Darum gehts
- Schweizer zögern mit Buchungen wegen unsicherer Lage im Nahen Osten
- Benzinpreise in den Nachbarländern Österreich und Italien sind günstiger als in der Schweiz
- Zugreisen sind im Trend, Nachtzüge machen 5 Prozent der grenzüberschreitenden Fahrten aus
Verunsicherung statt Vorfreude! Der Arbeitgeber hat die Sommerferien längst genehmigt. Eigentlich möchten Herr und Frau Schweizer planen und buchen – stattdessen warten sie auf die Rückkehr von zumindest ein wenig Normalität.
Denn der Iran-Krieg und die Blockade der Strasse von Hormus werfen Fragen auf: Wohin wird man in den Sommerferien bedenkenlos reisen können? Werden Airlines wegen Kerosinmangels kurzfristig Flüge streichen?
Die Folge davon: «Momentan besteht eine Buchungslethargie. Die Leute gehen lieber kein Risiko ein und fahren dann spontan mit dem Zug oder dem eigenen Auto in die Ferien», sagt Florian Eggli (48), Professor für Tourismus an der Hochschule Luzern.
Auto, Zug oder Flugzeug? Jedes Transportmittel hat Vor- und Nachteile. Was du für die kommenden Sommerferien beachten solltest.
Mit dem Auto
Die Reise mit dem Auto hat einen grossen Vorteil: Du läufst keine Gefahr, wegen gestrichener Flüge oder Züge steckenzubleiben. Die Reichweite ist auf vier Rädern jedoch beschränkt. «Weiter als 1000 bis maximal 1500 Kilometer fährt man mit dem Auto wohl nicht in die Ferien», so Eggli. Heisst: Vor allem die Nachbarländer kommen infrage. Wem es dort im Hochsommer zu heiss ist, kann mit dem Auto auch in den kühleren Norden, zum Beispiel nach Dänemark oder Südschweden, reisen.
Vor der Autoreise lohnt sich ein Vergleich der Tankstellenpreise in der Schweiz und im Ausland. Derzeit noch mehr als sonst, da einige Nachbarregierungen Rabatte entschieden haben. An Zapfsäulen in Italien und Österreich gibt es derzeit einen Tankrabatt. Ab Mai profitieren Autofahrer auch in Deutschland von Preissenkungen.
Mit dem Zug
Wer auf teures Tanken und kilometerlange Staus verzichten möchte, kann auf eine Zugreise setzen. Die Vorteile gemäss SBB: Man kann sich frei bewegen, arbeiten, lesen oder essen und kommt direkt im Stadtzentrum an. Zudem entfällt das Umsteigen auf Flughäfen oder die Parkplatzsuche.
Am beliebtesten sind Züge nach Paris, Mailand, München oder Wien. Aber auch die Nachtzüge erfreuen sich steigender Beliebtheit und machen bereits 5 Prozent der grenzüberschreitenden Zugreisen aus, wie die SBB mitteilen. Bei Reisenden hoch im Kurs stehen die Schlafwagen nach Amsterdam, Berlin, Hamburg und Wien.
Bei Zugreisen gilt: Wer früh bucht, spart meist Geld. Wer spontan mit dem direkten TGV von Zürich nach Paris will, zahlt pro Fahrt fast 200 Franken. Wer jetzt für den Sommer bucht, kann von Sparangeboten von bis zu 40 Prozent Rabatt profitieren.
Wäre da nicht eine Hürde: Komplexe Buchungssysteme schrecken selbst umweltbewusste Nutzer ab. Da die Buchung eines Zugtickets gemäss dem NGO Transport & Environment häufig fast doppelt so lange dauert wie die Buchung eines Flugs, geben viele frustriert auf – und steigen dann doch ins Flugzeug.
Trotzdem liegen Reisen im Zug im Trend, wie auch Dertour bestätigt. Der Reiseveranstalter bietet mit der Plattform Railtour Pauschalreisen auf Schienen an. Metropolen wie Paris, London, Venedig, Wien, Hamburg und Mailand sind besonders gefragt. Eine Zugreise ist also vor allem für Städtetrips attraktiv.
Mit dem Flugzeug
Wer mit dem Flugzeug verreisen will, braucht diesen Sommer etwas mehr Nerven. Edelweiss warnt vor grösseren Schwankungen bei Kosten und Nachfrage. Viele warten mit einer Flugbuchung zu. Sollte sich die Lage beruhigen, dürfte die Nachfrage auf einigen Routen sprunghaft hochgehen.
Doch die grosse Frage bleibt: Haben die Airlines im Sommer noch genügend Kerosin? Seit der Blockade der Strasse von Hormus geht die Angst vor gegroundeten Flugzeugen um. Die Internationale Energieagentur warnt, dass Kerosin bereits in sechs Wochen knapp wird.
Bei Schweizer Airlines gibt man sich gelassen: «Die Ferien sind sicher. Wir haben genug Kerosin», sagte Edelweiss-Kommerzchef Patrick Heymann (52). Auch bei der Swiss sieht man momentan keinen Grund zur Sorge. Nach der Einstellung der Dubai-Flüge seit dem Kriegsausbruch erwarte man keine weiteren Einschränkungen im Flugplan. Am Flughafen Zürich haben sich seither die täglichen Flüge in den Nahen Osten halbiert. Reisende weichen aus und fliegen Ziele im Osten lieber direkt an.
Die Angst wirkt sich auch auf die Wahl der Feriendestination aus: «Klassische europäische Ziele wie Spanien oder Portugal sowie ausgewählte Langstreckendestinationen wie Kanada oder Namibia sind aktuell besonders gefragt», heisst es bei Edelweiss. Doch die erhöhte Nachfrage lässt auch die Preise klettern.
Tui Suisse und Dertour beobachten ebenfalls eine Verlagerung der Nachfrage nach Westen. Bei der Hotelplan-Mutter sind auch Ferien im Balkan, auf den griechischen Inseln oder in Nordafrika, etwa in Marokko, angesagt.
Tipps vom Experten
In unsicheren Zeiten bieten Pauschalreisen im Vergleich zu Individualreisen wegen besserer Stornierungsmöglichkeit mehr Flexibilität. Experte Eggli merkt, dass Reisende ihre Ferien öfter über einen Reiseveranstalter buchen: «Die professionelle Beratung wird wieder mehr geschätzt und gewinnt an Stellenwert.» Zudem könne ein Reiseveranstalter in Notsituationen auch zur Unterstützung beigezogen werden.
Eggli ruft zudem in Erinnerung: «Sorgenfreies Reisen gab es nie – eine gewisse Vorsicht ist immer angebracht.» Während der Corona-Pandemie hätten Reisegäste ebenfalls bewiesen, wie flexibel sie sind. Der Experte weiss: «Die Reisegäste sind da vergesslich und nachsichtig.»