Darum gehts
Fertig Waffenruhe. Nach Tagen der Hoffnung griffen die USA und Israel den Iran erneut an. Teheran wiederum schoss zurück und nahm die US-Basen in den Golfstaaten ins Visier. Der Krieg, der seit dem 28. Januar die Region erschüttert, ist in voller Härte zurück.
Mehr noch: Plötzlich wird auch das friedliche Oman zur Zielscheibe. US-Präsident Donald Trump (79) droht, das Sultanat «in die Luft zu jagen», falls es mit dem Iran kooperieren sollte. Damit schwinden die Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Konflikts. Denn Oman war bisher der wichtigste Vermittler zwischen den verfeindeten Fronten. Jetzt bleibt nur noch eine kleine Chance, um den grossen Flächenbrand zu verhindern.
Trump hatte am vergangenen Wochenende für weltweites Aufatmen gesorgt, als er eine schnelle Einigung mit dem Iran ankündigte. Doch offenbar war das, wie so vieles bei den Nahost-Verhandlungen, ein Missverständnis. Kurz darauf ruderte er zurück und erklärte, dass beide Seiten noch etwas Zeit benötigten. Streitpunkte waren die Lockerung der Sanktionen und die Herausgabe von eingefrorenen iranischen Geldern.
Zähes iranisches Regime
Am Donnerstagmorgen griffen die Kriegsparteien wieder zu den Waffen. Die USA bombardierten Ziele im Süden Irans, angeblich zur «Selbstverteidigung». Attackiert wurden Raketenstellungen und Schnellboote nahe der wichtigen Hafenstadt Bandar Abbas.
Die Antwort aus Teheran erfolgte postwendend: Die Iraner nahmen einen US-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait und US-Einrichtungen im Irak unter Beschuss. Die Reaktion zeigt, dass der Iran auch nach den heftigen Angriffen seit Kriegsausbruch noch über erhebliche militärische Schlagkraft verfügt.
Trump droht Oman
Mit diesen Angriffen schwinden die Hoffnungen auf einen baldigen Deal. Umso mehr, als Trump den wichtigsten Vermittler Oman plötzlich scharf angreift und ihm droht. Er wolle sie «in die Luft jagen», falls sie sich nicht «verhalten wie alle anderen», sagte Trump bei einer Kabinettssitzung am Mittwoch.
Hintergrund: Offenbar führt Oman mit dem Iran Gespräche über eine gemeinsame Mautgebühr in der Strasse von Hormus. Oman besitzt mit der Halbinsel Musandam eine Exklave an der Südseite der Meeresenge.
Ist Trumps Kritik am Sultanat berechtigt? Aus seiner Warte des «maximalen Drucks» natürlich schon. Jeder, der abseits von Washington mit dem Iran verhandelt, leistet in seinen Augen den Mullahs Schützenhilfe. Doch der Oman betreibt keine Parteinahme, sondern schlicht Schadensbegrenzung. Das Land versucht nur, eine pragmatische Lösung für die Schifffahrt vor der eigenen Haustür zu finden.
Der Oman ist seit Jahren der Hauptvermittler zwischen den Fronten. Das Sultanat mit fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und einer Fläche so gross wie Finnland ist eines der weltweit sichersten Länder. Gerade deswegen und wegen seiner Geschichte und unberührten Natur ist das Land auch bei Schweizern und Schweizerinnen eine boomende Feriendestination.
Der Druck auf Trump steigt
Mit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe steckt Trumps viel beschworener Friedensplan in einer Sackgasse. Offenbar braucht es noch höhere Benzinpreise und noch höhere Kriegskosten, bis die Kriegsparteien einen gemeinsamen Nenner finden. Die Frage ist: Gibt Trump doch nach? Oder bleibt er stur und gefährdet so den Sieg der Republikaner bei den Zwischenwahlen am 3. November? Genau diese Angst vor dem Denkzettel an der Zapfsäule ist Trumps grösster innenpolitischer Bremsklotz – und die letzte Chance auf Frieden.
Da der Weg über den Oman blockiert ist, ruht die Hoffnung nun auf dem zweiten Vermittler: Pakistan. Die wohl beste Lösung, die Islamabad jetzt einbringen und beiden Seiten schmackhaft machen kann, ist die Internationalisierung der Strasse von Hormus. Eine neutrale Überwachungsmission blockfreier Staaten würde die Ölroute sichern, ohne dass Trump das Gesicht verliert oder der Iran seine Sicherheitsgarantien einbüsst.
Teheran steht wirtschaftlich am Abgrund, Trump politisch unter Druck. Die Angst vor dem globalen Wirtschaftskollaps könnte beide Seiten letztlich doch noch zu dem Kompromiss zwingen, den die Waffen allein nicht herbeizuführen vermögen.