Darum gehts
- Ochsner Shoes bringt Schweizer Marke Navyboot mit 60 neuen Modellen zurück in die Läden
- Produziert werden die Schuhe in Spanien und Portugal – Swissness soll trotzdem zentral bleiben
- Einst setzte Navyboot 100 Millionen Franken um und betrieb rund 40 Filialen, 2021 schlossen die letzten eigenständigen Läden
Beim Namen Navyboot dürfte bei vielen etwas im Hinterkopf klingeln: Lederwaren wie Schuhe, Gürtel oder Taschen, ein etwas seltsames Artischoken-Logo über dem Schriftzug, eigene Läden an bester Lage in den grossen Schweizer Einkaufsstrassen.
2021 wurde es still um die Marke, die letzten eigenständigen Navyboot-Filialen schlossen ihre Türen. Jetzt steht die kultige Modemarke vor einem Comeback: Ochsner Shoes führt Navyboot neu als Lizenzmarke – und bringt sie ab 26. August zurück in die Läden.
Eine Kollektion mit 60 Schuhmodellen wird in 30 Ochsner-Shoes-Filialen und online erhältlich sein. Darüber berichtete «20 Minuten» zuerst. Die Deichmann-Tochter entwickelt und produziert die Kollektion selbst, wie Firmenchef Claude Bucher gegenüber Blick erklärt.
Neben klassischen Modellen wie Loafern oder Business-Schuhen gibt es auch moderne Sneaker zu kaufen. Das Ziel: «Sowohl Kundinnen und Kunden ansprechen, die Navyboot bereits kennen, als auch eine neue Generation für die Marke gewinnen», sagt Bucher.
Der Schuhmarkt im Wandel
Das Comeback fällt in eine Zeit, in der in der hiesigen Schuhbranche darüber gestritten wird, was eine Schweizer Marke überhaupt ausmacht. Navyboot wurde 1991 in Zürich gegründet. Der Schriftzug «Switzerland» unter dem Markennamen soll das unmissverständlich klarmachen. Doch wie viel Schweiz muss in einem Schuh stecken, damit er mit «Swissness» beworben werden darf?
Die Frage erhielt im März 2026 neue Brisanz. Der Bundesrat entschied überraschend, die Regeln für die Verwendung des Schweizerkreuzes durch Unternehmen zu lockern. Grosser Gewinner der sogenannten Lex On: der Laufschuhproduzent On. Er darf das Schweizerkreuz weiter auf seine Schuhe drucken – obwohl er in Asien produziert.
Auch für die Schuhmarke Künzli aus Windisch AG, die in Portugal produziert, kommt das gelegen. Aber: «Wir wollen keine Lex On», sagte CEO Roberto Martullo (64) damals. Es werte das «Swiss made» zu sehr ab. Kritik gab es auch von Kybun-Joya-Chef und Ex-Mister-Schweiz Claudio Minder (46). Seine Wanderschuhe werden künftig in Italien statt in der Schweiz produziert. «Wir wollen nicht als Musterknabe sterben, während andere die Regeln zu ihren Gunsten auslegen», sagte Minder zu Blick.
Produktion in Spanien und Portugal
Wie steht es um die Swissness bei Navyboot? Bei der Wiederbelebung der Marke spielte sie eine zentrale Rolle, wie Bucher erzählt: «Unser Sortiment ist heute stark durch internationale Marken geprägt. Mit Navyboot ergänzen wir dieses gezielt um eine Schweizer Marke mit eigener Geschichte und klarer Positionierung im Premiumsegment.»
Produziert wird allerdings im Ausland. Die neuen Navyboot-Treter kommen aus Spanien und Portugal. «Die Schweizer Herkunft und Identität von Navyboot bleiben ein wichtiger Bestandteil der Marke», versichert Bucher. Swissness definiere Ochsner Shoes aber nicht ausschliesslich über den Produktionsstandort, «sondern auch über den Designanspruch und die Werte, für die Navyboot steht».
Von 40 Navyboot-Filialen auf null
Nach der Eröffnung der ersten Navyboot-Filiale am Zürcher Bellevue im Jahr 2001 ging es mit dem Unternehmen steil aufwärts: Gründer Bruno Bencivenga (71) baute es zu einer Lifestyle-Marke aus, unter dem Label gab es bald auch Unterwäsche, Kleider, Taschen, Brillen und sogar Parfüms. Zur Blütezeit verfügte Navyboot über rund 40 Filialen in der Schweiz, beschäftigte etwa 350 Angestellte und setzte 2006 rund 100 Millionen Franken um.
2008 verkaufte die Familie Bencivenga das Unternehmen an Ex-Denner-Besitzer Philippe Gaydoul (54) beziehungsweise dessen Gaydoul Group. Dieser baute die Marke weiter aus und positionierte sie stärker im Premiumsegment. Zehn Jahre später verkaufte Gaydoul Navyboot an die damalige Migros-Tochter Globus. Kurz darauf begann der Rückzug: Mehrere Standorte schlossen, die eigenständigen Läden gerieten zunehmend unter Druck. Die verbliebenen Filialen und Outlets gingen schliesslich zusammen mit früheren Schild- und Herren-Globus-Standorten an Thomas Herbert und das Ehepaar Bayard. Unter den neuen Eigentümern wurden sämtliche Navyboot-Standorte geschlossen.