Darum gehts
- China steht wegen möglicher Waffenlieferungen an Iran im Nahost-Konflikt unter Druck
- US-Kampfjet F-15E im April durch chinesische Rakete im Iran abgeschossen
- China weist Vorwürfe zurück, USA vermuten Einsatz eines YLC-8B-Radarsystems
Auf welcher Seite steht eigentlich China? Angesichts des Kriegs im Nahen Osten drängt sich diese Frage mehr denn je auf. Ein Blick auf die jüngsten Staatsbesuche in Peking macht die Ambivalenz deutlich: Zunächst empfing Chinas Staatspräsident Donald Trump (79), wenig später folgte Russlands Präsident Wladimir Putin (73). Der engste Verbündete des Iran und dessen erbitterter Gegner gaben sich innerhalb weniger Tage im Reich der Mitte die Klinke in die Hand.
Beide Treffen liessen jedoch keine weiteren Schlüsse zu. China verhält sich weiterhin bedeckt. Nun könnte jedoch ein brisanter Bericht Xi Jinping (72) in Erklärungsnot bringen. Wie NBC-News berichtet, wurde der im April über dem Südwesten Irans abgeschossene US-Kampfjet vom Typ F-15E Strike Eagle vermutlich von einer schultergestützten Flugabwehrrakete chinesischer Bauart getroffen.
Zum Abschuss wird immer noch ermittelt
Der Vorfall sorgte damals für Aufsehen: Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ein US-Kampfjet durch feindlichen Beschuss verloren ging. Die zweiköpfige Besatzung konnte sich zwar mit dem Schleudersitz retten, doch die Bergungsaktion entwickelte sich zu einem riskanten Rettungseinsatz. Während der Pilot innerhalb weniger Stunden gefunden wurde, musste der Waffensystemoffizier zwei Tage lang in den Ausläufern des Zagros-Gebirges ausharren, bevor er gerettet werden konnte.
Laut NBC-News prüfen US-Ermittler weiterhin die genauen Umstände des Abschusses. Mehrere mit dem Fall vertraute Personen gehen jedoch davon aus, dass eine sogenannte Manpads-Rakete – ein tragbares Flugabwehrsystem – den Jet traf.
Können die USA auf China zählen?
Brisant ist auch ein weiterer Bericht: Demnach könnte China Iran zu Beginn des Konflikts zusätzlich ein modernes Frühwarnradar vom Typ YLC-8B zur Verfügung gestellt haben. Das System soll in der Lage sein, selbst Tarnkappenflugzeuge aufzuspüren.
Die Vorwürfe belasten die Beziehungen zwischen Washington und Peking. US-Präsident Trump hatte zuletzt auf Chinas Einfluss gesetzt, um eine weitere Eskalation im Nahen Osten zu verhindern. Gleichzeitig betonte Aussenminister Marco Rubio (55) gegenüber NBC-News, die USA seien nicht auf chinesische Hilfe angewiesen.
China spricht von «haltlosen Verleumdungen»
China weist sämtliche Anschuldigungen zurück. Die chinesische Botschaft erklärte, Peking halte sich strikt an nationale Exportgesetze und internationale Verpflichtungen. Man lehne «haltlose Verleumdungen» entschieden ab.
Experten sehen dennoch eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen China und Iran. Bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren lieferte Peking Raketen, Panzer und andere Waffensysteme an Teheran. Heute steht vor allem der Transfer von Technologie und sogenannter Dual-Use-Güter im Fokus.