Darum gehts
- US-Zollbehörde startet Rückzahlung von 166 Milliarden Dollar unrechtmässig erhobener Zölle
- Schweizer Firmen fordern rund 1,5 Milliarden Franken über Plattform oder Klagen zurück
- 56'000 Firmen weltweit angemeldet, 53 Millionen Wareneinfuhren betroffen seit April 2025
Jetzt gilt es ernst: 166 Milliarden Dollar an weltweit unrechtmässig erhobenen US-Zöllen warten auf die Auszahlung. Seit Montag 14 Uhr sollen die Rückforderungen fliessen. Und zwar über das neue Onlineportal «Cape» der US‑Zollbehörde CBP. Auf dieser Plattform sollen Unternehmen ihre Ansprüche gebündelt anmelden können, statt jede Einfuhr einzeln abzurechnen – ein Verfahren, das auch für viele Schweizer Firmen relevant ist.
Allerdings: Wie schnell die Gelder wirklich fliessen, ist das grosse Fragezeichen. Seit dem Urteil des obersten Gerichtshofes im Februar haben weltweit über 56'000 Firmen bislang ihre Ansprüche angemeldet. Und es könnten noch viel mehr werden: Wie die Agentur Reuters schreibt, haben seit der Verhängung der reziproken Zölle im April 2025 alleine 330'000 US-Importfirmen für 53 Millionen Wareneinfuhren bei der US-Zollbehörde deklariert.
Rückzahlung könnte dauern
Auch deshalb sagt Jean-Philippe Kohl (59), Vizedirektor beim Branchenverband Swissmem: «Ich glaube erst an die Rückzahlungen, wenn das Geld wirklich auf den Konten der Schweizer Firmen liegt. Die US-Regierung hat einige Möglichkeiten, die Auszahlung zu verzögern.» Etwa, indem das Personal der zuständigen US-Behörde nicht aufgestockt oder gar reduziert wird.
Eine Schweizer Unternehmerin aus der Techbranche bringt das Problem auf den Punkt: «Die Zölle einzuziehen ging sehr schnell, die Rückzahlung dürfte einiges länger dauern.» Weil das Unternehmen inzwischen verkauft wurde, kann sie sich öffentlich nicht mehr zum Zollstreit äussern, der ihr in den letzten Monaten das Leben schwer gemacht hat.
Das Interesse am Rückzahlverfahren nur schon bei den Mitgliedern von Swissmem ist gross. «Wir haben letzte Woche ein Webinar zur Rückforderung durchgeführt», so Kohl. «Daran haben 80 Firmen teilgenommen.» Das Interesse war auch deshalb gross, weil es neben der Möglichkeit, über die Plattform sein Geld einzufordern, eine weitere Option gibt: eine Klage einreichen.
Klage hat gute Chancen
Das alleine zu tun, wäre für jede Firma einzeln ein Riesenaufwand. Deshalb bündelt der Schweizer Ableger der renommierten US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel die juristischen Begehren von Schweizer Firmen. Das Ziel: eine Sammelklage mit möglichst vielen Unternehmen, damit der Druck auf die US-Regierung entsprechend gross ist. «Die Chance stehen sehr gut, dass Schweizer Firmen so zu ihrem Recht kommen», sagt Thomas Werlen (60) von Quinn Emanuel Schweiz zu Blick.
Alleine in der Schweiz dürften es Hunderte Firmen sein, die Anspruch auf eine Zollrückvergütung haben. Denn neben den besonders betroffenen Maschinenbauern exportieren auch Schokoladeproduzenten, Skifirmen oder Kleiderhersteller in die USA. In der Schweiz dürften sich die Zollrückforderungen auf rund 1,5 Milliarden Franken summieren, wie die NZZ geschätzt hat.
«Wir begrüssen, dass die US-Behörden einen entsprechenden Prozess etabliert haben, und planen auch, ihn zu nutzen», sagt zum Beispiel Matthias Goldbeck, Mediensprecher der Schokoladenproduzentin Läderach. Das findet auch Andreas Lenzhofer (57), Gründer des Pyjamaherstellers Dagsmejan, dessen Produkte in den USA sehr beliebt sind: «Selbstverständlich werden wir zusammen mit unserem Zollagenten unsere Rückforderungsmöglichkeiten ausschöpfen.»
Thermoplan hofft auf Millionen
Zu ihren konkreten finanziellen Ansprüchen an die US-Regierung geben sich die Firmen bedeckt. Einzig Adrian Steiner (50), Chef des Kaffeemaschinenproduzenten Thermoplan und exklusiver Lieferant von Starbucks, sagt: «Wir hoffen auf die Rückzahlung eines tiefen einstelligen Millionenbetrags.».
Das Beispiel Thermoplan zeigt aber auch, wie schwierig der Prozess nur schon ohne die Hürden werden wird, die sich die US-Regierung vielleicht noch ausdenken wird. «Starbucks wird die Ansprüche gegenüber unseren Kunden durchsetzen.» Nur geht es dabei nicht direkt um die bezahlten Zölle. Sondern um die Höhe der Marge, auf die Thermoplan zugunsten der Kunden verzichtet hat. Da dürfte noch einiges gerechnet werden!
Und der nächste Zwist mit den USA ist vorprogrammiert: Denn noch hat die Schweiz keinen Zolldeal mit den USA ausgehandelt. Das heisst, Schweiz Firmen zahlen im Moment einen pauschalen Zoll von 10 Prozent auf alle Güter, die in die USA exportiert werden.
Allerdings sind diese – auf einer recht wackligen Rechtsgrundlage – nur sechs Monate gültig und laufen Ende Juli aus. Dazu kommen, je nach Branche, ein paar Prozentpunkte aus früheren Abkommen dazu. Macht im Schnitt rund 15 Prozent – also genau die Höhe der Zölle, um die es im Abkommen geht.