Darum gehts
- Italien schreibt bis Juni 2027 Strandkonzessionen neu aus, dies betrifft 30'000 Lidos
- Betreiber warnen vor Preissteigerungen durch neue Konzessionsgebühren für Gäste
- Lidos erwirtschaften jährlich rund 15 Milliarden Euro und beschäftigen 300'000 Personen
Italiens Strände könnten in diesem Sommer noch voller werden: Die sich zuspitzende Kerosinkrise bringt viel Verunsicherung in die Sommerflugpläne, Airlines streichen ihre Strecken zusammen – mit noch ungewissem Ausmass. Deshalb werden in den heissen Monaten wohl viele lieber aufs Auto setzen. Und da liegt das südliche Nachbarland für Schweizer Feriengäste plötzlich wieder ganz vorne.
Am Strand scheint dabei alles wie immer: bunte Sonnenschirme, dicht an dicht stehende Liegen, Familienbetriebe, die ihre Lidos seit Generationen führen. Doch der Schein trügt. Hinter der idyllischen Fassade brodelt es – eine Reform ist im Gang, die unsere Badeferien in Italien grundlegend verändern könnte.
Betreiber gehen auf die Barrikaden
Spätestens bis Juni 2027 muss Italien sämtliche bisherigen Strandkonzessionen neu ausschreiben – auf Druck der EU. Grundlage ist die sogenannte EU‑Bolkestein‑Direktive aus dem Jahr 2006. Diese soll mehr Wettbewerb im Binnenmarkt schaffen. In Italien betrifft das rund 30’000 Lido‑Betreiber – und damit Familienbetriebe, die seit Jahrzehnten die Bezahlstrände führen. Für viele könnte das bedeuten: Ihr langjähriger Lido wird künftig von einem anderen, teils internationalen Anbieter geführt.
Die Betreiber wehren sich heftig. Bereits im Februar demonstrierten sie in Sanremo, im Rahmen des Musikfestivals, unter dem Motto «Balneari incazzati» (wütende Lidobetreiber). Für den gestrigen Dienstag hatte die Branche zudem eine Grosskundgebung in Rom angekündigt. Ihr Ziel: die Neuvergabe der Konzessionen zu stoppen oder zumindest hinauszuschieben.
Lidos könnten in Zukunft teurer werden
Die Lidos beschäftigen in der Saison rund 300'000 Menschen und erwirtschaften jährlich etwa 15 Milliarden Euro. Die Strände gelten als knappes öffentliches Gut, dessen kommerzielle Nutzung eigentlich transparent ausgeschrieben werden muss – ähnlich wie öffentliche Aufträge.
Die Lidobetreiber wehren sich heftig gegen die Neuausschreibungen: Sie sprechen von «Ausverkauf» und «Enteignung», weil sie jahrzehntelang in ihre Strandanlagen investiert hätten. Zudem befürchten sie, dass neue Konzessionsgebühren an die Gäste weitergereicht und die Preise deutlich steigen werden. Die Privatstrände verzeichneten im letzten Sommer einen deutlichen Rückgang der Gästezahlen – selbst Einheimischen war es zu teuer geworden.