Darum gehts
- Über 50 Mietparteien in Küsnacht ZH mussten ihre Wohnungen verlassen
- UBS vermietet 26 Wohnungen bis März 2027 ab 655 Franken monatlich
- ETH: Bis zu 50 Prozent müssen Gemeinden wegen fehlendem Wohnraum verlassen
An der Goldküste schlug vor gut einem Jahr der Kündigungshammer zu: Alle Bewohnerinnen und Bewohner der zwei Wohnblöcke an der Oberen Bühlstrasse in Küsnacht ZH mussten ausziehen. Die Eigentümerin Turintra AG, die zur UBS gehört, warf die über 50 Mietparteien raus. Sie will die beiden Mehrfamilienhäuser aus den 1970er-Jahren totalsanieren.
Den Bewohnern wurde auf Ende August 2026 gekündigt. Für die Betroffenen war die Wohnungssuche eine riesige Herausforderung. Nun werden plötzlich gleich 26 Wohnungen aus den Wohnblöcken zur Miete ausgeschrieben – und zwar unschlagbar günstig. Ein Studio kostet gerade mal 655 Franken pro Monat, 3,5 Zimmer gibt es für 1058 Franken und 6 Zimmer für bloss 1613 Franken pro Monat. Das ist sogar deutlich günstiger als das bisherige Mietzinsniveau.
Das sagt die Eigentümerin
Blick wollte deshalb wissen, ob die Eigentümerin ihre Pläne angepasst hat. «An den Sanierungsplänen hat sich nichts geändert, aktuell rechnet die Eigentümerin mit einem Baustart im Frühling 2027. Freistehende Wohnungen werden bis dahin befristet zwischenvermietet», sagt die UBS auf Anfrage.
Dass die Wohnungen plötzlich bis Ende März 2027 statt bis Ende August 2026 genutzt werden können, ist auf einen Deal vor der Schlichtungsbehörde zurückzuführen. Dort konnten die Bewohner eine Erstreckung des Mietverhältnisses erreichen. Entsprechend sind auch die 26 neu ausgeschriebenen Wohnungen auf der Immo-Plattform Project Interim bis Ende März 2027 befristet. Solche Erstreckungen werden von Projektträgern häufig einkalkuliert.
Die Bewohner hatten gar ganz andere Pläne: «Ein Teil der Mieter wollte der Eigentümerin gar das Wohnhaus abkaufen, doch das wurde abgelehnt», erzählt Stefan Bebié (53) gegenüber Blick. Auch er musste ausziehen. Wie die meisten Betroffenen hat er inzwischen eine Anschlusslösung gefunden. Doch diese entspricht oft nicht den eigenen Wünschen.
«52 Mietparteien wollten in Küsnacht bleiben»
Bei Leerkündigungen geht häufig bezahlbarer Wohnraum verloren und wird durch Wohnungen im hochpreisigen Segment ersetzt. Gemäss Zahlen der ETH Zürich müssen je nach Gemeinde bis zu 50 Prozent der Betroffenen ihren Wohnort verlassen, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden. Gerade in so steuergünstigen Gemeinden wie Küsnacht ist das Niveau der Angebotsmieten hoch und das Problem besonders akut. «52 Mietparteien wollten in Küsnacht bleiben. Doch so viele bezahlbare Wohnungen sind gar nicht verfügbar», sagt Stefan Bebié. Nachdem die Kündigungen hereingeflattert sind, hat Bebié einen Whatsapp-Chat ins Leben gerufen, in dem sich die Bewohner austauschen und gegenseitig unterstützen konnten.
Was die Suche gemäss Bebié zusätzlich verschärft: «Es werden auch andere Wohnhäuser leergekündigt.» Auf dem Immobilienportal Homegate sind derzeit in Küsnacht Wohnungen aus einer anderen Überbauung ebenfalls temporär ausgeschrieben. «Ich selbst musste ein Jahr lang suchen, mich dabei mit einem betrügerischen Fake-Inserat herumschlagen und habe schliesslich über Kontakte eine Wohnung in der Stadt Zürich gefunden», sagt er.
Riesige Probleme für ältere Bewohner
Eigentlich wollte er nicht in die Grossstadt ziehen, aber bei der herrschenden Wohnungsnot müsse man nehmen, was man kriege. «Am schwierigsten war es für die älteren Menschen. Alle waren schockiert, wie schwierig es ab einem gewissen Alter ist, noch eine Wohnung zu kriegen», so Bebié. Ein Teil der Mieter hätte bis zu 40 Kilometer weit wegziehen müssen. Von der Verwaltung hätte er sich mehr Unterstützung erhofft. «Diese hat sich auf den Abschluss eines Suchabos auf einem Immo-Portal beschränkt», so Bebié.
Die Liegenschaftsverwaltung Livit habe alle Mietparteien kontaktiert, um zusätzlich zum Kündigungsschreiben ein persönliches Gespräch anzubieten, schreibt die UBS dazu. Dies sei von einem Grossteil auch angenommen worden. «Livit unterstützt Mietende individuell bei der Suche nach Anschlusslösungen.» Unter anderem sei dies die Aufnahme von Suchkriterien, Zustellung aktueller Wohnungsangebote und grundsätzlich eine Priorisierung bei Neuvermietungen innerhalb des Portfolios der Liegenschaftsverwaltung.
Zudem könnten die heutigen Mietenden nach der Sanierung gerne zurückkommen und werden bei der Neuvermietung priorisiert. «Die Mietpreise sind heute noch nicht bekannt, werden aber dem markt- und ortsüblichen Angebot entsprechen», so die UBS. In Küsnacht dürften das für eine 4,5-Zimmer-Wohnung mindestens 4500 Franken pro Monat sein.