durch die internationalen Gewässer in der Strasse von Hormus fahren konnten, müssen sie jetzt über iranisches Hoheitsgebiet fahren – und dafür kräftig in Teherans Kriegskassen einzahlen. Rund einen Dollar pro geladenes Fass Öl (also etwa zwei Millionen Dollar pro Schiff) verlangt der Iran umgerechnet. Zahlen müssen die Kapitäne entweder in chinesischen Yuan oder mit Kryptowährungen.

Der Krieg macht Mullahs richtig reich

Ein geschickter Zug aus iranischer Sicht: Da die Yuan-Zölle über das chinesische Bezahlsystem CIPS – Pekings Alternative zum internationalen Bankensystem SWIFT – laufen, können sie durch keine westlichen Sanktionen gestoppt werden. 

Ein wahrer Teufelskreis, den das iranische Regime da für den Rest der Welt geschaffen hat. Solange die Mullahs mit dem Verweis auf ihre Minen die Schiffe in ihre eigenen Gewässer locken können, werden sie mit dem Hormus-Öl-Handel richtig viel Geld verdienen – laut dem «Economist» heute schon täglich etwa doppelt so viel wie vor dem Krieg, auch dank der neuen Hormus-Zölle.

Dieses Geld kann das Regime direkt in seine geschwächte Kriegsmaschinerie stecken. Dadurch wächst die militärische Bedrohung am Golf – und mit ihr die Bereitschaft der Öl-Frachter, den Iranern weiterhin Schutzgeld zu zahlen, um sicher durch die gefährlichen Gewässer gelotst zu werden.

Gemeinsame Sache machen

Der amerikanische Historiker Timothy Snyder (56) wirft auf der Plattform «X» die Frage auf, ob «US-Verhandlungsgesandte oder andere Amerikaner» mit den Mullahs gemeinsame Sache machten und heimlich von den Zöllen profitierten. Nicht völlig undenkbar: In Venezuela zeigt die amerikanische Regierung in aller Öffentlichkeit, wie sie sich durch die Einsetzung gefügiger Machthaber in fremden Ländern die eigenen Taschen füllt.

US-Präsident Donald Trump denkt jedenfalls bereits laut über eine Zusammenarbeit mit den iranischen Zoll-Eintreibern in Hormus nach. «Wir könnten uns vorstellen, das mit ihnen in einem Joint-Venture zu tun. (…) Das ist eine wunderschöne Sache», sagte er am Mittwochabend zu einem Reporter des TV-Senders ABC.

Vorgestern noch im Krieg gegeneinander, heute schon die besten Business-Buddys? In Trumps Welt scheint das kein Widerspruch zu sein. Ab Freitag verhandelt seine Delegation in Pakistan mit den Mullahs über das weitere Vorgehen am Golf. Dass die «Teheran Tarifs» (auf den Namen ist er bislang noch nicht gekommen) da auf der Traktandenliste stehen werden: mehr als nur wahrscheinlich.


Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen