«Wir haben jetzt in Venezuela das Sagen»
0:59
Trump nach Maduro-Sturz:«Wir haben jetzt in Venezuela das Sagen»

Verdacht auf Insiderhandel
Dubioser Händler kassiert mit Wette auf Maduro-Sturz ab

Ein mysteriöser Nutzer soll mit Insiderhandel auf der Plattform Polymarket über 400'000 Dollar verdient haben. Er setzte viel Geld auf einen Machtwechsel in Venezuela – kurz bevor dieser Tatsache wurde. Sogenannte Prognosemärkte sind mit irren Wetten im Aufwind.
Kommentieren
1/6
Auf der Plattform Polymarket haben mehrere Nutzer mit Wetten auf den Sturz von Nicolás Maduro ein Vermögen verdient.
Foto: AP

Darum gehts

  • Anonymes Trio wettet auf Maduro-Sturz, gewinnt 630'000 Dollar
  • Verdächtige Accounts wurden Tage vor Ereignis eingerichtet, Insiderhandel vermutet
  • Plattform Polymarket boomt, Wert 9 Milliarden Dollar, gegründet 2020
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_243.JPG
Michael HotzRedaktor Wirtschaft

Über Nacht aus 34'000 Dollar schnell über 440'000 Dollar gemacht: Das gelang einem anonymen Nutzer auf US-Plattform Polymarket, indem er wiederholt auf den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro (63) wettete. Das Dubiose daran: Er platzierte einen Grossteil seiner Wette wenige Stunden vor der offiziellen Bestätigung des Machtwechsels durch die US-Regierung, wie internationale Medien berichten. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Es war nicht die einzige auffällige Wette auf die Absetzung Maduros. Die Analyseplattform Lookonchain schreibt in einem Beitrag auf X von insgesamt drei Usern auf Polymarket, die kurzfristig auf die Absetzung des Staatschefs von Venezuela wetteten und so ein Vermögen einsackten. Insgesamt sahnte das unbekannte Trio über 630'000 Dollar ab.

Was ihre Wetten zusätzlich verdächtig macht: Erstens wurden die Accounts nur wenige Tage vor dem Maduro-Sturz eingerichtet. Zweitens setzten sie das Geld einzig auf Ereignisse rund um Venezuela und Maduro. Und drittens galt die Wette als hochriskant. Die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens bei Eingang der Wetten wies Polymarket mit 8 Prozent aus. Das deutliche Fazit von Lookonchain: «Ein klarer Fall von Insiderhandel.»

Nur Trumps engster Kreis wusste Bescheid

Zu einem ähnlichen Befund kam Branchenkenner Tre Upshaw gegenüber dem «Wall Street Journal»: «Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Insider handelt. Das ist eine Menge Geld, das zu diesem Preis investiert wurde, ohne dass es viele Neuigkeiten gab», so der Gründer des Start-ups Polysights, das Analyse-Tools für Polymarket-Händler anbietet. Heisst: Eine Verhaftung Maduros hatte niemand auf dem Schirm.

Was zusätzliche Brisanz in die Fälle bringt: US-Präsident Trump hatte seine Umsturz-Pläne für Venezuela im engen Kreis gehalten. Nur einige wenige Top-Berater im Weissen Haus wussten laut dem «Wall Street Journal» von der Militäraktion in Südamerika. Heisst: War es also tatsächlich Insiderhandel, könnte es sich bei den Wettern um nahe Verbündete des amerikanischen Präsidenten handeln. Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Zu den drei Händlern sind keine Details bekannt, auch ihre Nationalität nicht.

Die aufstrebende Branche der Prognosemärkte

In vielen Ländern sind Wetten auf Polymarket und ähnlichen Anbietern illegal – unter anderem in der Schweiz. Trotzdem boomt die Branche der sogenannten Prognosemärkte. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Börse und Wetten. Meinungen werden dort wie auf dem Marktplatz gehandelt. Auf den Plattformen von Polymarket und den Konkurrenten Kalshi und PredictIt setzen Nutzer Geld auf den Ausgang realer Ereignisse. Auch solche zu geopolitischen Entwicklungen. Unter anderem eben auch darauf, ob Nicolás Maduro gestürzt wird oder nicht. 

Das Businessmodell der meisten Prognosemärkte basiert auf Handelsgebühren. Polymarket ist jedoch gebührenfrei – und finanziert sich über eine andere grosse Geldquelle: den Verkauf ihrer Daten. Die Branche ist längst zum Milliardengeschäft mutiert. Die 2020 in New York gegründete Plattform Polymarket allein ist derzeit 9 Milliarden Dollar wert. Zu den prominenten Geldgebern gehört unter anderem der Tech-Investor Peter Thiel (58), der als wichtiger Strippenzieher von Trumps Politik gilt.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen