US-Abzug bringt uns in Gefahr
Macht Trump am Golf jetzt seinen grössten Fehler?

Der US-Präsident hat genug vom Krieg. Sein angedrohter Rückzug aber wäre fatal – nicht nur für die Golf-Staaten sondern auch für Europa.
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Der Hass auf die USA im Iran ist gigantisch.
Foto: keystone-sda.ch

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Donald Trump (79) will so schnell wie möglich raus aus dem Krieg. Verständlich: Die Benzinpreise in den USA steigen, die Munitionslager leeren sich, viele frühere Verbündete schütteln über das Vorgehen am Persischen Golf nur noch den Kopf.

Der schnellste Weg, einen Krieg zu beenden, wäre, ihn zu verlieren. Das wusste schon George Orwell. Doch das kommt für den siegessüchtigen US-Präsidenten nicht infrage. Vor seinem nächsten «Trumpus interruptus» will er den Iran noch rasch «in die Steinzeit zurückbomben», wie er in der Nacht auf Donnerstag verkündete. Danach solle der Rückzug folgen – nötigenfalls auch mit dem aktuellen Regime in Teheran und trotz blockierter Strasse von Hormus. Zieht Trump das durch, wäre das nicht nur für Amerika gefährlich, sondern auch für Europa fatal.

Viele Alternativen bleiben ihm kaum. Die Verhandlungen mit den Vertretern des neuen Ayatollahs, Modschtaba Chamenei (56), stocken. Eine Bodeninvasion oder selbst ein Angriff auf Irans Ölinsel Kharg wäre für die USA extrem riskant und würde die Ölpreise weiter treiben. Und ein «Weiter wie bisher» wäre für Washington rasch unbezahlbar: Laut dem Center for International and Strategic Studies kostet der Krieg die amerikanischen Steuerzahler täglich mehr als zwei Milliarden Dollar.

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Donald Trump hat in der Nacht auf Donnerstag angekündigt, dass er den Iran-Krieg nach einem letzten massiven Bombardement bald für beendet erklären werde.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Bleibt also der Rückzug. Das Problem: Der Iran wird nach einem amerikanischen Abgang kaum stillhalten. Die massiven Angriffe der US-israelischen Allianz haben das Regime weiter radikalisiert. Vor allem die mehr als 160 durch eine US-Rakete getöteten Kinder in einer Schule in Minab nutzt Teheran in Propaganda-Videos, um den Hass auf die Angreifer zu schüren.

USA zerstören grösste Brücke Irans
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Trump postet Video:USA zerstören grösste Brücke Irans

Sieben Millionen Iraner stehen für den Kampf bereit

Aussenminister Abbas Araghtschi (63) betonte diese Woche, Iran habe aus früheren US-Kriegen im Nahen Osten gelernt und seine militärischen Strukturen sowie Waffenlager dezentralisiert. So medienwirksam die Schläge auf Teheran auch seien: Das Regime sei nicht entscheidend geschwächt.

Ein Sprecher der iranischen Armee schwor den USA nach Trumps Ansprache, der Iran werde «bis zur Demütigung und Kapitulation» seiner Feinde weiterkämpfen. Laut Parlamentssprecher Mohammad Ghalibaf (64) haben sich mehr als sieben Millionen Iraner bereit erklärt, den Kampf gegen Amerika weiterzuführen.

Besonders betroffen wären die Golfstaaten. Ihr Geschäftsmodell – Stabilität, Sicherheit, Palmenstrände und Luxus – ist schon jetzt schwer beschädigt. Solange die Bedrohung durch iranische Drohnen und Raketen anhält, dürften sich Investoren und Touristen abwenden. Goldman Sachs schätzt, dass die Wirtschaft in Saudi-Arabien, Dubai und Kuwait 2026 um 5 bis 14 Prozent schrumpfen könnte, falls der Krieg nur bis Ende Monat weitergeht.

«Greift ein und schnappt euch ihr Öl!»
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Trump-Interview von 1987:«Greift ein und schnappt euch ihr Öl!»

Für den Golf bleiben zwei Optionen: entweder die Amerikaner drängen, den Krieg bis zum Sturz des Regimes weiterzuführen. Oder die USA samt ihren 40'000 bis 50'000 Soldaten aus der Region werfen. Bislang konzentrierte der Iran seine Angriffe auf US-Basen oder Hotels mit vermuteter US-Präsenz. Ein «Amis raus» könnte den Mullahs signalisieren: Bei uns gibt es keine legitimen Ziele mehr.

Der Iran hat den Golfstaaten versichert, dass man für eine konstruktive Zusammenarbeit zu haben wäre und gerne auch die Amerikaner als Schutzmacht in der Region beerben würde. Das alte Amerika-zentrierte System habe ausgedient, betonte Parlamentssprecher Ghalibaf: «Wir können gemeinsam sichere, stabile Bedingungen für Investoren schaffen.»

Iranische Ziele auch nahe der Schweiz

Für die USA käme der Rausschmiss am Golf einer historischen Demütigung gleich. Fraglich wäre zudem auch, ob etwa die Saudis ihre versprochenen 600-Milliarden-Investitionen in die USA bis zu Trumps Amtszeitende tatsächlich tätigen würden – und ob die Katarer dem US-Präsidenten den versprochenen 400-Millionen-Präsidentenjet wirklich schenken.

Für Europa wäre ein vorzeitiger US-Abzug brandgefährlich. Die Gefahr von Terroranschlägen auf amerikanische oder US-nahe Ziele wächst. Zudem reichen bestimmte iranische Raketen bis nach Europa. Amerikanische Waffenlager und Stützpunkte liegen auch in unmittelbarer Schweizer Nähe – etwa in Stuttgart (D), Garmisch (D) oder auf dem Militärflugplatz Ghedi in Italien. Aus Sicht Teherans wären das legitime Ziele, vor allem dann, wenn Trump seine Truppen aus dem Nahen Osten abzieht und der Iran seine Vergeltung anderswo sucht.

Sich einfach zurückziehen: Das kann Trump. Den Krieg beenden wird er so kaum.

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