Darum gehts
- Kevin Warsh (56) wird neuer Fed-Chef, bestätigt vom US-Senat am Mittwoch
- Ex-Fed-Chef Powell bleibt Gouverneur trotz Trumps Kritik und Ermittlungen
- Fed-Bilanz: Warsh plant Reduktion, Zinsentscheidungen weiter offen
Auf den letzten Drücker hat es geklappt: Kevin Warsh (56) ist der neue Präsident der US-Notenbank Fed. Er übernimmt an diesem Freitag den Posten von Vorgänger Jerome Powell (73). Erst am Mittwoch bestätigte der US-Senat den Kandidaten Warsh (56) für den Fed-Chefposten – und folgte damit der Nomination durch Präsident Donald Trump (79) von Ende Januar.
Mehrere Wochen lang musste Warsh bibbern. Dem Multimillionär fehlten zuerst die nötigen Stimmen im Bankenausschuss des Senats. Denn der republikanische Senator Thom Tillis (65) verweigerte ihm das Votum, weil das Justizdepartement gegen Powell ermittelte. Als die Untersuchung vom Tisch war, war auch der Weg frei für Warsh. Der US-Präsident hat es also geschafft, seinen Mann an der Spitze der Notenbank zu installieren.
Trumps Fehde mit Warshs Vorgänger
Seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus baggert Trump an der Unabhängigkeit der Fed. Immer wieder versucht er, Einfluss auf die Währungshüter zu nehmen. Der US-Präsident fordert mit Nachdruck tiefere Leitzinsen – was zu einer dreckigen Schlammschlacht mit Powell geführt hat. Die Privatfehde führte zu den Ermittlungen gegen den nun Ex-Fed-Chef im Zusammenhang mit den Kosten für den sanierten Notenbanksitz. Die Retourkutsche: Powell bleibt nun als Gouverneur in der Fed, womit er weiterhin über die US-Zinspolitik mitbestimmen kann – ein eher aussergewöhnlicher Schritt.
Dass Trumps Wunsch nach tiefen Zinsen aber in Erfüllung geht, ist trotz der Chefposten-Übernahme durch seinen Kandidaten keine ausgemachte Sache. Erstens kann Warsh nicht allein über die Leitzinsen entscheiden. Er braucht eine Mehrheit im sogenannten Offenmarktausschuss, dem eben auch Powell weiterhin angehört.
Und zweitens ist Warsh kein klarer Trump-Loyalist. Er hat sich mehrfach für die politische Unabhängigkeit der Institution Fed ausgesprochen. Und er gilt als jemand, der die Zinsen nicht einfach auf Zuruf senkt. Als sogenannter «Falke» steht er jedoch für eine restriktivere Geldpolitik in republikanischer Tradition. Heisst: Der erfahrene Finanzexperte will die Bilanz der US-Notenbank verkleinern. Powell blies die Notenbankbilanz durch den Kauf von US-Staatsanleihen massiv auf. Hier will Warsh zuerst ansetzen. Ob er dann auch Trump mit tieferen Zinsen glücklich machen kann, ist hingegen noch offen.