Darum gehts
- Schuhproduktion von Kybun-Joya teilweise nach Italien verlagert wegen «Lex On»
- Schweizerkreuz darf mit Zusatz seit März auch auf ausländisch gefertigte Produkte gedruckt werden
- Produktion für Kybun-Schuhe in Italien 35 Prozent günstiger als in der Schweiz mit einem Stundenlohn von 23.50 Franken
Jetzt ist fertig! «Unsere Wanderschuhe werden in Zukunft in Italien statt in der Schweiz hergestellt», sagt Claudio Minder (46), Co-CEO der Schuhmarke Kybun-Joya. Das Schweizer KMU verlagert einen Teil der Produktion nach Italien. Das gibt der gerne mal als Schweizer Schuhkönig bezeichnete Minder an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) bekannt. Leicht sei ihm der Entscheid nicht gefallen, wie der ehemalige Mister Schweiz gegenüber Blick verrät: «Für uns ist das eine Niederlage. Aber wir wollen nicht als Musterknabe sterben, während andere die Regeln zu ihren Gunsten auslegen.»
Warum platzt Minder gerade jetzt der Kragen? Konkret bewegt die neue «Lex On» Minder zu diesem Entscheid. Das Schweizerkreuz darf seit März auch auf Produkte gedruckt werden, die nicht in der Schweiz hergestellt werden. Das hat das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) im Frühjahr überraschend entschieden. Zuvor musste mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz stattfinden, um das Kreuz auf dem Produkt verwenden zu dürfen.
Hintergrund für den IGE-Entscheid ist ein Streit mit dem Schweizer Sportartikelhersteller On. Die Laufschuhe werden in Asien, mehrheitlich in Vietnam, produziert. Im Ausland setzte On aber trotzdem auf das Schweizerkreuz, was für Diskussionen sorgte. Nach langem Hin und Her setzt sich der Schuhgigant durch: On-Schuhe dürfen neu das Landeswappen tragen, jedoch verbunden mit dem Hinweis, dass die Schuhe in der Schweiz entwickelt wurden. Deshalb wird der IGE-Entscheid auch «Lex On» genannt.
Made in Italy mit Schweizerkreuz?
Die Schuhe von Kybun werden sowohl in Sennwald SG als auch in Italien produziert. Nur Produkte, die hierzulande hergestellt werden, tragen das Schweizerkreuz und den Schriftzug «Made in Switzerland» auf der Sohle. Nun dürfte Minder das Schweizerkreuz auch auf Schuhe drucken, die in Italien produziert werden. Denn wie bei On stammt schliesslich das Design aus der Schweiz. «Wir sind uns da intern noch nicht einig geworden, ob wir das machen wollen. Denn damit werten wir unseren Standort in der Schweiz weiter ab», erklärt Minder im Gespräch.
Die Araber würden die Gesundheitsschuhe von Kybun bewusst wegen der Schweizer Qualität kaufen – die Exemplare aus Italien bringt Minder dort nicht los. Doch in unserem südlichen Nachbarland kann er 35 Prozent günstiger produzieren als hierzulande. In der Schweiz zahlt Kybun-Joya einen Stundenlohn von mindestens 23.50 Franken.
Eigentlich wollte Minder die Schuhindustrie zurück in die Schweiz holen – doch das ist jetzt kaum mehr möglich. Für den Standort Sennwald ist bereits eine neue Maschine für eine automatisierte Produktion startklar. Zudem baut Minder dort gerade eine neue Produktionslinie auf. «Doch statt neue Stellen in der Schweiz zu schaffen, müssen wir jetzt einen Teil der Produktion nach Italien verlagern», so Minder. Davon sind hierzulande etwa 40 Mitarbeitende betroffen. Doch sie dürfen bei Kybun-Joya bleiben, einfach ihre Tätigkeit ändert sich mit der neuen Maschine.
Zu Minders Schuhimperium gehören auch die Marke Joya, die in Indonesien hergestellt wird, sowie Kandahar, die in der Schweiz produziert wird. Auch Kandahar-Schuhe könnten jetzt theoretisch im Ausland hergestellt werden – und trotzdem das Schweizerkreuz tragen. Mit dem Kauf von Elgg wollte Minder zudem die Produktion von Militärstiefeln zurück in die Schweiz holen, stattdessen wurde die Produktion nach Indonesien verlagert.
Motion soll Druck machen
Der Schuhkönig zeigt sich vom Entscheid des IGE sehr überrascht: «Erklären kann sich das niemand mit normalem Menschenverstand.» On soll offenbar heftig lobbyiert haben beim Bund. Minder selbst beschreibt das IGE als «teilweise sehr penetrant». Bei den Schuhen, die Kybun bereits bisher in Italien produziert hatte, musste neben dem Begriff «Swiss Engineering» auch immer «made in Italy» sichtbar sein. «Bis im März war das Pflicht, und wir sind fast mit dem IGE vor Gericht gelandet, bevor wir uns einigen konnten», so Minder. Und nun die drastische Kehrtwende des IGE, die diese ganze Diskussion obsolet macht.
Minder wählt nun gemeinsam mit dem SGV den politischen Weg. Unter anderem hat Fabio Regazzi (64), Präsident des SGV und Mitte-Ständerat, eine Motion eingereicht, um den Entscheid wieder umzukehren. «Doch es kann gut drei bis vier Jahre dauern, bis sich wieder etwas ändert», so Minder. Abwarten? Für das Schweizer KMU keine Option – doch die Hoffnung bleibt.