Putins Plan in Peking
Mit diesen Deals hilft Xi dem Kriegskumpanen aus der Patsche – im allerletzten Moment

Für den russischen Präsidenten wirds zu Hause zusehends ungemütlich. Um den wirtschaftlichen Zerfall seines Reichs zu stoppen, reist er zu Xi Jinping. Nebst einem Pipeline-Deal und Drohnenteilchen will der Kreml-Chef noch etwas ganz anderes.
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Putin ist in China ein willkommener Gast – solange er günstig liefert und lange weiterkämpft.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Und schon kommt der Nächste angekrochen: Wenige Tage nach Donald Trumps (79) Abreise aus Peking klopft Wladimir Putin (73) an die Tore des Reichs der Mitte. Anders als für den US-Präsidenten lässt Chinas Staatslenker Xi Jinping (72) für Putin keine Kinder jubeln und keine Teppiche ausrollen.

Auf solchen zeremoniellen Pomp kann der «gute Freund» aus Moskau – man hat sich über all die Jahre mehr als 40-mal getroffen – verzichten. Statt symbolischem Prunk braucht der Kremlchef dringend handfeste Deals mit den Chinesen. Ohne Xis Hilfe kann Putin das massive Problem nicht lösen, vor dem er jetzt plötzlich steht.

Die russische Wirtschaft läuft nicht mehr rund. 2024 noch verzeichnete das Riesenreich ein Wachstum von knapp 5 Prozent. 2026 ist Russlands Wirtschaft bislang um fast 2 Prozent geschrumpft. Grund dafür: die einbrechenden Öl- und Gasverkäufe.

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Xi Jinping und Wladimir Putin haben sich schon mehr als 40-mal getroffen.
Foto: Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin via AP

Der Rubel muss bald wieder rollen, wenn Putin seinen Angriffskrieg (laut Kiew monatlich mehr als 35'000 tote oder verwundete Russen) weitertreiben will. Soldaten machen nur mit, wenn sie mit einer vergleichsweise fürstlichen Entlöhnung rechnen können. Die Hinterbliebenen geben nur Ruhe, wenn hohe Entschädigungssummen ausbezahlt werden. Also hofft Putin darauf, dass die Chinesen die wegfallenden Energiekunden im Westen schleunigst wettmachen.

Was erzählt Xi Putin über Trump?

Geschehen soll das mit der neuen Pipeline «Siberia Power 2», einem 2200 Kilometer langen Rohr, das jährlich 50 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Mongolei nach China leiten könnte. Das Projekt lag lange auf Eis. Doch angesichts der unsicheren Lage im Iran (die Chinesen kauften in den letzten Jahren rund 90 Prozent des iranischen Öls) und des amerikanischen Coups in Venezuela fallen Xi und seinem Staat die verlässlichen Schwarzgold-Lieferanten weg.

Zum Glück ist «Chinas Tankstelle» gleich nebenan – und macht aufgrund der zusehends verzweifelten Lage sicher gerne einen guten Preis. Schliesslich hat Peking Moskau im vergangenen Jahr gleich zweimal deutlich gemacht, wer in dieser ungleichen Partnerschaft die Oberhand hat. Im Oktober stoppten mehrere chinesische Firmen den Einkauf von russischem Öl wegen der neuen US-Sanktionen. Im Januar drehte China den russischen Gashahn wegen zu hoher Preise komplett zu.

Doch Putin will nicht nur liefern, er will auch shoppen. Ersatzteile für die russische Aviatik, Komponenten für seine Drohnen (92 Prozent der ausländischen Teilchen in russischen Drohnen kommen aus China), Radargeräte: all die nützlichen Dinge, die er nirgendwo sonst mehr bekommt.

Letztlich geht es Putin, der wegen der massiven ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau zu Hause plötzlich in Bedrängnis gerät, auch um die Optik. Nach der Supermacht USA kommt jetzt die Supermacht Russland zur Supermacht China – möchte Putin demonstrieren. Natürlich ist sein Land (die Volkswirtschaft kleiner als Italien, die Armee am Anschlag) keine Supermacht mehr. Aber «fake it till you make it», wie man drüben in der einzigen westlichen Supermacht USA zu sagen pflegt.

Russlands Angst vor Chinas Angriff

Dass Putin Xi am Mittwoch in Peking die Aufwartung macht, sorgt zu Hause nicht nur für Begeisterung. Der Argwohn der Russen über den wachsenden chinesischen Einfluss etwa im Fernen Osten Russlands ist gross. Tausende chinesische Bauern übernehmen da Ländereien in den entvölkerten Zonen. Chinesische Firmen eröffnen Produktionsstätten, in den Supermärkten in Wladiwostok schreibt man die Produkte inzwischen auch in Mandarin an. Seit einem knappen Jahr können Chinesinnen und Chinesen zudem visafrei nach Russland einreisen.

Das alles erhöht die russische Angst vor einem chinesischen Überfall auf die Ostprovinzen, nicht unähnlich der russischen Einverleibung der Krim. Die «Financial Times» berichtete mit Verweis auf interne russische Dokumente schon vor zwei Jahren über Russlands heimliche Vorbereitungen auf einen chinesischen Angriff.

Vorerst aber ist China am besten bedient, wenn es Putin im Nachbarland gewähren lässt – und ihn dabei sogar noch ein bisschen mit Energiekäufen, Satellitendaten und offenbar sogar Ausbildungsplätzen für seine Soldaten unterstützt. Mindestens 200 Russen sollen 2025 von den Chinesen als Drohnenjäger geschult worden sein. Je länger der Krieg in der Ukraine dauert, umso besser für China. Deshalb hilft Xi Putin gerne aus der Patsche.

Dank Putin liegt der internationale Fokus auf Osteuropa (und gelegentlich dem Nahen Osten). Um Chinas Ambitionen und Angelegenheiten – Stichwort Taiwan – kümmert sich derweil kaum jemand.

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