Darum gehts
- Heftige Unwetter beschädigten am Freitag viele Häuser und Fahrzeuge in Winterthur
- Zwei Franzosen verlangten 66'000 Franken für Dacharbeiten, wurden verhaftet
- Hagelkörner so gross wie Tennisbälle verursachten Schäden in Millionenhöhe
Kurz nach 10 Uhr zogen am vergangenen Freitag heftige Unwetter über weite Teile der Schweiz. Vor allem im Raum Winterthur ZH sind die Schäden enorm. Kinder wurden in der 10-Uhr-Pause verletzt, Hunderte Autos verhagelt, Occasionshändler haben ihre Fahrzeuge verloren. Fenster, Dächer und Fassaden wurden von den tennisballgrossen Hagelkörnern zerstört.
Viele Geschädigte kümmern sich auch Tage später noch um die Schäden. Sie müssen teils lange warten, bis die Schäden repariert werden. Genau das nutzen jetzt dubiose Handwerker aus. Etwa im vom Hagel arg getroffenen Seuzach ZH. Dort hat die Kantonspolizei Zürich am Montag zwei Männer verhaftet, die einem betagten Mann Dachdeckerarbeiten zu einem mutmasslich überhöhten Preis angeboten haben.
Die beiden 35- und 37-jährigen Franzosen haben dem Senior an der Haustüre angeboten, sein beschädigtes Dach umfangreich zu sanieren. Für die Arbeiten vereinbarten sie einen Preis von 66'000 Franken. Eine erste Anzahlung haben sie sofort einkassiert. Und dann umgehend losgelegt. Der Hauseigentümer wurde dann aber misstrauisch und rief die Polizei. Eine Patrouille traf die beiden Männer vor Ort an. Sie wurden nach den polizeilichen Befragungen der zuständigen Staatsanwaltschaft zugeführt und müssen sich unter anderem wegen des Verdachts auf Wucher verantworten.
Nie an der Haustüre unterschreiben!
Die fiesen Handwerker nutzen die Not von Geschädigten aus. Denn: «Die Schadenfälle sind immens», sagt Chantal Huser, Medienverantwortliche beim Branchenverband Gebäudehülle Schweiz, zu Blick. Spezialisten würden sich derzeit Schritt für Schritt durch die vielen Schadenfälle arbeiten. Aber: Die Kollegialität unter den Betrieben sei gross. «Aktuell helfen aus der ganzen Deutschschweiz Spezialisten in der Region Winterthur aus», weiss sie.
Wichtig sei, dass man zuerst dafür sorgt, dass Oblichter, Dachfenster und undichte Dachstellen vor Wasser geschützt werden. «Das erfolgt in der Regel mit dem vorübergehenden Montieren von Blachen, damit die Löcher geschlossen sind, wenn der nächste Regen kommt», so Huser. Über unseriöse Handwerker nervt man sich auch beim Verband – und mahnt zur Vorsicht. Das sind die wichtigsten Tipps:
- Niemals Haustürgeschäfte abschliessen: Seriöse Handwerker akquirieren keine Aufträge unangemeldet an der Haustüre.
- Nichts unter Zeitdruck unterschreiben: Bestehen Sie immer auf einer Bedenkzeit.
- Schriftliche Offerten verlangen: Fordern Sie einen detaillierten Kostenvoranschlag mit ausgewiesener Mehrwertsteuer und Firmenadresse.
- Firmen im Handelsregister prüfen: Nutzen Sie das Zentrale Firmenregister (Zefix), um zu prüfen, ob die Firma in der Schweiz legal existiert. Seriöse Betriebe im Bereich Gebäudehülle sind zudem oft im Branchenverband Gebäudehülle Schweiz organisiert.
- Keine Barzahlung vor Ort: Zahlen Sie Handwerkerrechnungen grundsätzlich per Einzahlungsschein oder Überweisung nach geprüfter Arbeit.
- Polizei rufen: Fühlen Sie sich bedrängt oder beobachten Sie verdächtige, unbeschriftete Fahrzeuge (oft mit ausländischen Kennzeichen) in Ihrem Quartier, wählen Sie sofort den Notruf 117.
Haussanierung für 120'000 Franken
Das Vorgehen der beiden Franzosen deckt sich mit ähnlichen Fällen, die sich derzeit häufen. Verschiedene Opfer dubioser Handwerker haben sich in den vergangenen Wochen bei Blick gemeldet. So etwa Andreas W.* (90), der in einem Einfamilienhaus in Oberwil BL lebt. Ein Handwerker schwatzt ihm an der Haustüre die Renovation der Fassade auf – für 39'000 Franken.
Der freundliche Mann spricht Deutsch mit französischem Akzent und behauptet, ein Baselbieter Unternehmen seines Vaters übernommen zu haben. Er legt sofort los mit den Arbeiten. Ein paar Tagen meint der Handwerker plötzlich, dass auch Dach, Fenster und weitere Holzteile saniert werden müssten. Für noch einmal 81'000 Franken. Der Senior unterschreibt. Erst später informiert er seine Söhne. Die stoppen die Arbeiten und rufen die Polizei.
Im Raum Winterthur fällt eine 86-Jährige auf einen betrügerischen Handwerker herein. Erst will er ihr nur den Weg zum Haus putzen, dann das halbe Gebäude sanieren. Die Seniorin überweist 20'000 Franken. Das Geld ist futsch. In Nürensdorf ZH bedrohen Handwerker einen 84-Jährigen. Sie haben dem Senior eine Reinigung des Vorplatzes aufgeschwatzt – für 10'000 Franken. Beim Geldeintreiben setzen sie massiven Druck auf. Die Kantonspolizei Zürich nimmt einen 34- und einen 53-jährigen Franzosen fest.