Der US-Präsident zu Besuch in China
Verkauft Trump Taiwan für sein Ego an Peking?

Drei Tage lang verhandeln Trump und Xi in Peking miteinander. Neben Wirtschaftsdeals wird es dabei auch um Taiwan gehen. China hat dabei mehrere Druckmittel in der Hinterhand, um die USA zu einem historischen Bruch mit dem Inselstaat zu zwingen.
Kommentieren
Xi Jinping weiss, dass er diesmal gleich mehrere Druckmittel in der Hand hat, um seinen Gast aus den USA zu Zugeständnissen zu bewegen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
RMS_Portrait_AUTOR_823.JPG
Samuel SchumacherAusland-Reporter

Sagt er's, oder sagt er's nicht? Das ist die grosse Frage vor dem Treffen der beiden mächtigsten Männer der Welt. Ab Mittwoch plaudern und dealen Donald Trump (79) und Xi Jinping (72) drei Tage lang miteinander in der chinesischen Hauptstadt. Im Zentrum stehen Wirtschaftsdeals. Doch Peking rollt den roten Teppich nicht aus, ohne an dessen Ende eine geopolitische Falle zu stellen.

Das Ziel der Chinesen ist es, Trump ein Statement zu Taiwan zu entlocken, mit dem man den abtrünnigen Inselnachbarn in die Knie zwingen könnte. «Ich unterstütze die friedliche Wiedervereinigung» würde reichen – und das Taiwan-Chaos wäre perfekt. Anders als bei Trumps letzter China-Reise 2017 hat Xi diesmal gleich mehrere Instrumente zur Hand, um Trump aufs Glatteis zu locken. Mindestens einem davon wird der US-Präsident kaum widerstehen können. 

Die Ausgangslage: China erachtet Taiwan mit seiner Hauptstadt Taipeh als sein Territorium und provoziert den Inselstaat regelmässig mit Militärübungen. Taipeh wird von einer Pro-Unabhängigkeitsregierung verwaltet, die die Insel als eigenständiges Land sieht. Die USA (genau wie die Schweiz) anerkennen Taiwan nicht als unabhängigen Staat, sind aber gegen eine militärische Aggression Chinas.

1/11
Am Mittwoch gehts los: Nach 2017 reist Donald Trump ein zweites Mal als US-Präsident nach Peking.
Foto: AP

Amerika beliefert die Insel deshalb seit Jahrzehnten mit Waffen. Vor dem Trump-Besuch in Peking aber prophezeit etwa Wu Yongping, Taiwan-Experte an der Pekinger Tsinghua-Universität, gegenüber der «South China Morning Post»: «Die USA haben wenig Grund, sich von der Taiwan-Frage ihre grösseren strategischen Interessen versperren zu lassen.» Sprich: Trump wäre bereit, Taiwan zu opfern, wenn der Gewinn daraus nur gross genug ist.

Das weiss auch Xi. Folgende Druckmittel hat er gegen Trump in der Hand:

1

Seltene Erden

Die USA brauchen die Metalle dringend für ihre Hightech-Industrie. Vom weltweiten Vorkommen der seltenen Erden kontrolliert China rund 70 Prozent und verarbeitet gar mehr als 90 Prozent. Als Gegenreaktion auf die US-Strafzölle schränkte Peking 2025 kurzzeitig den Export der Materialien in die USA ein und zeigte, wie stark die USA vom chinesischen Goodwill abhängig sind.

2

Die Iran-Frage

Er hat ihn selber angefangen – aber er kommt von allein nicht mehr raus: Trumps Iran-Krieg sorgt in den USA für absurd hohe Benzinpreise, während Trumps Zustimmungswerte in den Keller sinken. China hätte es in der Hand, die Mullahs zur Unterzeichnung eines Friedensvertrags zu zwingen. Peking kauft rund 90 Prozent des iranischen Öls, beliefert Teheran mit seiner GPS-Alternative BeiDou-3 und blockiert Anti-Iran-Sanktionen im Uno-Sicherheitsrat. Was, wenn Xi Trump sagt: «Ich setze die Mullahs Schachmatt, wenn du diesen einen Taiwan-Satz sagst.»

3

Nancy Pelosi (86)

Das demokratische Urgestein ist einer der Lieblingsfeinde von Trump. Als Sprecherin des Repräsentantenhauses hatte sich Pelosi 2022 nach Taipeh gewagt und damit China massiv provoziert. Xi braucht Trump nur geschickt unter die Nase zu reiben, wie sehr sich Pelosi gegen Peking und für Taipeh eingesetzt hat – und Trump dürfte der Versuchung kaum widerstehen können, seiner alten Gegenspielerin diplomatisch in die Beine zu grätschen. Denn Ego spielt bei den Entscheidungen des US-Präsidenten immer eine gewaltige Rolle. 

4

Sojabohnen und Boeing-Flieger

Die US-Wirtschaft braucht dringend Good News. Die Chinesen könnten Trump in Aussicht stellen, mehr Sojabohnen und mehr Boeing-Flieger zu kaufen, und damit sowohl der US-Landwirtschaft als auch der Aviatik-Branche aus der Patsche helfen.

KI-Ära steht auf dem Spiel

Xi wird seinem Gast grandiosen Pomp bieten. Er weiss um Trumps dringenden Bedarf an Deals, die er zu Hause als politische Siege verkaufen kann. Wie willens Trump ist, seinem Gastgeber dafür entgegenzukommen, zeigt das Thema Waffenlieferungen an Taiwan.

Bereits im Februar sprachen die beiden Staatslenker am Telefon über neue US-Waffenlieferungen an Taipeh. Erst im Dezember unterzeichneten die USA und Taiwan einen neuen Waffenvertrag über 11 Milliarden Dollar. Ein weiterer, über 14 Milliarden, ist druckreif. Peking mag das gar nicht. Und offenbar steht das Thema jetzt ebenfalls auf dem Gesprächsmenü des Trump-Besuchs.

Tappt Trump in die Falle, wäre das ein Schock für die Welt. Für US-Verbündete wie Südkorea oder Japan würde die Unsicherheit zunehmen. Die Weltwirtschaft käme ins Schlittern. Taiwans Semiconductor Manufacturing Company Limited (kurz TSMC), der weltweit grösste Halbleiterhersteller, der unter anderem die allermeisten Chips für den KI-Giganten Nvidia produziert, steht in Taiwan.

Fällt die US-Abschreckung weg, könnte sich Peking ermutigt fühlen, seine Wiedervereinigungsgelüste militärisch anzupacken. Der Produktionsstandort Taiwan und mit ihm die für die KI-Ära überlebenswichtige Firma TSMC wären gefährdet. Trumps Worte im Fernen Osten haben Gewicht – noch deutlich mehr als üblich. Es bleibt zu hoffen, dass der grosse Polterer für einmal auch auf die feinen Zwischentöne achtet.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Meistgelesen