Neue Kapitalregeln
Den UBS-Chefs steht nun der wahre Kampf bevor

Die Integration der CS hat die Grossbank effizient durchgezogen. Doch der Kampf geht weiter – gegen die neuen Eigenkapitalvorschriften der eigenen Regierung.
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UBS-CEO Sergio Ermotti (vorn) und VR-Präsident Colm Kelleher wehren sich gegen überzogene Kapitalforderungen – im Namen ihrer Aktionäre.
Foto: Martin Rütschi, Thomas Meier

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Dirk Schütz
Bilanz

Wie viel Symbolkraft die Krawatte heutzutage noch verströmt, ist je nach Branche unterschiedlich. In der UBS hat sie eine besondere Bedeutung.

Zwar hat sich der Dresscode gelockert, auch am Empfang am Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 45 tragen die stets freundlichen Herren keinen Halsschmuck mehr. Doch Präsident Colm Kelleher verkörpert traditionelle Banker-Schule, gestählt in vielen Jahren am Morgan-Stanley-Hauptsitz am Times Square in New York: Binder ist Pflicht. Sein CEO Sergio Ermotti dagegen, von ihm vor drei Jahren zum Comeback überredet, gönnte sich in seiner Auszeit als VR-Präsident der nicht ganz so spannungsstarken Swiss Re eine neue Lockerheit, und diese Freiheit lässt er sich nicht nehmen. Selbst im Eröffnungsbild des Geschäftsberichts verzichtet er auf den Seidenschmuck. Und so beobachten die weiblichen Top-Kader mit grossem Spass, wie sich ihre männlichen Kollegen beim Gang zum Präsidenten eine Krawatte zuführen, bis in untere Chargen. Nur Ermotti gönnt sich Kragenfreiheit.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

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Respekt und Einigkeit

Es ist einer der wenigen Bereiche, in dem sich die beiden Vormänner nicht einig sind. Kellehers Vorgänger kam aus einer anderen Welt: Axel Weber war ein deutscher Beamter, sozialisiert in der theoretischen Welt der Ökonomieprofessoren und als Chef der Deutschen Bundesbank mit den schnell getakteten Stürmen eines globalen Bankkonzerns wenig vertraut, dafür aber dem grossen Auftritt durchaus zugetan. Den braucht Kelleher nicht. Dafür hält er die Zügel umso fester in der Hand.

Sergio Ermotti (l.) mit dem früheren VR-Präsidenten Axel Weber – und Krawatte.
Foto: Philippe Rossier

Ermotti hatte sich mit Weber in den neun gemeinsamen Jahren arrangiert, doch wirkliche Nähe war da nie. Die Gemütslage nach den wöchentlichen Meetings war zuweilen angespannt, wie Mitarbeiter berichten, die im Anschluss mit dem UBS-Chef zusammensassen. Kelleher ist dagegen wie Ermotti in den Handelsräumen einer Wall-Street-Bank gross geworden und hat die Transaktionskultur mit schnellen Entscheidungen und unbedingter Verlässlichkeit inhaliert, sogar noch stärker als der Tessiner, der seine prägenden Jahre bei dem Wall-Street-Haus Merrill Lynch verbrachte, heute Teil der Bank of America. Der lebensfrohe Ire Kelleher hat von Weber die Wohnung in der Zürcher Innenstadt übernommen, in welcher er noch immer wohnt, allerdings nach radikaler Neudekoration inklusive Whisky-Depot. Viel mehr ist da kaum von Webers zehn Jahren.

Es ist das engste Führungsduo seit der Fusion 1998. «Sie behandeln sich mit grossem Respekt», heisst es aus der Konzernleitung unisono. Als es vor der Generalversammlung Mitte April darum ging, in der Nachfolgefrage Zeit zu gewinnen, klärte das Duo die Lage schnell: Der CEO verschiebt seinen Abtritt, bislang auf die Generalversammlung 2027 geplant, um mindestens ein Jahr. Dafür wird das Cooling-off verkürzt. Statt wie bislang geplant zwei Jahre beträgt es nur noch ein Jahr – Ermotti könnte dann im Frühjahr 2029 Chairman werden, wie Kelleher es im September 2025 beim BILANZ Business Talk erstmals angedeutet hatte: «Ich würde es schätzen, wenn Sergio übernimmt.»

In einem Townhall Ende März betonte Kelleher dann auch, dass Ermotti das volle Vertrauen des Verwaltungsrats geniesse und «hier sei, um zu bleiben». Die Botschaft: Die Nachfolgedebatte wird in den Medien geführt, aber nicht bei uns. Bei Weber lief der Übergang noch holpriger: Er wollte Ermotti keine Zusage für den Präsidentenposten geben und bezeichnetete ihn als «einen Kandidaten», zudem hätte das Cooling-off mindestens zwei Jahre betragen, wie in Webers Heimatland festgelegt, anders als in der Schweiz, wo die Finma beim Wechsel eines CEO zum VR-Präsidenten eine Cooling-off-Periode von nur zwölf Monaten verlangt.

Finanzministerin Karin-Keller-Sutter und Finma-Chef Stefan Walter verordnen der letzten Schweizer Grossbank extrem strenge Regeln.
Foto: Lucas Ziegler für BILANZ, Peter Schneider / BILANZ-Montage

Da ging Ermotti 2021 lieber als Präsident zur Swiss Re, vom UBS-Verwaltungsrat wenig beeindruckt. Noch ist es nicht so weit, und im Banking kann immer viel passieren. Aber als sicher darf gelten: Wenn Ermotti als CEO geht und ein Jahr später Präsident werden soll, wird die Bank diese Wechsel zusammen kommunizieren.

Grösster Datentransfer

Mächtiger war der 65-jährige Tessiner nie. Schon bei seiner Abtrittsrede bei der virtuellen Corona-Generalversammlung im April 2020 forderte er eine Wachstumsstrategie, die Übernahme der CS hatte er intern mehrfach in Strategieübungen durchgespielt, und als er drei Jahre später für die Implementierung von Kelleher zurückgeholt wurde, hatte er seinen Plan zur Totalintegration des Rivalen bereits im Kopf.

Dennoch war der Erfolg nicht so offensichtlich, wie es jetzt scheint: Es war die erste Fusion von zwei global systemrelevanten Banken seit der Finanzkrise von 2008, die Datenmenge von 110’000 Terabytes war die grösste, die jemals in der Firmenwelt integriert werden musste. Gewiss, es war eine glasklare Übernahme, das aufwendige Austarieren, das die letzte Grossbankenfusion 1998 zwischen UBS und Bankverein noch gelähmt hatte, entfiel: Die CS wurde einfach auf die UBS-Plattform transferiert und ihr Topmanagement entlassen. Doch die Mammut-Übernahme ohne grössere Unfälle und zeitlich stets vor dem ausgegebenen Terminplan durchzuziehen, bleibt eine Managementleistung, die die Anerkennung des Bankchefs und seines Teams in der Finanzwelt und unter den globalen Investoren weiter gesteigert hat.

Mission erfüllt: Schweiz-Chefin Sabine Keller-Busse (l.) und die Integrationsverantwortliche Michelle Bereaux.
Foto: Keystone, Martin Rütschi / BILANZ-Montage

Die Hauptarbeit der Umsetzung lag bei der Integrations-Chefin Michelle Bereaux, bei der alle Fäden der 21 Workstreams mit mehr als 200 Sub-Streams zusammenliefen, und der Schweiz-Chefin Sabine Keller-Busse, die 95 Prozent der Kundenüberführungen verantwortete. An sieben Wochenenden wurden in der Schweiz mehr als eine Million Kunden sauber übergeführt, Zentrale war ein unspektakulärer Zweckbau in Zürich Altstetten. Die Anspannung war jedes Mal gross. Im November stand die Aktion wegen einer IT-Panne kurz vor dem Abbruch. Als am letzten März-Wochenende die letzten Kunden mit besonders schwierigen Portfolios übertragen worden waren, war die Feier mit Schweizer Kuhglocken besonders laut. Drei Millionen Briefe wurden in der Schweiz verschickt, mehr als 17’000 Schlüsselkunden manuell betreut. Dazu ging das Team Ermotti auch bei der heiklen Frage des Mitarbeiterabbaus geschmeidig vor. 157’000 Mitarbeitende zählte der Konzern bei Fusionsbeginn insgesamt, davon 35’000 Externe. Die letzten Zahlen weisen noch 119’000 Stellen aus, davon 16’000 Externe – ein Minus von 38’000. Gegen 10’000 Stellen sollen noch wegfallen. In der Schweiz soll es dabei bei den angekündigten 3000 bleiben, vieles läuft über Fluktuation und Pensionierungen. Motto: Bloss keine Brechstange.

Doch das Problem bleibt: Die Börse ist nicht beeindruckt. In diesem Jahr zählt die Aktie mit einem Minus von mehr als zehn Prozent im ersten Quartal zu den Schlusslichtern im SMI. Die UBS ist die einzige kontinentaleuropäische Bank mit globaler Präsenz, doch die spanische Santander und die italienische Unicredit bringen mehr Börsenwert auf die Waage. Besonders der Ex-UBS-Investmentbanking-Chef Andrea Orcel stürmt voran: Seit der CS-Übernahme ist die Unicredit-Aktie unter den europäischen Banken am stärksten gestiegen, die UBS liegt hinter dem Bankenindex und dem US-Grossrivalen Morgan Stanley. Gerüchte, dass Orcel als UBS-Chef zurückkehrt, kursieren immer wieder. Doch realistisch sind sie nicht – dazu haben sich beide Seiten zu sehr auseinandergelebt.

Foto: Bilanz

Sonnige Erwartungen

Das Dilemma: Einerseits sichert die Weltmarktführerschaft im Wealth Management stabile Erträge, andererseits fehlt die Fantasie für Ausreisser nach oben, und der Kampf um die Reichen wird härter und der Technologiedruck grösser. Die UBS hat nach der Finanzkrise ihr Investmentbanking inklusive Trading massiv reduziert, wird an der Börse aber noch immer wie ein Gemischtwarenladen und nicht wie ein reiner Wealth Manager eingestuft. Morgan Stanley, obwohl mit deutlich grösserem Investmentbanking-Anteil, wird mit einem Verhältnis zum Buchwert von 2,76 gehandelt, bei der UBS sind es gerade 1,42.

Da ist sicher die grössere Liquidität des US-Markts ein Vorteil. Doch auch Unicredit, Santander und sogar der britische Banktanker HSBC liegen vor der UBS. Natürlich drückt da noch der Profitabilitätseinbruch durch die CS-Übernahme auf die Aktie. Doch die Früchte der Arbeit lassen sich längst in den Analystenprognosen sehen: Weitere 2,8 Milliarden Dollar sollen dieses Jahr eingespart werden, insgesamt liegen die Ersparnisse dann bei 13,5 Milliarden, der Nettogewinn verdoppelt sich nach der Integration von zuletzt 7,7 auf mehr als 14 Milliarden im Jahr – und erreicht damit die Eigenkapitalrendite der UBS vor der Übernahme. Doch selbst diese sonnigen Erwartungen reichen beim Börsenwert derzeit nur für Platz 17 in der Bankenwelt.

Der Grund liegt vor allem in einem Bremsklotz, den die UBS exklusiv hat: das Friendly Fire der eigenen Regierung. Einen Aktienkurs von 50 Franken nannte der Investor Cevian bei seinem Einstieg 2023 als realistische Zielmarke. Derzeit sind schon 35 Franken Balsam. Auf 50 bis 80 Milliarden Franken Börsenwert schätzt die Bank intern den Abschlag durch die angedrohten Verschärfungsmassnahmen, die bei kompletter Annahme die Eigenkapitalvorgaben 50 Prozent über den Durchschnitt der globalen Wettbewerber heben würden, trotz risikoärmeren Geschäftsmodells. Das Verhältnis zu Finanzministerin Karin Keller-Sutter ist zerrüttet. Dass ein geheimes Treffen mit Kelleher öffentlich wurde, trug nicht zur Vertrauensbildung bei.

Nach ihrem – milde formuliert – glücklosen Präsidialjahr wirkt es so, als wollte sich die Finanzministerin im UBS-Dossier mit besonders harter Kante profilieren. Obwohl die Vernehmlassung starken Gegenwind gegen ihre scharfen Vorschläge brachte, hält sie an ihren Maximalforderungen fest – mit durchaus postfaktischen Reminiszenzen an ihre Nemesis Trump.

«Es gibt keine Front gegen diese Massnahme», behauptet die FDP-Bundesrätin etwa Ende Januar im Finanzblatt «FuW» in Bezug auf ihr Paket. Nun: 17 Kantone sprechen sich aus Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit explizit gegen die Verschärfung aus, genauso wie beide Wirtschaftskommissionen im Parlament, ihre eigene Partei mit Patriarch Kaspar Villiger und der Grossteil der Verbandsschweiz von Economiesuisse bis Arbeitgeberverband – nur SP und Gewerkschaften sind dafür. Die Schweiz sei «ein Sonderfall, weil das Auslandsgeschäft von UBS deutlich grösser ist als ihr Heimmarkt», behauptete sie weiter. Nun: Das gilt auch für Unicredit oder Santander in ähnlicher Dimension, doch sie müssen ihre Auslandstöchter nicht mit 100 Prozent Kapital unterlegen – auch die britische HSBC nicht, ebenfalls mit sehr grossem Auslandsgeschäft, auch wenn Keller-Sutter behauptet, dass Grossbritannien von «ihren Grossbanken grundsätzlich längst eine 100-prozentige Unterlegung der Auslandstöchter» verlange. Das stimmt schlicht nicht – im Gegenteil: In England werden die Kapitalregeln gerade gelockert, wie in den USA. Nur die Schweiz zieht an, und das sogar massiv.

In ausländischer Hand

Wenig überzeugend auch ihre Einschätzung zu den AT1-Anleihen, deren juristisch schlampige 17-Milliarden-Abschreibung am Fusionswochenende im März 2023 unter ihrer Ägide stattfand und vom Bundesverwaltungsgericht in ihrem Heimatkanton St. Gallen als rechtswidrig einkassiert wurde. Sie gälten «unter Fachleuten nicht als die richtige Medizin, weshalb die Europäische Zentralbank sogar die Abschaffung diskutiert». Fakt ist: Der 200-Milliarden-AT-1-Markt in Europa ist vital und wird von vielen Banken genutzt – auch von der UBS. Ein Auslaufmodell ist er nicht.

Das Verstörende daran: Das verbissene Vorgehen der Finanzministerin schadet dem Image des gesamten Finanzplatzes. Die UBS ist längst in ausländischer Hand: Gegen 80 Prozent der Aktien liegen bei ausländischen Investoren, vorneweg die grossen angelsächsischen Fondshäuser, nur 20 Prozent bei heimischen Retailanlegern und der UBS selbst in Fonds und Mitarbeiterpaketen. Kelleher traf vor der Generalversammlung Mitte April zwei Drittel der global tätigen Investoren, und der Tenor war eindeutig: Dass die Schweizer Regierung die Wettbewerbsfähigkeit ihrer einzigen Bank mit globaler Strahlkraft so stark torpediert, ist wirtschaftsfeindlich. Der Unmut in manchen Treffen war so gross, dass Kelleher fast bremsen musste. «Wir wollen unseren Hauptsitz in der Schweiz behalten», betonte er an der Generalversammlung dann auch. Doch angesichts der «extremen Vorschläge» und des dadurch «wachsenden Drucks von Märkten und Aktionären» könnten «wichtige geschäftliche Entscheidungen bald unausweichlich werden». Im Klartext: Der Wegzug bleibt eine Option. Es gibt zwar keinen formalen Antrag im Verwaltungsrat, doch es gehört zur Treuepflicht des Präsidenten, die Szenarien detailliert durchzuspielen. Das tut er mit einer kleinen Einsatztruppe.

Foto: Bilanz

Für die Anleger geht es schlicht um den Schutz ihres Investments: Eine UBS in New York würde den Kurs um 30 bis 50 Prozent heben, allein wegen der deutlich tieferen Kapitalanforderungen, der höheren Bankbewertungen und der Aufnahme in die grossen US-Indizes. Gewiss, die rechtlichen Anpassungen wären gross, die Wegzugsbesteuerung läge laut Bank of America bei mehr als zehn Milliarden Franken, und für viele internationale Kunden ist die Swissness ein Vorteil. Doch überschätzen sollte man sie nicht: Es war auffällig, wie viele der Wealth-Management-Kunden im Schlüsselmarkt Asien nach der CS-Pleite nicht etwa zu einer anderen Schweizer Bank wechselten, sondern zu den Amerikanern. De facto ist der UBS-Verwaltungsrat seinen ausländischen Eigentümern verpflichtet – und die sind verärgert über die harte Linie der Regierung, die so konträr zu den anderen Finanzzentren verläuft.

Für die UBS heisst das: Crunch Time. Als wahrscheinlicher Termin für die Verkündung von Keller-Sutters Härtepaket galt der 22. April (nach BILANZ-Redaktionsschluss). Dass sie den wesentlichen Teil – die Kapitalunterlegung der Auslandstöchter – ins Parlament verlegt hat, war ein geschickter Schachzug: Die Regierung kann über eine Verfügung Härte zeigen bei so sperrigen Themen wie Software- und Steuerabschreibungen, reicht aber die Hauptverantwortung an die Abgeordneten weiter. Keller-Sutters harte Linie ist auch das Glück ihres Mitstreiters Stefan Walter an der Spitze der Finma. Ihr bankennaher Vorgänger Ueli Maurer hatte den im Finanzlager als zu scharf taxierten Finma-Chef Mark Branson so weit destabilisiert, dass dieser ging. Walter, obwohl deutlich schärfer als Branson, übersteht mit seiner Schutzpatronin derzeit noch heftigste Kritik aus dem Bankenlager.

Front gegen Keller-Sutter

Wenn das Paket dann voraussichtlich am 4. Mai in die Wirtschaftskommission des Ständerats kommt, stehen die Zeichen auf mehr Vernunft: Mit Keller-Sutters Parteikollegen Thierry Burkart sowie Erich Ettlin (Mitte) und Werner Salzmann (SVP) fordert das bürgerliche Lager geschlossen eine Lösung, die der UBS-Aktie vor Weihnachten ein kurzes Kursrally bescherte: Die Lücke bei den Auslandsbeteiligungen sollen mit den bei Keller-Sutter so verhassten AT-1-Anleihen gefüllt werden. Die UBS-Spitze könnte damit leben, doch die Gefahr bleibt, dass schon dieser Kompromiss vielen frustrierten Grossinvestoren zu weit geht und sie dennoch auf den Wegzug drängen. Dazu drückt die Ungewissheit. Die Parlamentsdebatte beginnt, doch bis zur Abstimmung wird es schnell 2027.

Die Helfer im Ständerat sind Erich Ettlin (Mitte), Thierry Burkart (FDP), Werner Salzmann (SVP, v.l.): für AT1-Anleihen – und gegen Karin Keller-Sutter.
Foto: Keystone / BILANZ-Montage

Das Thema beeinflusst auch die Ermotti-Nachfolge. Einen neuen CEO einzuarbeiten, wenn die grossen Weichenstellungen noch bevorstehen, erschien Kelleher und seinen Mitstreitern im Verwaltungsrat wenig sinnvoll, zumal derzeit keiner der internen Kandidaten hervorsticht. Von den Mitgliedern, die 2020 Ermotti keine Zusage für den Präsidentenposten geben wollten, sind nur noch Lead Director Jeremy Anderson und die Vergütungs-Chefin Julie Richardson dabei. Den verdienten Vize Lukas Gähwiler ersetzte Kelleher durch den Compliance-Veteranen Markus Ronner, die Mitglieder Bill Dudley und Jeanette Wong machten Platz für den langjährigen Apple-Finanzchef Luca Maestri und den Notenbank-Veteranen Agustín Carstens. Die Tür für Ermotti steht also offen. Und natürlich wird er auch ein Mitspracherecht bei der Suche nach einem neuen Konzernchef haben.

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Dass er nach dem Zoff mit dem damaligen CS-Chef Tidjane Thiam den dortigen Wealth-Management-Chef Iqbal Khan 2019 zur UBS lotste, galt als Zeichen der Nähe. Doch die Verantwortung für das globale Wealth Management muss sich Khan seit 2024 mit dem US-Chef Rob Karofsky teilen, die CS-Vergangenheit mit der «rotten culture» (Kelleher) drückt noch immer, und die peinlichen Verluste im letzten Jahr mit riskanten Dollar-Derivaten kamen aus seiner Sparte. Intern wollte er offenbar der erfolgreichen Schweiz-Chefin Keller-Busse einen Teil der Verantwortung zuschieben, was keine Pluspunkte brachte. Allerdings: Dass der von Khan eingesetzte Schweizer Wealth-Management-Chef August Hatecke gehen musste, wie von «Inside Paradeplatz» behauptet, stimmt nicht. Auch die anderen Kandidaten wirken derzeit kaum CEO-kompatibel. Die neue COO Beatriz Martin gilt als sehr effizient, hat aber nie operative Ergebnisverantwortung getragen. Der Asset-Management-Chef Aleksandar Ivanovic leitet nur einen Randbereich. Top-Kandidat heute wäre der breit aufgestellte Karofsky. Doch der ist Amerikaner und wird nächstes Jahr 60 Jahre alt.

Nachfolge-Quartett: COO Beatriz Martin, die Co-Wealth-Management-Chefs Iqbal Khan (oben r.) und Robert Karofsky (unten l.), Asset-Management-Vorsteher Aleksandar Ivanovic.
Foto: Jonathan Goldberg, PR / BILANZ-Montage

Aber beim ewigen UBS-Kandidatenkarussell gilt ohnehin: Es kommt immer anders. Bei Ermottis erstem Ausscheiden 2020 lagen zwischen der Ernennung des Nachfolgers Ralph Hamers und seinem Abtritt sieben lähmende Monate. Dieses Mal sollen es kaum mehr als drei Monate sein. Das heisst: Bis mindestens Ende 2027 drohen unzählige Kandidaten-Stories, aber keine Bestätigung. Erst müssen die grossen Fragen in Bern geklärt werden.

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