«Aus persönlichen Gründen»
80 Prozent Rabatt! Luzerner Shop trickst mit Fake-Geschichte

Ein vermeintlich über 100-jährige Schmuck-Boutique muss schliessen – dabei gab es sie gar nicht. Im Dropshipping-Store wird Billigschmuck aus China zu überhöhten Preisen verkauft.
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Brunner Luzern, ein Fake-Shop für Schmuck, gibt seine Schliessung bekannt – und verabschiedet sich mit emotionalen KI-Bildern.
Foto: Screenshot (brunnerluzern.com)

Darum gehts

  • Fake-Schmuckladen «Brunner Luzern» ist Dropshipping
  • Fotos und Geschichten des angeblichen Shops wurden mittels KI generiert
  • Konsumentenschutz erstellte Schwarze Liste und fordert strenges Vorgehen vom Seco
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Es tönt dramatisch, was Olivia Brunner auf der Website der Luzerner Firma Schmuck Brunner und auf Instagram mitteilt. «Aus persönlichen Gründen schliesse ich meine Schmuck-Boutique», schreibt sie. «Wir haben unser Herz und unsere Seele in jede einzelne Kreation gelegt. Jedes Schmuckstück stand für mehr als nur Schönheit.» Nach über 100 Jahren sei nun Schluss. «Wir sagen Tschüss!», schreibt Olivia Brunner. Und wirbt für einen «Abschiedsverkauf mit 80 Prozent Rabatt». Bebildert wird dies alles mit Frau Brunner und deren süsser Enkelin.

Tönt verlockend! Bloss: Einen Laden namens «Brunner Luzern» gibt es nicht, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. Auch keine Olivia Brunner, die dessen Geschäfte führt. Die Fotos vom Laden in der Luzerner Altstadt und mit der Enkelin sind nicht echt, sondern mit künstlicher Intelligenz generiert.

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Kurz: Es ist ein klassischer Fall eines sogenannten Dropshipping-Shops. Die Masche dahinter: Diese Fake-Shops werben vor allem auf Instagram und Tiktok aggressiv um zahlungskräftige Kundschaft. Sie tarnen sich als schweizerische Ladengeschäfte und locken Konsumentinnen und Konsumenten mit Ramschware in die Falle. Die Shops verwenden dazu vermeintlich Schweizer Internetadressen und geben sich so einen lokalen Anstrich.

Das schnelle Geld lockt

Dropshipping ist eine Form des Handels, bei der ein Händler Ware vom Lieferanten erwirbt und sie an Kunden weiterverkauft, ohne physischen Kontakt mit der Ware zu haben. Bestellungen werden erst nach Zahlungseingang bei einem Grosshändler ausgelöst, der direkt an die Kundschaft liefert – oder eben auch nicht. Seit einiger Zeit tauchen immer mehr solche Shops im Internet auf. In den sozialen Medien propagieren Influencer, mit Dropshipping über Nacht reich zu werden.

Zwar ist Dropshipping grundsätzlich legal, doch viele solcher Shops verschwinden nach kurzer Zeit. Das Risiko, Geld zu verlieren oder minderwertige Ware zu erhalten, ist hoch. Deshalb sind sie auch dem Konsumentenschutz ein Dorn im Auge. Er führt eine Schwarze Liste und interveniert regelmässig direkt bei den Shopbetreibern. Letzten Sommer hat der Konsumentenschutz gegen uneinsichtige Shopbetreiber Strafanzeige eingereicht.

Er fordert, dass betrügerische Shops rasch vom Netz genommen werden. «Für die Konsumentinnen und Konsumenten ist die aktuelle Situation untragbar», sagte Jan Liechti, Leiter Recht beim Konsumentenschutz, zu Blick. «Das Seco muss gegen illegale Anbieter vorgehen und sicherstellen, dass betrügerische Shops rasch vom Netz genommen werden.»

Wer hinter der Website von Brunner Schmuck steckt, ist unklar. Wie Blick jedoch weiss, wurde sie über den kanadischen Anbieter Shopify erstellt – einer der grössten Player im lukrativen Dropshipping-Markt. Shopify wirbt aktiv damit, dass man bei ihnen «im Handumdrehen einen beeindruckenden Onlineshop erstellen» kann. Im Fall von Brunner Luzern könnte das für die Personen dahinter in die Hosen gehen. Die Luzerner Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, wie die «Luzerner Zeitung» weiss.

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