Hitze-Schock im Supermarkt
Hitze-Sommer wirbelt Konsum und Preise durcheinander

Die Hitze steigt den Konsumenten nicht nur zu Kopf, sondern schlägt auch auf den Magen. Blick weiss, wie die Detailhändler auf die veränderte Nachfrage reagieren – und wo die Preise purzeln.
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Mineralwasser ist diesen Sommer bei Konsumentinnen und Konsumenten heiss begehrt.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hitze setzt Handel zu: Kühltruhen in Schönbühl BE fallen aus
  • Nachfrage nach Mineralwasser steigt, aber es sind keine grossen Engpässe zu erwarten
  • Coop-Heimlieferungen steigen zweistellig im Vergleich zum Sommer 2025

Anhaltende Temperaturen über 30 Grad bringen den Lebensmittelhandel an seine Grenzen. In der Migros im Shoppyland Schönbühl BE stiegen gestern die Kühltruhen aus – kein Einzelfall in diesem Sommer. Die wiederkehrenden Hitzewellen setzen auch den Konsumentinnen und Konsumenten zu. Sie wirbeln das Einkaufsverhalten und die Preise durcheinander.

Wenig überraschend ist Erfrischung gefragt: Mineralwasser, Aufputschgetränke wie Energy Drinks und Mate, Früchte wie Wassermelonen oder Pfirsiche und vor allem Glace landen häufiger im Einkaufskorb als bei Sommertemperaturen normaler Jahre. Das bestätigen die grossen Detailhändler und Discounter in einer Blick-Umfrage.

Überraschend umso mehr: Die Konsumentinnen und Konsumenten greifen auch häufiger zu Fertiggerichten wie Salaten und Sandwiches. «Die Hitze belastet Körper und Geist. Der Mensch neigt deshalb zu Impulskäufen», erklärt Christian Fichter (55), Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule. Schliesslich gehe es auch um den eigenen Energiehaushalt. «Wir versuchen, wegen der Hitze so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen – auch die Denk-Energie wird heruntergefahren», so der Experte. Also lieber rasch ein Sandwich essen, als zu Hause noch aufwendig am heissen Herd kochen. 

Wird das Mineralwasser knapp?

Interessant: Weniger Aktionen als üblich gab es bei den Hitzewellen der letzten Monate offenbar bei Markenmineralwasser (1,5 l) in den üblichen 6er-Packungen. Stürmen die Konsumenten die Regale, braucht es auch keine Rabatte, die zu Käufen animieren, denken sich wohl die Detailhändler.

Mineralwasser ist als Durstlöscher an heissen Tagen besonders gefragt.
Foto: zVg

Zu Hamsterkäufen und grossflächig leeren Regalen wie sie Medien im Ausland bei Markenwasser ausmachen, kam es in der Schweiz laut Angaben der grossen Detailhändler aber nicht. Doch Discounter wie Aldi bestätigten Blick im Juli bereits gewisse Engpässe. «Aufgrund des warmen Wetters haben wir in den letzten Wochen eine erhöhte Nachfrage nach Mineralwasser verzeichnet», so eine Sprecherin. «Im Einzelfall kann das dazu führen, dass ein Produkt in einer Filiale kurzfristig nicht mehr verfügbar ist.»

Kräfte und Ärger sparen: So verlagern sich Wocheneinkäufe ins Internet, berichten Detailhändler. Bei Coop etwa steigen die Heimlieferungen zurzeit im zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zum Sommer des Vorjahrs. «Eine Lieferung nach Hause ist aktuell bequemer und stressfreier. Wegen der Hitze sind die Leute aggressiver als sonst, weshalb einige solche Besorgungen bewusst meiden», erklärt Konsumforscher Fichter. Steigen die Temperaturen, steigt auch unser Kortisol-Level: Dadurch sind wir gestresster und aggressiver als sonst. 

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Grillfleisch als fettige Ausnahme

Die Hitze schlägt in jedem Fall auf den Magen. «Salat und Gazpacho sind momentan mehr gefragt als eine fettige Pizza», sagt Fichter. Mit einer Ausnahme: Grillfleisch. Sowohl die Migros als auch die beiden Discounter Aldi und Lidl verzeichnen eine «gewohnt hohe Nachfrage». Mit Gas- oder Elektrogrill steht dem Grillspass trotz Feuer- und Holzkohleverboten nichts im Weg.

Allerdings: Bei Spar ist die Nachfrage nach mariniertem Fleisch für den Grill deutlich zurückgegangen, auch Denner verkauft weniger als sonst im Hochsommer, heisst es auf Anfrage. Coop hat die Bestellungen von Grillfleisch bei den Produzenten entsprechend geringfügig verringert.

Trotzdem ist das Angebot offenbar noch deutlich zu gross im Vergleich zur gegenwärtigen Nachfrage. Blick-Leserreportern aus Winterthur ZH und Zürich fällt auf, dass auf Poulet, Kalbsbratwurst und anderen marinierten Fleischsorten rote 40-Prozent-Rabatt-Sticker prangen – und das nicht nur wenige Stunden vor Ladenschluss, sondern bereits zur Mittagszeit. Damit zeichnen Detailhändler Lebensmittel aus, die nur noch einen Tag verkauft werden dürfen.

Kalbsbratwürste bei Coop in Zürich, die am Folgetag nicht mehr verkauft werden dürfen: 40-Prozent-Sticker kam schon zur Mittagszeit drauf anstatt am Abend vor Ladenschluss.
Foto: Leserreporter

Andere berichten von Kühltruhen, die bis zum Rand voll mit Aktionsfleisch zum halben Preis gefüllt sind. «Um Überbestände abzubauen», wie der Detailhändler sagt.

Rabatt-Aktionen von 20 Prozent für Lindt-Schokoladen im Multipack laufen gerade bei Coop. Auch in kleineren Filialen stehen Wühltische mit vergünstigten Lindt-Schokoladen. Im Onlineshop verkauft der Basler Detailhandelsriese beispielsweise Lindor-Matcha-Kugeln 1 Franken günstiger, Lindt-Tafeln Cresta-Classic im 5er-Pack gibts 21 Prozent günstiger. Die Rabatte gehen bis 33 Prozent.

Wie ein Wühltisch: Schokolade bleibt bei heissen Temperaturen eher in den Regalen liegen.
Foto: Lesereporter

Je heisser es ist, desto kleiner die Lust auf Süsses, bestätigen auch Denner und Spar eine tiefere Schoggi-Nachfrage. Und: Harter Alkohol landet weniger im Einkaufswagen. Im Weinregal greifen Konsumenten lieber zum leichten Rosé als zum schweren Rotwein.

Gemüseangebot reagiert verzögert

Hitze und Trockenheit wirken sich auf das Angebot der Schweizer Landwirte aus. «Ausfälle wird es vor allem bei den noch stehenden Ackerkulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Sonnenblumen geben», teilt der Schweizer Bauernverband (SBV) auf Anfrage mit. Noch lasse sich das Ausmass nicht abschätzen.

Gemüse wie Kartoffeln, Kohlrabi oder Broccoli wächst ab gewissen Temperaturen nur sehr langsam oder gar nicht mehr, bestätigt auch der Schweizer Verband Swisscofel. Die Konsumenten müssen sich etwa mit kleineren und verformten Kartoffeln zufriedengeben. Und dürften für Schweizer Gemüse künftig mehr zahlen. Hält die Hitzeperiode an, werden sich wohl noch weitere Auswirkungen im Regal bemerkbar machen.

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