Darum gehts
- Über 120 Touristen wurden in Cesenatico (I) Opfer eines Ferienwohnungsbetrugs
- Angeboten wurde eine fiktive Ferienresidenz mit Preisen 50-60 Prozent unter Marktwert
- Bürgermeister organisierte Notunterkünfte, Ermittlungen der Carabinieri laufen
Touristen sind dankbare Opfer für Betrüger. Entspannt und gut gelaunt geniessen sie das Leben – und lassen sich eher an der Nase herumführen als im Alltag zu Hause. Sie werden im Restaurant abgezockt, wo sie neben überteuerten Speisen auch noch ein rekordhohes «Trinkgeld» auf der Rechnung haben, wie dies einer Influencerin in der italienischen Provinz Lucca passiert ist. Oder sie fallen auf Webseiten herein, auf denen falsche Tickets für Sehenswürdigkeiten verkauft werden.
Richtig dreist sind Betrüger vorgegangen, die derzeit in Italien für Schlagzeilen sorgen. Sie haben in Cesenatico (I) an der Adria eine Ferienwohnung vermietet, die es gar nicht gibt. Über 120 Feriengäste sind dem dreisten Onlinebetrug aufgesessen, wie der italienische TV-Sender Rai berichtet. Statt des gebuchten Apartments fanden sie an der angegebenen Adresse nur die Büros einer Versicherungsagentur vor.
60 Prozent unter normalen Preisen
Die Betrüger hatten im Internet eine angebliche Ferienresidenz mit dem Namen «Residence Andrea» beworben. Die Website wirkte professionell, die Fotos stammten von einer echten Unterkunft. Wer buchen wollte, musste allerdings bereits im Voraus bis zu 50 Prozent des Mietpreises überweisen. Und doch: Das vermeintliche Schnäppchen lockte viele an. Eine Ferienwoche kostete teilweise weniger als 750 Franken – rund 50 bis 60 Prozent unter dem üblichen Preis in der Hochsaison.
Als die Ferienhungrigen am Wochenende dann vor Ort eintrafen, fielen sie aus allen Wolken! Familien aus ganz Italien, Deutschland und weiteren Ländern standen ratlos vor einem Gebäude, in dem es nie eine Ferienresidenz gegeben hatte. Viele von ihnen hatten mehrere Hundert Euro verloren – und brachen in Tränen aus. Die Stadt Cesenatico reagierte sofort.
Ab auf den Campingplatz!
Bürgermeister Matteo Gozzoli (40) organisierte gemeinsam mit Hotels und Campingplätzen Notunterkünfte. Einige Betriebe stellten Zimmer oder Bungalows sogar kostenlos zur Verfügung. Zudem öffnete Cesenatico ein gemeindeeigenes Gebäude, in dem Betroffene Wasser, Toiletten und Duschen sowie einen klimatisierten Aufenthaltsraum nutzen konnten.
Wer hinter dem Betrug steckt, ist unklar. Die Carabinieri haben Ermittlungen aufgenommen. Schon jetzt ist klar, dass es sich um den grössten Betrug überhaupt mit Ferienwohnungen an der Adria handelt. Die Behörden gehen davon aus, dass auch am nächsten Samstag wieder betrogene Touristen mit Sack und Pack anreisen – und vor verschlossenen Türen stehen.