Stadt St. Gallen unter Spardruck
Ältestem Hallenbad der Schweiz droht das Aus

Die Stadt St. Gallen muss den Rotstift ansetzen – und will deshalb das historische Volksbad von 1906 beerdigen. 2028 soll Schluss sein. Weil sie teuer im Unterhalt und in vielen Fällen sanierungsbedürftig sind, gehen in der Schweiz immer wieder Hallenbäder zu.
Kommentieren
1/8
Das Volksbad in der Stadt St. Gallen gibt es seit 1906.
Foto: NINA BAISCH

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ältestes Schweizer Hallenbad in St. Gallen könnte per 2028 geschlossen werden
  • Mit der Massnahme will die Stadt jährlich 420'000 Franken sparen
  • Die Zahl der Hallenbäder in der Schweiz ist seit 2012 von 450 auf 260 gesunken
Nathalie_Benn_Praktikantin Wirtschaft _Blick_2-Bearbeitet.jpg
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Das Volksbad in St. Gallen ist bis weit über die Stadt hinaus bekannt. Schliesslich tummeln sich im historischen Jugendstil-Bau seit 1906 Badegäste. Damit ist es das älteste Hallenbad des Landes. Es gibt weder Rutschbahnen noch Sprudelbäder oder Massagedüsen – und doch zählt das Bad bis heute viele Besucher. Jetzt droht ihm die Schliessung, wie unter anderem SRF berichtet hat.

Aus Kostengründen will die Stadt den Betrieb ab 2028 nicht mehr weiterführen. Mit der Stilllegung der sanierungsbedürftigen Anlage verspricht sich die Stadtregierung jährliche Kosteneinsparungen von 420'000 Franken. 

Stadt hofft auf private Geldgeber

Das Gebäude bleibt zwar erhalten – es steht unter Denkmalschutz. Kommt die geplante Schliessung aber zustande, kann man an der Volksbadstrasse 6 zumindest nicht mehr schwimmen und planschen. Den Stadtbewohnern stehen aber ausreichend Alternativen zur Verfügung. Im Herbst 2027 wird zudem das Hallenbad Blumenwies am Stadtrand wiedereröffnet.

Die Schliessung ist derweil noch nicht in Stein gemeisselt: Im November entscheidet das St. Galler Stadtparlament über die Zukunft des Volksbades. Gleichzeitig ruhen die Hoffnungen auf den Schweizer Jugendherbergen. Diese prüfen derzeit, ob sie das historische Bad mit eigenen Geldern weiterbetreiben wollen. Damit wäre das Aus abgewendet, selbst wenn das Parlament den Sparmassnahmen des Stadtrats zustimmt.

Auch diese Hallenbäder wurden geschlossen

In der Schweiz gibt es rund 450 öffentliche Hallenbäder. Viele davon sind während der Hochkonjunktur in den 60er- und 70er-Jahren entstanden – und sind nun sanierungsbedürftig. Für Gemeinden sind sie wegen des Unterhalts und des hohen Energieverbrauchs oft ein grosser Kostenfaktor. Entsprechend verschwinden hierzulande immer wieder Hallenbäder.

So geht in Gossau SG das Hallenbad Rosenau bald zu. Anfang Juli ist Schluss. Dafür nimmt das rund einen Kilometer Luftlinie entfernte Hallenbad Buechenwald am 21. September 2026 den Betrieb auf. Über die Sommermonate müssen Stadtbewohner allerdings auf Freibäder ausweichen. Mit der Eröffnung der neuen Anlage droht das leere Hallenbad Rosenau zu verwaisen. Damit es nicht zum Geisterbad mutiert, prüft die Stadt Gossau alternative Möglichkeiten für eine Nutzung. 

Bald ist im Hallenbad Rosenau Schluss.
Foto: Screenshot

Per Ende 2025 musste auch das traditionsreiche Solebad in Oberhelfenschwil SG im Toggenburg seine Tore schliessen. Auch dieses gehörte zu den ältesten seiner Art. Und auch hier waren die Kosten der Grund für das Aus. Eine Schliessung der Anlage im Pflege- und Kurheim des Ortes hat sich demnach schon länger abgezeichnet, der Betrieb war defizitär, die Besucherzahlen rückläufig. Sieben Angestellte verloren ihren Job.

Das historische Solebad befindet sich im Pflege- und Kurheim von Oberhelfenschwil. Es wird von der Stiftung Liebenau betrieben.
Foto: Google

Deutlich mehr Mitarbeiter waren es, als die Thermalbäder in Ovronnaz im Unterwallis im selben Jahr Insolvenz anmelden mussten. 100 Personen sind von der drohenden Schliessung betroffen. Bislang wurde noch niemand entlassen: Das zuständige Bezirksgericht gewährte der Betreiberin eine provisorische Nachlassstundung. Beim Ablauf der Frist diesen Februar wurde sie verlängert – neu läuft sie am 24. Juni 2026 ab.

Befindet sich in der provisorischen Nachlassstundung: Die Thermalbäder in Ovronnaz.
Foto: zVg
Was sagst du dazu?
Meistgelesen