Darum gehts
- USA wollen Friedensabkommen mit 60-tägigem Waffenstillstand unterzeichnen
- Israel kritisiert Deal, Netanjahu wütend über mögliche Kriegsbeendigung im Libanon
- Iran könnte täglich 300 Millionen USD durch Ölhandel einnehmen
Neue Woche, neues Glück: In wenigen Tagen sollen der Iran und die USA ein temporäres Friedensabkommen unterzeichnen. Israel und die arabischen Staaten seien informiert, schreibt US-Präsident Donald Trump (79) auf Truth Social. Jetzt könnte es schnell gehen.
Iranische Quellen wie die regierungsnahe Denkfabrik Masaf Institute sind vorsichtiger und erinnern daran, dass man sich auch am 28. Februar mitten in Friedensverhandlungen mit den Amerikanern befunden habe, als diese aus heiterem Himmel Teheran attackierten. Klar ist: Wenn der neue Deal tatsächlich kommt, hat er einen ganz grossen Verlierer.
Was steht drin: Laut dem gut informierten israelischen Axios-Journalisten Barack Ravid (46) legt die Erklärung fest, dass der Waffenstillstand zwischen allen kriegsbeteiligten Ländern (also auch zwischen Israel und dem Libanon) um 60 Tage verlängert wird. Die Strasse von Hormus wird geöffnet. Schiffe dürften die Meeresenge ohne Zollgebühren passieren. Im Gegenzug erlauben die USA dem Iran, sein Öl zu verkaufen.
Israel-Freunde warnen vor «desaströsem Fehler»
Was steht nicht drin: Die Absichtserklärung enthält offenbar eine Zusage der Iraner, dass man keine Atombombe bauen wolle (Reality-Check: Der Iran hat noch nie offiziell behauptet, eine Bombe bauen zu wollen. Die Zusage ist also faktisch wertlos.). Die konkrete Beendigung des iranischen Atomprogramms oder die Herausgabe der mehr als 440 Kilogramm an angereichertem Uran, die der Iran besitzt, sind nicht Teil des neuen Deals. Er hält lediglich fest, dass die beiden Kriegsparteien darüber «weiterverhandeln» wollen.
Die Minen-Falle: Gute Absichten alleine reichen nicht, um die Strasse von Hormus zu öffnen. Erst im April hatte die New York Times berichtet, dass der Iran gar nicht mehr wisse, wo er seine Seeminen überall ausgelegt habe. Sprich: Es dürfte den Mullahs nicht gelingen, in vernünftiger Frist alle Minen einzusammeln und damit die sichere Durchfahrt gewährleisten zu können. Die Hormus-Passage bleibt ein riesiges Risiko, das kaum eine Versicherung oder Reederei auf sich nehmen wird. Auch wenn die politischen Hürden fallen: Die Strasse von Hormus bliebe weiter blockiert.
Der grosse Verlierer: Israel. Laut Axios soll der israelische Premier Benjamin Netanjahu (76) geglüht haben vor Wut, nachdem Trump ihn über den neuen Plan informiert hatte. Netanjahu will, dass die US-Angriffe auf Teheran weitergehen und die militärischen Kapazitäten des Iran – laut der New York Times haben die Mullahs noch immer 70 Prozent ihrer Raketen – weiter dezimiert werden.
Israel müsste zudem seinen Krieg gegen die Hisbollah im Libanon beenden. 3094 Menschen hat Israels Armee laut der BBC seit Kriegsbeginn im Libanon getötet – ohne die Hisbollah besiegt zu haben. Der Deal wäre für Israel ein «Albtraum», schreibt etwa US-Senator und Trump-Vertrauter Lindsey Graham (70) auf X. Der texanische Senator und Ex-Präsidentschaftskandidat Ted Cruz (55) bezeichnet den aufgegleisten Deal als «desaströsen Fehler», weil er die vom Regime ausgehende Gefahr nicht beseitigt.
Zurück zum schäumenden Netanjahu: Eine Mehrheit der Israelis scheint genug zu haben von «Bibis» Kriegskurs. Das Parlament hat vergangenen Mittwoch ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Neuwahlen schon in diesem Sommer wahrscheinlich macht. Netanjahu wird sie laut Umfragen verlieren.
Trump verpasst Hochzeit seines Sohnes wegen Iran-Deal
Die Gewinner: Einerseits das iranische Regime. Unter dem neuen Deal können die Mullahs wieder Milliarden verdienen mit dem Öl-Verkauf (täglich spült das schwarze Gold bis zu 300 Millionen Dollar in ihre Taschen), ohne ihr Atomprogramm beenden oder ihr Uran herausrücken zu müssen.
Auch Trump gehörte zu den Gewinnern – mindestens vorläufig. Er kann den Deal als Erfolg verkaufen und darauf hoffen, dass die Ölpreise fällt trotz der anhaltenden Risiken in Hormus (wir erinnern uns: die verloren gegangenen Seeminen).
Wie gehts weiter: Die Verhandlungen über eine definitive Beendigung des Krieges dauern auf jeden Fall an. Zur Erinnerung: Barack Obamas (64) Team verhandelte vor dem Durchbruch 2015 volle 20 Monate lang mit dem iranischen Regime, bis die beiden Seiten den Deal mit dem sperrigen Titel «Joint Comprehensive Plan of Action» (JCPOA) unterzeichnet hatten. Die Aussicht auf einen raschen, definitiven Durchbruch im Nahen Osten bleiben klein.
Und übrigens: Trump hat wegen der jüngsten Iran-Talks (er musste den ganzen Samstag über mit arabischen und israelischen Staatschefs telefonieren) die zweite Hochzeit seines Sohnes Donald Trump Junior (48) verpasst. Böse Zungen witzeln, er habe seinem Erstgeborenen versprochen: «Bei der nächsten Hochzeit bin ich wieder dabei!»