Darum gehts
- Ein US-Aufklärungsflugzeug E-3 Sentry wurde bei einem Raketenangriff in Saudi-Arabien getroffen
- Experten vermuten, dass das Flugzeug aufgrund schwerer Schäden nicht reparierbar ist
- Die USA verfügen nur über eine begrenzte Anzahl solcher Spezialflugzeuge
Es ist das zentrale Aufklärungsflugzeug der US-Luftwaffe. Eine Boeing vom Typ E-3 Sentry liegt in Trümmern. Bei einem iranischen Raketenangriff auf die Prince-Sultan-Luftwaffenbasis in Saudi-Arabien am späten Freitagabend wurde das Flugzeug stark beschädigt, wie das «Wall Street Journal» (WSJ) berichtete. Die US-Luftwaffe hat die Zerstörung bislang nicht bestätigt.
Mehrere Branchenmagazine haben ein Bild ausgewertet, das die Schäden zeigen soll. Sollten sich diese bestätigen, dürfte das 500-Millionen-Dollar-Flugzeug aufgrund seines Zustands wahrscheinlich nicht mehr repariert werden. Besonders die Schäden an Rumpf und Flügeln sind gross, wie Satellitenbilder zeigen. Ausserdem wurden zehn bis 15 US-Soldaten verletzt, einige von ihnen kritisch. Auch andere Flugzeuge, wie das Tankflugzeug KC-135, wurden beschädigt.
Attacke schwächt US-Armee
Es ist ein Schlag, der die US-Luftwaffe empfindlich trifft. Die E-3-Sentry besitzt ein Airborne Warning and Control System (AWACS) – einen luftgestützten Frühwarn- und Kontrollapparat. Er hilft dabei, das Schlachtfeld zu überwachen – und verfolgt Drohnen, Raketen und Flugzeuge über Hunderte von Kilometern.
Die USA verfügen über eine Flotte von 16 E-3-Sentry-Maschinen. Jede dient als «Multiplikator» für andere Kräfte – sie macht Jagdflugzeuge, Raketenabwehrsysteme und Bodentruppen effektiver. Aktuellen Flight-Tracking-Daten zufolge hat die US-Luftwaffe im Rahmen von Washingtons Krieg gegen den Iran sechs Flieger zu Stützpunkten in Europa und im Nahen Osten entsandt.
Radarkuppel als charakteristisches Merkmal
Charakteristisch für das Spionageflugzeug ist die Radarkuppel – befestigt auf dem Flugzeug-Rumpf. Diese Kuppel rotiert und schützt Antennen vor Witterungseinflüssen. Die Daten, die aufgezeichnet werden, liefern den Kommandanten ein Echtzeitbild des Einsatzgebiets in allen Höhen und bei allen Wetterlagen. So können sie eigene Einheiten koordinieren, Bedrohungen abfangen und den Überblick über befreundete sowie feindliche Flugzeuge behalten.
Laut Angaben der US-Luftwaffe ist die E-3-Sentry in der Lage, acht Stunden im Einsatz zu stehen, ohne aufgetankt werden zu müssen. Ausserdem besteht die Möglichkeit, Reichweite und Flugdauer durch Betankung während des Fluges weiter zu verlängern. Sie hat eine Spannweite von 44 Metern.
Experten: «Sehr ernstes Problem»
Die Zerstörung eines solchen Flugzeuges bedeutet einen grossen Verlust von Fähigkeiten. «Das ist ein sehr ernstes Problem», sagte der pensionierte US-Air-Force-Colonel John «JV» Venable dem «WSJ». «Das schwächt die Fähigkeit der USA, die Vorgänge im Golf zu beobachten und die Lage zu überblicken.» Es gibt nur eine begrenzte Anzahl dieser Flugzeuge in der US-Luftwaffe, und sie können nicht einfach ersetzt werden, so der Ex-Militär. Vor allem kurzfristig dürfte der Ausfall also Folgen haben.
Auch materiell sind die Folgen erheblich. Die nächstliegende Alternative auf dem Markt – eine Boeing E-7 Wedgetail – kostet über 700 Millionen Dollar pro Stück. Boeing erhielt kürzlich Verträge für Prototypen zu 2,56 Milliarden Dollar (ca. 1,28 Mrd. je Einheit), mit Gesamtkosten bis fünf Milliarden.