Mitarbeiter alarmieren Suva und Arbeitsinspektor mit Brandbrief
Was lief da wirklich im neuen Mega-Verteilzentrum von Migros Online?

Geht im neuen Logistikzentrum von Migros Online in Regensdorf ZH alles mit rechten Dingen zu? Mitarbeiter schlagen Alarm und schalten das Arbeitsinspektorat und die Suva ein. Die Migros legt unterdessen mit dem neuen Mega-Lager den Schalter auf Wachstum.
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Das neue Migros-Online-Verteilzentrum in Regensdorf ZH hat im Mai den Betrieb aufgenommen.
Foto: Migros

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neues Migros-Logistikzentrum in Regensdorf seit Mai 2026 in Betrieb
  • 21’000 Produkte, 7500 Bestellungen täglich, Fläche über fünf Fussballfelder
  • Beschwerden über Arbeitsbedingungen und Sortimentslücken trotz optimierter Prozesse

In Regensdorf ZH steht der neue «Knotenpunkt der Migros-Online-Logistik». So beschreibt der orange Riese sein neues Verteilzentrum, das am Dienstag den Medien vorgestellt wurde. Es ersetzt die bestehenden Lager in Bremgarten AG und Pratteln BL. Bei der Grundsteinlegung im Februar 2023 sprach Migros-Online-Chefin Katrin Tschannen (45) von «optimierten Prozessen» im Lager und rund 500 «attraktiven sowie ergonomisch optimal gestalteten» Arbeitsplätzen.

Nach drei Jahren Bauzeit ging das moderne Logistikzentrum Ende Mai 2026 in Betrieb. Auf einer Fläche von über fünf Fussballfeldern auf vier Etagen lagern 21’000 Lebensmittel, die über den Migros-Onlineshop bestellt werden können. 7500 Bestellungen können so täglich abgewickelt werden.

Lücken im Sortiment und Wartezeiten für die Kundschaft

Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Artikel auch tatsächlich versandbereit sind. Seit mehreren Wochen häufen sich Beschwerden von Migros-Online-Kundinnen, die über fehlende Produkte – von Tampons über Picknick-Eier bis zu Blevita-Crackern – klagen. Zuerst berichtete CH-Media über die Lücken im Online-Sortiment.

Laut einem Migros-Sprecher sei die Sortimentsbreite «in einzelnen Bereichen gezielt reduziert worden». Einschränkungen gehörten zur «Inbetriebnahme eines komplexen neuen Logistikstandorts», man könne so Überlastungen im Betrieb vermeiden, hiess es im August. Alles in Butter? 

Arbeitsinspektoren fuhren ein nach Hinweisen von Mitarbeitern

Offenbar nicht: Laut Migros braucht es noch ein paar Monate, bis die Sortimentsbeschränkungen aufgehoben werden. Gleichzeitig wurde kürzlich bekannt, dass Migros-Online-Chefin Tschannen das Unternehmen spätestens in einem halben Jahr verlassen wird. Einen Zusammenhang bestreitet die Migros.

Pikant ist aber: Die Migros hat offenbar die Arbeitsaufsicht an der Backe. Blick liegt ein Schreiben besorgter Mitarbeitender vor, mit dem sie am 13. April beim Amt für Wirtschaft in Zürich und der Suva in Luzern vorstellig wurden. Beide Behörden äussern sich «aus Datenschutzgründen nicht zu Einzelfällen», heisst es auf Anfrage.

Offenbar gibt es bei Migros Online seit längerer Zeit eine unbequeme Diskussion über die körperlichen Arbeitsbedingungen beim Zusammenstellen und Packen der Bestellungen, sagt ein Insider, der anonym bleiben möchte. Schon in Pratteln habe es zahlreiche Beschwerden über die körperliche Belastung gegeben.

Abläufe im Logistikzentrum laufend verbessert

Für den neuen Standort hat die Migros ihre Prozesse angepasst. Vieles wurde automatisiert. Die Mitarbeitenden sollen neu weniger weit laufen und weniger schwer heben. Und dennoch gibt es laut den Verfassern des Brandbriefes auch in Regensdorf Probleme: Sie beklagen, dass die repetitiven Bewegungen und das lange Stehen zu einer hohen körperlichen Belastung führen.

Und auch die klimatischen Bedingungen seien in gewissen Räumen herausfordernd. Bei längeren Arbeiten in den Kühlräumen sei es wie bereits in den ehemaligen Verteilzentren zu Taubheitsgefühlen an Händen und Füssen gekommen, so die Vorwürfe.

Migros-Online-Chefin Tschannen zeigt sich davon überrascht. Man habe keine Kenntnis von Beschwerden innerhalb der Belegschaft. «Das Zentrum wurde von Anfang an zusammen mit dem kantonalen Arbeitsinspektorat und der Suva konzipiert», erklärt die Bernerin. Und weiter: «Wir haben alle Arbeitsplätze mit den Behörden abgesprochen.»

Migros sieht keine Gefährdung der Gesundheit

Zum Zeitpunkt des Briefes im April sei das Zentrum im Testbetrieb gewesen. Dass es zu Beginn noch zu Problemen gekommen sei, bestreitet Tschannen dabei nicht. «Wir haben aber in dieser Zeit die Arbeitsabläufe laufend verbessert», betont sie.

Bei der Migros heisst es, man nehme die im Schreiben genannten Punkte ernst und prüfe kontinuierlich, ob und wo weitere Verbesserungen für die Mitarbeitenden sinnvoll seien. «Eine generelle Gefährdung der Gesundheit unserer Mitarbeitenden sehen wir aufgrund der bisher erfolgten Prüfungen und Abnahmen jedoch nicht», erklärt eine Migros-Sprecherin.

Coop noch vor Migros im Online-Lebensmittelhandel

Für die Migros ist ein reibungsloser Ablauf in ihrem grössten Verteilzentrum besonders wichtig. Mit diesem sollen sich die Lieferzeiten deutlich verkürzen: Im Grossraum Zürich seien Lieferungen mittelfristig am selben Tag möglich, heisst es. Mit diesem Versprechen soll im Online-Handel auch die Lücke zu Coop geschlossen werden.

Mehr Effizienz in der Logistik dank Regensdorf heisst aber auch, dass die bisherigen Standorte in Bremgarten und Pratteln «schrittweise» geschlossen werden. Allen betroffenen Angestellten habe man eine mindestens gleichwertige Stelle in Regensdorf angeboten, versichert die Migros gegenüber Blick. Der Standort in Ecublens VD bleibt dagegen für die Westschweiz erhalten.

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