Zwischen Trump und Netanyahu fliegen die Fetzen – wegen der Mullahs
Mit diesem Manöver sprengt der Iran die mächtigste Männerfreundschaft der Welt

Trump und Netanyahu liegen sich in den Haaren. Eine Entscheidung des iranischen Regimes könnte dazu führen, dass zwischen den beiden ehemaligen Freunden ein Graben aufreisst. Was dann? Eine Analyse.
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Schmiedeten gemeinsam Pläne für den Nahen Osten: Donald Trump und Benjamin Netanyahu 2025 in Washington.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trump und Netanyahu streiten über Irankrieg
  • Trump möchte den Krieg schnell beenden, Israel will weitermachen
  • Der Streit könnte zu einem historischen Tief führen
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Guido FelderAusland-Redaktor

War es das mit der Männerfreundschaft? Zwischen Donald Trump (79) und Benjamin «Bibi» Netanyahu (76) ist es am Dienstag zu einem heftigen Streit gekommen. Laut US-Medien war der israelische Ministerpräsident «völlig ausser sich vor Wut». Der Grund: unterschiedliche Vorstellungen über das Ende des Irankriegs.

Trump will die Kampfhandlungen so schnell wie möglich beenden. Die Militäreinsätze kosten Unmengen an Geld und Munition, während die blockierte Strasse von Hormus die globalen Energiepreise in die Höhe treibt. Netanyahu hingegen beharrt auf einer Fortführung des Krieges bis zum endgültigen Sturz des Regimes in Teheran. Paradoxerweise haben es nun ausgerechnet die Mullahs in der Hand, über die Zukunft der amerikanisch-israelischen Männerfreundschaft zu entscheiden!

Trump und Netanyahu waren jahrelang ein Herz und eine Seele. In seiner ersten Amtszeit verlegte Trump die US-Botschaft nach Jerusalem und erkannte die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet an. In seiner aktuellen Amtszeit schmiedeten die beiden bereits Pläne für den Gazastreifen und bliesen am 28. Februar zum gemeinsamen Kriegseinsatz gegen den Iran.

Nach Trumps zweiter Amtseinführung Anfang 2025 schmeichelte Netanyahu noch: «Sie sind der beste Freund, den Israel im Weissen Haus je hatte.»

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Netanyahu zu Trump 2025: «Sie sind der beste Freund, den Israel im Weissen Haus je hatte.»
Foto: IMAGO/ANI News

Es flogen die Fetzen

Tempi passati. Zurzeit jedenfalls fliegen laut Berichten von «Axios» und dem «Wall Street Journal» die Fetzen. Bei dem Telefonat am Dienstag gerieten die beiden wegen eines potenziellen Abkommens mit dem Iran aneinander. Netanyahu warnte davor, dass auf die Mullahs in Teheran kein Verlass sei und sie sich niemals an einen Deal zum Atomstopp oder an einen Verzicht auf Regionalangriffe halten würden.

Trump zeigte sich unbeeindruckt und stellte klar, dass er das Abkommen trotzdem durchziehen wolle. Dies habe Netanyahu derart in Rage versetzt, dass ihm laut den US-Medien «die Haare zu Berge gestanden» seien.

Wo bleibt «America First»?

Mit ihrer kompromisslosen Politik läuft die israelische Regierung zunehmend Gefahr, in den USA ins Abseits zu geraten. Das renommierte Umfrageinstitut Gallup meldete schon im Februar, dass sich die Stimmung in den USA zum ersten Mal seit Beginn der Dauerbefragung im Jahr 2001 gedreht habe. Mittlerweile sympathisieren 41 Prozent der Amerikaner eher mit den Palästinensern und nur noch 36 Prozent mit den Israelis. Im Vorjahr lagen die Werte noch bei 46 Prozent für Israel und 33 Prozent für die Palästinenser.

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Sogar in Trumps innerstem Zirkel, der MAGA-Bewegung («Make America Great Again»), wächst der Widerstand. Zwar steht der evangelikale, traditionell pro-israelische Flügel nach wie vor zum Verbündeten. Doch die nationalistisch-isolationistische Strömung, die Auslandskriege rigoros ablehnt, gewinnt rasant an Boden. Diese Basis hat Trump gewählt, weil er versprach, keine endlosen Kriege mehr zu führen. Für sie gilt: «America First» – Geld und Leben für Konflikte in weiter Ferne werden abgelehnt.

Sogar einstige Medienstars der Bewegung gehen auf Distanz. Die beliebten Moderatoren Tucker Carlson (57) und Megyn Kelly (55) sowie die Verschwörungstheoretiker Alex Jones (52) und Candace Owens (37) kritisierten den Angriff auf den Iran scharf. Trump reagierte auf die Kritik gewohnt verächtlich: «Das sind keine MAGA-Anhänger, das sind Verlierer.»

Gespanntes Warten auf die Mullahs

Nun steht die Allianz zwischen den USA und Israel vor einer Zerreissprobe. Bleiben die Mullahs stur und lehnen Trumps Forderungen nach einem Atomstopp und der Öffnung der Strasse von Hormus ab, werden Washington und Jerusalem weiterhin gemeinsam die Waffen sprechen lassen.

Spannend wird es jedoch, wenn der Iran auf Trumps Deal eingeht. Dann wird der US-Präsident den Krieg umgehend für beendet erklären – sehr zum Ärger von Netanyahu, der die Angriffe womöglich auf eigene Faust weiterführen würde. Es wäre der historische Tiefpunkt der bilateralen Beziehungen.

Verflechtungen auf vielen Ebenen

Ein Bruch zwischen den USA und Israel bleibt dennoch unwahrscheinlich. Zu eng sind die Beziehungen bei Geheimdiensten, Sicherheit und Wirtschaft. Israel bleibt für Washington der wichtigste Partner im Nahen Osten. Wahrscheinlicher ist eine Phase wachsender Spannungen und harter Interessenkonflikte.

Die grössere Gefahr liegt ohnehin woanders: in der amerikanischen Innenpolitik. Je stärker die Kriegsmüdigkeit wächst und je mehr Einfluss der isolationistische Flügel der Republikaner gewinnt, desto brüchiger könnte die bisher bedingungslose Unterstützung Israels werden.

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