Xi will nicht spielen
Wie man Trump an der Nase herumführt

Der dreitägige Staatsbesuch des Präsidenten in Peking hat aus US-Sicht wenig gebracht. Xi Jinping hingegen konnte beweisen, dass er den Kollegen im Weissen Haus voll im Griff hat. Und der spielte das Spiel auch noch unwissend mit.
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Die beiden Supermächte USA und China trinken friedfertig Tee. Das ist immerhin ein Start.
Foto: imago/Xinhua

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Wenn die beiden mächtigsten (und derzeit einzigen) Supermächte der Welt friedlich miteinander Tee trinken, ist das grundsätzlich beruhigend. Insofern können alle Unbeteiligten den Besuch des US-Präsidenten im Reich der Mitte als Erfolg verbuchen. Ganz anders sieht die Bilanz für die USA aus, deren Staatsoberhaupt vor dem China-Trip vollmundig versprochen hatte, die Welt damit in eine neue Ära zu katapultieren.

Doch daraus wird wohl nichts. Donald Trump (79) kam atypisch handzahm angekrochen, Xi Jinping (73) dominierte den mächtigen Gast von A bis Z.

Vor ziemlich genau einem Jahr, als die USA kurzfristig heftige Handelszölle gegen die Chinesen erhoben hatten und die Chinesen mit einem Exportstopp ihrer seltenen Erden reagierten, erkannte Peking, wie mühelos man den kauzigen Commander-in-Chief aus der Deckung locken kann. Die US-Hightech-Branche sass im Nu auf dem Trockenen. Trump krebste zurück. Und Xi lachte sich ins mächtige Fäustchen.

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Donald Trump hat auf seinem Besuch bei Xi Jinping nicht erreicht, was er sich erhofft hatte.
Foto: IMAGO/APAimages

Ganz ähnlich dürfte der Chef-Kommunist auch die dreitägige Trump-Visite genossen haben. Der Amerikaner konnte seine aufrichtige Bewunderung für den Gastgeber schlecht verbergen. Ein «grossartiger Mann» sei Xi, ein «enger Freund», ein «starker Führer, der 1,4 Milliarden Menschen mit eiserner Faust» unter Kontrolle habe. Hat Trump je einen anderen Menschen mit so viel Lob überhäuft?

Für Xi trinkt Trump sogar

Xi erwiderte die unterwürfigen Gesten seines blonden Buddys aus Übersee mit diplomatischem Lächeln. Dass der strikte Nichttrinker Trump beim Staatsbankett mutmasslich sogar einen Schluck Champagner auf die Freundschaft mit Xi kippte, ist vielleicht das ultimative Zeichen der tiefen Verbundenheit, die er mit dem Chinesen fühlt.

Dabei kam ihm Xi bei den drängendsten Themen keinen Millimeter entgegen. Ziehen wir Bilanz:

1

Iran

Xi und Trump demonstrierten in ihren Statements zwar Einigkeit darüber, dass die Strasse von Hormus geöffnet werden sollten und Teheran keine Atombomben haben sollte. Von chinesischem Druck auf die Mullahs aber, den sich die Amerikaner vom Treffen in Peking erhofft hatten, war in den offiziellen Dokumenten keine Spur.

China kauft rund 90 Prozent des iranischen Öls. Xi hätte es also in der Hand, Teheran – auch im Interesse der Amerikaner – zu Eingeständnissen zu zwingen. Stattdessen gleisten die Chinesen wenige Tage vor dem Trump-Gipfel einen bilateralen Deal mit den Mullahs auf: Gleich mehrere chinesische Tanker passierten Hormus diese Woche. Ein geopolitisches Powerplay. Die Amis müssen ihren Iran-Schlamassel ohne chinesische Schützenhilfe ausbaden.

2

Taiwan

Immerhin: In diese Falle ist Trump nicht getappt. Er liess sich zu keiner Aussage provozieren, die den US-Support für den Inselstaat infrage gestellt hätte – etwa, indem er den Streit als «innerchinesisches Problem» dargestellt oder die «friedliche Wiedervereinigung begrüsst» hätte. Xi aber machte gleich zu Beginn des Gipfels glasklar, dass die Taiwan-Frage wie ein Damoklesschwert über den chinesisch-amerikanischen Beziehungen hänge: Ein falsches Wort könne zu einer «extrem gefährlichen Situation» führen, zum «Clash oder gar Konflikt».

Dass Trump laut eigenen Angaben «intensiv» mit Xi über ein mögliches 14-Milliarden-Dollar-Waffenpaket für Taipeh gesprochen hat, ist ein klarer Verstoss gegen Washingtons 1982 gemachtes Versprechen an Taiwan, den grossen Nachbarn nie zu Verteidigungsdeals zu konsultieren.

3

Wirtschaft

200 Boeing-Jets, wenn nicht mehr, wollen die Chinesen laut Trump kaufen (China hat das nicht offiziell bestätigt). Darüber hinaus ist über die «fantastischen Handelsdeals» wenig bekannt, die Trump mit seiner Rekord-Delegation amerikanischer CEOs in China gemacht haben will. Apple-Chef Tim Cook (65), SpaceX-Chef Elon Musk (54), Nvidia-Boss Jensen Huang (63): Sie alle seien dabei gewesen, um Xi «Respekt zu zollen», sagte Trump. Die CEOs: sagten nichts und lächelten brav.

Ihre Präsenz unterstreicht, dass die USA ihre wirtschaftlichen Ambitionen nicht mehr ohne das Reich der Mitte als Kunde und Produzent erreichen können. Dass die KI-Supermacht China als Resultat des Gipfels neu auch Nvidias Topchips einkaufen darf – der H200 ist der Rolls-Royce der Halbleiter: ein weiterer Gewinn für Peking und ein ziemliches Wagnis für die Amerikaner, die den Chinesen damit ein extrem potentes Mittel in die Hand geben.

Ist Xis Geschenk wirklich eines?

Kurz und knapp: Von wirklichen Durchbrüchen aus amerikanischer Sicht kann keine Rede sein. Der Gipfel hat wenig bis nichts gebracht. Trumps Trip war – um es mit einer US-Beschreibung auszudrücken – «a far cry», also weit entfernt, von den strategisch durchdachten China-Reisen früherer US-Präsidenten. Bestes Beispiel: Richard Nixons Reise zu Mao Zedong 1972, als der fanatische Antikommunist China aus der Isolation holte, einen Keil zwischen Mao und die Sowjets trieb und Letztere damit massiv schwächte.

Die Welt ist nach diesem Gipfel keine andere. Trump glaubt noch immer, in Fernost einen «guten Freund» zu haben. China ist sicherer denn je, dass es in Washington einen mühelos manipulierbaren Partner hat. Boeing darf Flugzeuge bauen, Nvidia Chips verkaufen und die Gärtner im Weissen Haus dürfen die Rosensamen aussäen, die Xi seinem Besucher zum Abschluss mit auf den Weg gab.

Ob das chinesische Geschenk für Trump in Amerika blühen wird, bleibt ungewiss. Den historischen «Rose Garden» des Weissen Hauses liess Trump 2025 kurzerhand zupflastern. Wenigstens hier können Chinas Dornen nicht reifen.

Musk stiehlt Trump mit Grimassen die Show
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Bei Staatsbesuch in China:Musk stiehlt Trump mit Grimassen die Show
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