Darum gehts
- Die Erben von Oskar Reinhart schenken dem Bund ein 10’000-m²-Areal in Winterthur
- Das Gelände umfasst ein historisches Hallenbad, Pavillon und Gartenanlage
- Reinharts Kunstsammlung: 209 Werke europäischer Kunst seit 1970 öffentlich zugänglich
Was für ein Geschenk! Die Erben des Winterthurer Kunstmäzens Oskar Reinhart (1885–1965) übergeben dem Bund ein wertvolles Grundstück neben der berühmten Villa Römerholz, wie das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) in einer Medienmitteilung schreibt. Das Areal am Lindberg umfasst 10’000 Quadratmeter mit Pavillon und Garten.
Zum Anwesen gehört auch die frühere Freizeit- und Badeanlage des Sammlers. Die Zeit scheint stehengeblieben, wenn man sich aktuelle Fotos anschaut. Das Hallenbad ist leer, die Farbe an den Wänden blättert ab. In einem angrenzenden Raum stehen Fitnessgeräte aus den 30er-Jahren, auf den Garderobenkästchen stehen noch die Namen längst verstorbener Freizeitsportler.
Unterirdischer Gang ins Hallenbad
Die Anlage ist historisch wertvoll: Zwischen 1929 und 1932 liess Reinhart, der als Teilhaber des Winterthurer Welthandelshauses Gebrüder Volkart zu beträchtlichem Reichtum kam, seine private Freizeitwelt bauen – samt Hallenbad, Freibad, Turnhalle und Bocciabahn. Über einen unterirdischen Gang gelangte der Hausherr direkt von seiner Villa in die Anlage. Hier traf sich einst die Winterthurer High Society aus Wirtschaft und Kultur.
Seit 1970 sind Reinharts ehemalige Villa, seine Kunstsammlung und ein Teil des Parks für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Sammlung gilt international als bedeutend und umfasst 209 Werke europäischer Kunst – von der Spätgotik bis zur klassischen Moderne. Mit der Schenkung wird die Anlage erstmals seit rund 60 Jahren wieder als Gesamtensemble erlebbar. So, wie es Reinhart einst vorgesehen hatte.
Jetzt wird erst einmal saniert
Bevor Besucher die neue Anlage betreten können, stehen allerdings Arbeiten an. Zuerst müssen Gebäude und Park denkmalpflegerisch gesichert und saniert werden, heisst es in der Mitteilung. Danach soll die historische Freizeitanlage Schritt für Schritt für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Langfristig könnten Teile der Gebäude auch für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden.
Das Schenkungsangebot lag seit 2017 auf dem Tisch. Doch der Bund hat sich lange schwergetan. Eine Machbarkeitsstudie kam zum Schluss, dass die Übernahme teuer werden könnte. Gleichzeitig sehen Fachleute ein grosses kulturelles Potenzial. Die Geduld der Erben wurde auf eine harte Probe gestellt. Sie haben dem Bund bereits ein Ultimatum gestellt. Zuletzt stand auch der Verkauf an Private im Raum. Dem ist der Bund nun zuvorgekommen.