Trotz Mega-Flugstreichungen – neuer Report zeigt
Buchungen zu schwierig – Zugreisen für viele keine echte Alternative

Die Kerosin-Krise bringt Flugreisen ins Wanken, aber die Bahn verpasst die Chance, Reisende zu gewinnen. Komplexe Buchungssysteme schrecken ab und lassen selbst klimabewusste Passagiere verzweifeln, wie ein neuer Report zeigt. Bringt ein EU-Ticketing-System die Wende?
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Aufgrund der derzeitigen Kerosin-Krise bleiben immer mehr Maschinen am Boden.
Foto: imago images/Overstreet

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Europas Bahnverkehr leidet unter komplizierten Buchungssystemen und mangelnder Anbieter-Kooperation
  • 61 Prozent vermeiden Bahnreisen wegen mühsamer Buchungen – trotz Klimavorteilen
  • Zugtickets bis zu sechsmal teurer auf unabhängigen Plattformen als bei Anbietern
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Daniel MacherRedaktor News

Die gegenwärtige Kerosin-Krise sorgt für erhebliche Turbulenzen im europäischen Flugverkehr. Mit steigenden Preisen und zahlreichen Flugstreichungen suchen viele Reisende nach Alternativen – wie den Zug. Doch statt diese Gelegenheit zu nutzen, gibt es für Europas Bahnunternehmen kein gutes Zeugnis. Ein Bericht von «Transport & Environment» (T&E) zeigt: Die Komplexität der Buchungssysteme schreckt viele Reisende ab.

Die Buchung eines durchgehenden Zugtickets auf den meistfrequentierten Flugstrecken Europas erweist sich laut T&E oft als «schwierig oder unmöglich», dauert im Durchschnitt 70 Prozent länger als die Buchung eines Flugs und scheitert zehnmal häufiger. Ein Beispiel: Auf Strecken wie Barcelona-Paris, wo täglich über 40 Flüge starten, ist es auf der Website der spanischen Renfe gar nicht möglich, ein Ticket zu buchen.

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Frustration statt Fortschritt

Ein zentrales Problem ist der mangelnde Datenaustausch zwischen den grossen Anbietern. Staatliche Bahngesellschaften wie SNCF und Deutsche Bahn bieten oft keine Tickets der Konkurrenz an. SNCF Connect kontrolliert etwa 85 Prozent des französischen Ticketvertriebs, doch Anbieter wie Trenitalia oder Renfe fehlen völlig.

Etwas besser sind die SBB aufgestellt. Von der Schweiz aus kann man durchaus ein Zugbillett von Bahnunternehmen unserer Nachbarländer kaufen – in der SBB-App oder klassisch am Schalter. Doch auch die Bundesbahnen müssen eingestehen: Es gibt noch viel Luft nach oben. «Das ändern wir nun, und dafür investieren wir viel Zeit und Geld in unsere Systeme», so die SBB gegenüber den Tamedia-Zeitungen.

Die Folgen sind gravierend: Selbst umweltbewusste Reisende greifen aus Frustration wieder zum Flugticket. Laut T&E haben 61 Prozent der Befragten bei Fernreisen auf Bahnfahrten verzichtet, weil der Buchungsprozess zu mühsam war. Reisende müssen oft mehrere separate Tickets kaufen und Verbindungen selbst zusammenstellen – ein zeitaufwendiger und teurer Prozess. Auf unabhängigen Buchungsplattformen sind die Preise bis zu sechsmal höher als auf den Seiten der Bahnbetreiber.

Nun ist die Politik gefragt

Ein weiteres Problem: Auf über der Hälfte der untersuchten Strecken zeigen etablierte Bahnunternehmen die Angebote ihrer Konkurrenten nicht an. Auf der Strecke Madrid-Barcelona sind Tickets von Ouigo und Iryo ein Drittel günstiger als die von Renfe, doch diese Angebote sind auf Renfes Website unsichtbar. In Frankreich kennen über 50 Prozent der Reisenden Renfe nicht – 68 Prozent haben noch nie von der Bahngesellschaft gehört. Ein System, das klimafreundliche Alternativen systematisch unsichtbar macht.

Es zeichnen sich aber Verbesserungen ab. Um die Bahn als echte Alternative zum Flugzeug zu etablieren, plant die Europäische Kommission ein einheitliches Ticketing-System. Ziel ist es, den grenzüberschreitenden Bahnverkehr massentauglich zu machen. Gemeinsame Standards und ein verbesserter Verbraucherschutz sollen den Zugang zur Bahn vereinfachen. Doch bis es so weit ist, bleiben viele Reisende im Ticketchaos stecken. Und gehen trotz der Kerosin-Krise mit dem Flugzeug in die Ferien.

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