«Wir haben sie alle ausgeschaltet»
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Trump über Iran-Krieg:«Wir haben sie alle ausgeschaltet»

Durchwachsene Kriegsbilanz im Iran
Was Trumps «Steinzeit»-Drohung wirklich bewirken soll

Trump behauptet, den Iran «in die Steinzeit» bomben zu wollen – doch sein eigentliches Ziel liegt woanders. Nach vier Wochen Krieg zeigt sich: Militärisch haben die USA Erfolge erzielt, strategisch bleiben zentrale Fragen offen.
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US-Präsident Donald Trump behauptet, den Iran «in die Steinzeit bomben» zu wollen. Doch stimmt das wirklich?
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • USA und Israel führen seit Anfang März Krieg gegen Iran
  • Über 11'000 Ziele zerstört, darunter militärische Anlagen und Führungszentren
  • Iran besitzt laut IAEA weiterhin 440,9 Kilogramm angereichertes Uran
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Marian NadlerRedaktor News

Seit rund vier Wochen führen die USA und Israel Krieg gegen den Iran. In der Nacht auf Donnerstag verteidigte US-Präsident Donald Trump (79) die Angriffe – und kündigte an, den Iran «in die Steinzeit» bomben zu wollen.

Zeit für eine Kriegsbilanz. Was wurde erreicht und was nicht? Und wie könnte es jetzt weitergehen?

Was Washington bisher erreicht hat

Einige Kriegsziele wurden – zumindest in Teilen – erreicht, vor allem auf militärischer Ebene. Zentrale Raketensilos, Waffenlager sowie Test- und Produktionsanlagen wurden getroffen. Wichtige Einrichtungen der Mullah-Führung und zentrale Kommandozentren der Revolutionsgarden wurden zerstört.

Nach Angaben von Stabschef Dan Caine (56) vom Dienstag wurden über 11'000 Ziele getroffen. Weite Teile der iranischen Marine und Luftwaffe sind vernichtet. 

Dass die Militärkapazitäten der Mullahs stark getroffen wurden, lässt sich nach Angaben des Pentagons auch an einem deutlichen Rückgang von iranischen Drohnen- und Raketenangriffen feststellen. Und: Seit Beginn des Krieges wurden mindestens ein Dutzend hochrangige Führungsfiguren des Mullah-Regimes getötet.

Was noch nicht erreicht ist

Der Drohnen- und Raketenhagel auf Israel und andere Staaten im Nahen Osten wurde schwächer – ist aber nicht gestoppt. Trump versprach, dass «die iranische Raketenfähigkeit vollständig beeinträchtigt» werde. Dieses Ziel ist noch nicht erreicht.

Auch was die Nuklearkapazitäten des Irans angeht, gibt es noch Fragezeichen. Es gibt starke Hinweise, dass zentrale Teile des iranischen Atomprogramms – vor allem der Bestand an hochangereichertem Uran – weiterhin existieren. Die Nachrichtenagentur AP berichtete am Mittwoch unter Berufung auf die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), dass der Iran weiterhin über rund 440,9 Kilogramm zu 60 Prozent angereichertes Uran verfüge. Das ist weit über dem zivilen Niveau und liegt nahe an waffenfähigem Material, berichtet die «Times of Israel». Etwa 42 Kilogramm zu 60 Prozent angereichertes Uran könnten theoretisch für eine einzelne Atombombe ausreichen. 

Die Behörde hatte Anfang März Schäden an der Urananreicherungsanlage Natans bestätigt. Auch in der Stadt Isfahan, wo sich ein grosses Nuklearzentrum befindet, wurden mehrfach Explosionen gemeldet. 

Wie das «Wall Street Journal» berichtete, erwog Trump zuletzt den Einsatz von Bodentruppen, um das Uran zu sichern. Bedeutet: Der nukleare Kernbestand ist nach wie vor in den Händen der Mullahs – und potenziell für eine Atombombe nutzbar.

Die To-do-Liste bleibt auch an anderer Stelle lang. Das iranische Regime ist zwar geschwächt, aber nicht gestürzt. Statt Ali Chamenei (†86) ist jetzt sein noch radikalerer Sohn Modschtaba Chamenei (56) der Anführer.

Ein weiteres Ziel, das noch in weiter Ferne liegt: Die USA und Israel wollten die iranische Bedrohung so weit unterdrücken, dass von Teheran keine nennenswerte Gefahr für Israel, die USA und die Verbündeten im Nahen Osten mehr ausgeht. Stattdessen sieht es aktuell eher danach aus, als hätten Trump und Netanyahu die Golfstaaten und durch die Blockade der wichtigen Wasserstrasse von Hormus auch die Weltwirtschaft in einen Abgrund gerissen, aus dem man nicht so schnell wieder herauskommt.

Was Washington als Nächstes ins Visier nehmen könnte

Trump sagte in der Nacht auf Donnerstag, er wolle den Iran «zurück in die Steinzeit» bomben. Sollte keine Einigung zur Beendigung des Krieges erzielt werden, nannte Trump als mögliche Ziele für Bombardements alle iranischen Kraftwerke und möglicherweise auch die Ölfelder. Als mögliche Ziele kämen dabei etwa die grossen Gaskraftwerke in der Gilan-Region nahe der Grenze zu Aserbaidschan oder die schier gigantischen Ölfelder in der südwestlichen Provinz Chuzestan infrage.

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Dies hätte jedoch verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung im Iran, und die Zukunft des Landes und würde höchstwahrscheinlich Vergeltungsmassnahmen gegen Amerikas Verbündete in der Region auslösen.

Das weiss auch Trump. Tatsächlich zielen die Drohungen auf etwas anderes ab: den Verhandlungstisch. Dahinter steckt eine Druck-durch-Eskalation-Strategie, die in einem neuen Atom- und Sicherheitsdeal, der iranische Atomwaffen ausschliesst, münden soll.

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