Darum gehts
- Kevin Warsh wird heute zur Senatsanhörung als Fed-Chef-Kandidat erscheinen
- Warsh ist mit mindestens 190 Millionen Dollar vermögender als Vorgänger Jorome Powell
- Eine 12:12-Pattsituation im Ausschuss könnte die Bestätigung verzögern
Kevin Warsh (56) will an diesem Dienstag seinem grossen Ziel ein Stück näherkommen: Er will Jerome Powell (73) als Chef der US-Notenbank Fed beerben. Ende Januar hat ihn Präsident Donald Trump (79) nominiert. Jetzt ist Trumps Kandidat an diesem Nachmittag um 14 Uhr Schweizer Zeit zur Anhörung im US-Senat geladen. Dort muss er sich vor dem Bankenausschuss bewähren.
Die Zeit drängt, denn bereits Mitte Mai soll Powell abdanken. Ob der Senat Warsh rechtzeitig bestätigt, ist offen. Bekannt ist hingegen: Er wäre der mit Abstand reichste Fed-Chef der US-Geschichte. Letzte Woche legte der designierte Notenbankpräsident seine Vermögensangaben offen. Warsh ist an Hunderten Unternehmen und Fonds beteiligt, fein säuberlich auf 69 Seiten aufgelistet. Wie viel Wert all diese Beteiligungen sind, lässt sich nur schätzen. Die «Financial Times» schreibt von «mindestens 130 Millionen Dollar», die Wirtschaftsagentur Bloomberg gar von «mehr als 190 Millionen Dollar».
Zum Vergleich: Letztes Jahr legte Powell ein Vermögen von bis zu 75 Millionen Dollar offen, was ihn zum derzeit reichsten US-Notenbank-Chef macht. Und Warsh dürfte noch einiges vermögender sein, als die offengelegten Angaben zeigen – selbst ohne das Geld seiner Frau. Er ist nämlich mit Jane Lauder (52) verheiratet. Die Enkelin von Estée Lauder, Gründerin des gleichnamigen Kosmetikkonzerns, ist laut dem US-Magazin Forbes rund zwei Milliarden Dollar schwer.
Problem mit abtrünnigem Republikaner
Dass Warsh so viele Finanzbeteiligungen aufweist, stösst den Demokraten sauer auf. Trumps Fed-Chef-Kandidat hat aber ein «parteiinternes» Problem: Thom Tillis (65), Senator des US-Bundesstaats North Carolina. Der republikanische Parlamentarier sitzt im Bankenausschuss – und verweigert dort seine Stimme für Warsh, solange das Justizdepartement an seiner Untersuchung gegen Jerome Powell festhält.
Damit droht eine Pattsituation. Denn alle elf Demokraten im Ausschuss drängen auf eine Verschiebung der Warsh-Anhörung. Mit dem Abweichler Tillis kämen sie auf die gleiche Stimmenanzahl wie die restlichen zwölf republikanischen Senatoren. Kommt es tatsächlich zu einem 12:12-Ergebnis, bleibt das «Geschäft Warsh» im Bankenausschuss hängen.
Warsh ist kein Trump-Loyalist
Grundsätzlich hat der US-Präsident mit der Nomination von Warsh eine für seine Verhältnisse moderate Wahl getroffen. Er ist kein klarer Trump-Loyalist, hat sich mehrfach für die politische Unabhängigkeit der Institution Fed ausgesprochen. Er gilt als jemand, der die Zinsen nicht einfach auf Zuruf senkt. In seiner bisherigen beruflichen Karriere hat Warsh Erfahrungen im Finanzsektor und in der Politik gesammelt. Er arbeitete unter anderem für die US-Grossbank Morgan Stanley und später auch im wirtschaftlichen Beratergremium von Präsident George W. Bush, bevor er zur Fed wechselte.
Als sogenannter «Falke» steht Warsh jedoch für eine restriktivere Geldpolitik in republikanischer Tradition – ganz anders als der amtierende Powell, unter dessen Führung die Bilanz der US-Notenbank massiv ausgeweitet wurde. Bevor Trumps Kandidat die Fed-Spitze übernehmen kann, muss er nun zuerst die parlamentarische Zustimmung bekommen. Liegt diese bis Mitte Mai nicht vor, bleibt der bei Trump so verhasste Powell noch länger im Amt.