Neue Umfrage im Kanton Zürich zeigt immer mehr Leerkündigungen
84 Prozent der Mieter haben Angst vor einem Rauswurf

Im Kanton Zürich fürchten fast alle Mieterinnen und Mieter, ihre Wohnung zu verlieren. Laut einer Umfrage sorgen Leerkündigungen durch Immobilienbesitzer für wachsende Unsicherheit – bei älteren Menschen ist die Angst besonders gross.
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Die Bewohner von drei Sugus-Häusern in der Stadt Zürich erhielten alle die Kündigung.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Viele Mieter in der Agglo Zürich betroffen: Leerkündigungen 13-mal häufiger als in Genf
  • 94 Prozent fordern besseren Schutz vor Leerkündigungen durch den Kanton Zürich
  • ETH-Studie: Neue Mieter in Ersatzneubauten verdienen doppelt so viel wie Vormieter
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Mieterinnen und Mieter im Kanton Zürich leben gefährlicher als anderswo. Der Grund: Immobilienbesitzer kündigen deutlich mehr Wohnungen leer als in anderen Kantonen. Entsprechend gross ist die Angst in der Bevölkerung, die Wohnung verlassen zu müssen, wie eine aktuelle Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo zeigt. Fälle wie die Leerkündigung der Sugus-Häuser in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs haben national für Furore gesorgt. 

Das Ergebnis der Umfrage ist eindrücklich: 84 Prozent der Befragten im Kanton Zürich sagen, dass ihnen die aktuelle Entwicklung zunehmender Leerkündigungen grosse Sorgen bereitet. Bei den Ü-55-Jährigen sind es sogar 91 Prozent. Die Sorge ist nicht unbegründet: So werden in der Agglomeration Zürich 13-mal häufiger Personen auf die Strasse gestellt im Vergleich zur Agglomeration Genf, so eine Studie der ETH Zürich.

Grosses Aufwertungspotenzial

Die Umfrage wurde vom Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz in Auftrag gegeben. Der Zeitpunkt dürfte kaum zufällig gewählt sein. Die Stimmbevölkerung im Kanton Zürich stimmt am 14. Juni unter anderem über die Wohnschutz-Initiative ab, mit der bezahlbare Wohnungen geschützt und Leerkündigungen gestoppt werden sollen. Die Initiativgegner halten dagegen, dass bei einer Annahme weniger gebaut wird. Von den knapp 35'000 Personen in der Umfrage sind gut zwei Drittel Mitglied beim Mieterverband.

Die hohe Zahl an Leerkündigungen im Kanton Zürich ist auf das riesige Aufwertungspotenzial bei vielen Immobilien zurückzuführen. So liegen die Bestandsmieten in älteren Immobilien oft weit unter den Marktmieten. Bei einem Ersatzneubau werden anschliessend Marktmieten verlangt – das geschieht häufig auch nach Kernsanierungen. Zudem entsteht in der Regel etwas mehr Wohnfläche.

Es trifft oft Menschen mit tiefen Einkommen

Gemäss ETH-Studie sind deshalb besonders häufig Menschen mit tiefen Einkommen von Leerkündigungen betroffen. Denn sie wohnen oft in älteren Liegenschaften. In der Agglomeration Zürich finden anschliessend 73 Prozent innerhalb ihrer Wohngemeinde eine neue Bleibe. In der Stadt Zürich sind es 62 Prozent. Werden Betroffene innerhalb ihrer Wohngemeinde fündig, sind die neu bezogenen Wohnungen meist relativ alt – weshalb die Gefahr eines neuerlichen Rauswurfs hoch ist.

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In den häufig luxuriösen Ersatzneubauten ziehen gemäss ETH Mieter mit im Schnitt doppelt so hohen Einkommen ein im Vergleich zu den vorherigen Bewohnern – Gutbetuchte ersetzen Geringverdiener.

Das spiegelt sich in der Umfrage wider: 79 Prozent aller Befragten stimmen der Aussage zu, dass es im Kanton Zürich für ältere Menschen und Familien zu wenig Wohnraum hat, den sie sich leisten können. 94 Prozent sehen den Kanton Zürich in der Pflicht, Mieter besser vor Leerkündigungen zu schützen.

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